Gekreuzte Säbel und Wacholder (2)

03.05.2016 – Rhodos / Griechenland

Wir waren die Nacht über in Rhodos geblieben und als ich kurz vor 9 Uhr auf den Balkon ging entdeckte ich die Celebrity Constellation, die in der Früh uns gegenüber angelegt hatte. Das Wetter allerdings gefiel mir gar nicht, es sah nach Regen aus. Aber was soll's, ich war auf der Europa 2 und mein Gatte brachte mir einen Kaffee (aus der Nespresso-Maschine, feines Teil, auch wenn ich diese gigantischen Müllproduzierer eigentlich verabscheue) und überhaupt ging es mir verdammt gut, da konnte der Himmel noch so wolkenverhangen sein.
Gegen 10 Uhr bequemten wir uns dann zum Frühstücken in den Yacht Club bevor wir eine Stunde später an Land gingen. In die Altstadt wollten wir nicht mehr, aber ich musste unbedingt noch einen intensiven Blick in den Souvenirladen im Hafen werfen und v.a. Postkarten und einen Magnet für den Kühlschrank kaufen. Außerdem war irgendjemand auf die glorreiche Idee gekommen, dass der Vormittag ideal für einen Frühschoppen war. Und so machten wir es uns auf der Terrasse des Ladens mit einem Mythos bequem und beobachteten die Leute um uns herum. Leider wurde das Wetter eher schlechter als besser und als es dann auch noch zu regnen anfing und ich in meiner kurzen Tarnhose zu frieren begann, gingen wir wieder zurück an Bord. Das war auch gut so, denn es zog ein Gewitter auf.
Wieder in unserer Suite studierte ich erst einmal die Speisekarten des Tages auf dem Tablet und gegen 13 Uhr war der Hunger groß genug für einen Besuch im Yacht Club. Mittagessen gab es dort an diesem Tag bis 14 Uhr.
Eigentlich wollte ich ja lediglich einen informativen Blick auf das warme Buffet werfen, aber bevor ich es überhaupt richtig begriffen hatte, wurde mir schon lächelnd ein Teller mit „Hechtklößchen in Weißweinsauce“ in die Hand gedrückt. Gutti feini!!! Als Zwischengang dann noch schnell eine „Jakobsmuschel auf gegrillten Gemüsestreifen“ in den Schlund geschoben, bevor es an den Hauptgang - „Rinderhüft-Churrasco“ - ging. Eigentlich wäre an dieser Stelle Ende im Gelände für mich gewesen, aber man fährt ja nicht jeden Tag mit der Europa 2 und so gönnte ich mir zum Abschluss noch drei Kugeln Eis (Pistazie, Amarena-Kirsch und schwarze Vanille mit Milchreis). Gerald hatte ebenfalls gut und ausreichend gespeist und musste im Anschluss erst einmal auf einer Liege am Pool eine kleine Pause einlegen. Ich leistete ihm auf einen Cappuccino Gesellschaft und machte dann einen Verdauungsrundgang. Dabei entdeckte ich auch wieder die ein oder andere Kleinigkeit, die mir bis dahin verborgen geblieben war, und ich konnte in einem Gang auch einen Putzmann beobachten, der mit Wasser, Lappen und Schmutzradierer (!!) am Boden kniend die Wischleiste (!!!) reinigte. Also über mangelnde Hygiene auf diesem Schiff braucht sich echt keiner beschweren! Zu meiner großen Freude wurde auch das Wetter immer besser und ich fasste den Entschluss, mir später das Ablegen von Deck 9 unter der Brücke aus anzusehen. 


 
Zunächst aber gesellte ich mich zu meinem Gatten an den Pool, wo uns Andreas aus der Sansibar unbedingt einen Jägermeister aufschwatzen wollte. Wir blieben aber standhaft und verzichteten. Ich überzeugte Gerald, mich ins Belvedere zu begleiten, und es kam wie es kommen musste – nach einem rein informativem Blick auf die Häppchenauswahl landeten zwei Teilchen (Roastbeef und Lachscreme) auf einem Teller und wurden zu unserem Tisch mit bester Aussicht auf die Altstadt von Rhodos gebracht. Dazu gab es einen vorzüglichen Earl Grey.
Um 16 Uhr verabschiedeten wir uns von Rhodos und ich genoss wie geplant die Ausfahrt aus dem Hafen im Freien vor dem Belvedere. Und die Sonne strahlte dabei mit mir um die Wette! Herrlich! 


Bei der täglichen Ansprache des Kapitäns erfuhren wir, dass an diesem Tag alle Anläufe in Santorin abgesagt worden waren und eigentlich hätten wir laut ursprünglichem Plan auch dort sein sollen. Glück gehabt, dass Hapag-Lloyd so schnell reagiert und umgeroutet hatte. Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass wir in der Nacht auf Ausläufer eines Sturms treffen würden. Das klang auf alle Fälle interessant, vielleicht würde ich ja dann endlich einmal spüren, dass wir uns auf einem Schiff befanden.
Während ich mich am späten Nachmittag noch ein wenig auf unserer Veranda in die Sonne legte, hatte mein Gatte eine Besprechung mit dem Hotel Manager Johann Schrempf und ich traf ihn im Anschluss daran in der Pianobar (wo das Meeting stattgefunden hatte; hat der kein Büro??). Dort gab es auch für mich einen Drink auf Kosten des Hauses und danach warfen wir noch einen intensiven Blick in die Boutique und ließen uns ein paar Shirts und Jacken zeigen (billigen Plunder sucht man hier natürlich vergeblich). Ohne große Eile gingen wir wieder zurück auf unsere Suite, um uns für die Abendfütterung fertig zu machen und schlenderten dann gemütlich Richtung Yacht Club und ich stellte mir die Frage, was genau ich eigentlich an den festen Tischzeiten bei Costa immer so geschätzt hatte. Am Pool waren die Vorbereitungen für den Champions League-Abend bereits voll im Gange und mir wurde bewusst, dass ich langsam eine Entscheidung treffen musste – Bayern-Spiel oder Max Mutzke... Wer zur Hölle hatte eigentlich den Auftritt von Max ausgerechnet für diesen Abend eingeplant?? Den sollte man feuern oder ihm zumindest irgendein Körperteil abhacken! Aber erst einmal hatte ich Hunger und die Plünderung des Buffets hatte Vorrang vor allem anderen. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Jakobsmuscheln liebe? Von denen gab es auf alle Fälle reichlich am „Griechischen Buffet“ und dazu noch viele weitere Köstlichkeiten. Ich staunte nicht schlecht, als während unseres Abendmahls plötzlich Kreuzfahrtdirektor David Wilms vor uns stand und fragte, ob er sich zu uns setzen dürfte. Aber logisch doch! Wir plauderten locker über das Schiff, die Seefahrt und das Leben. So was hat man auch nicht alle Tage und den ein oder anderen komischen Blick unserer Mitpassagiere kassierten wir auch. 


Um 21 Uhr suchten wir uns einen Platz beim Pool, wo das Rückspiel FC Bayern München gegen Atlético Madrid im Halbfinale der Champions League gezeigt wurde (außerdem konnte man es sich noch im Jazzclub ansehen). Ich gönnte mir einen Black Russian und würgte auch noch ein Freibier runter, um mich dann kurz nach dem Anstoß auf den Weg ins Theater zu machen (gemeinsam mit dem Chef im Aufzug), wo im Rahmen von „MS Europa 2 unplugged“ der Auftritt von „Sonophonic feat. Max Mutzke“ stattfand. Es war ein langer, innerer Kampf gewesen, aber letztendlich hatte die Musik gewonnen und ich sollte meine Entscheidung auch keine Sekunde lang bereuen. Die Musiker begeisterten mich mit ihren gefühlvollen und mitreißenden Songs und die lockere Art von Max kam verdammt sympathisch rüber. Da blieb auch der ein oder andere Lacher nicht aus („Ihr glaubt doch nicht, dass meine Moves hier auf der Bühne alle so beabsichtigt sind“). Trotz der fantastischen Show konnte ich es nicht lassen, zwischendurch einen Klogang zu simulieren und dabei einen Blick in den Jazzclub zu werfen. Es gab noch Hoffnung, wobei ich irgendwie das Ausscheiden meiner Lieblingsmannschaft im Gefühl hatte. Während des Konzerts machten sich auch die angekündigten Ausläufer des Sturms immer deutlicher bemerkbar und ich musste feststellen, dass ich definitiv das falsche Schuhwerk an hatte – mittanzen wurde also gestrichen. Ein Höhepunkt des Abends war der Auftritt des schwedischen Posaunists Nils Landgren, der zu den erfolgreichsten europäischen Jazzmusikern zählt. Hammer!


Am Ende wurde ich dann immer unruhiger und bei der dritten Zugabe hielt ich es nicht mehr aus und schlich mich aus dem Theater. Die Jungs, die mit „ein paar“ Snacks vor dem Jazzclub standen, zeigten mir schon von der Weite den Spielstand an und nach einem schnellen Blick auf die Leinwand in der Bar versuchte ich so schnell es ging auf unsere Suite zu kommen – und das war nicht besonders schnell! (Ich: „Wackelt das Schiff oder habe ich einen Drink zu viel?“ Crewmitglied lachend: „Im Zweifelsfall wackelt immer das Schiff!“) Viel gibt es dann gar nicht mehr zu sagen, die letzten zehn Minuten des Spiels hätte ich mir auch schenken können – am Ende gewonnen und trotzdem ausgeschieden, das hatten wir doch schon im vergangenen Jahr auf der Luminosa. Ich hatte eigentlich schon damit gerechnet und meine gute Laune ließ ich mir davon nicht verderben. Ich zog mich schnell um (Bayern-Trikot und v.a. Turnschuhe) und machte mich dann auf die Suche nach Gerald. Am Pool, wo ich ihn zu Spielbeginn das letzte Mal gesehen hatte, war er nicht, aber in der Sansibar wurde ich schließlich fündig. Wo auch sonst?!
Nach dem ausführlichen Spielbericht von meinem Gatten war ich dann wirklich froh, dass ich mir das nicht angetan hatte, und machte einen Haken hinter die Champions League für diese Saison. Und anstatt des Einzugs ins Finale feierten wir halt eben einfach nur das Leben - machte fast genauso viel Spaß. Auch Max Mutzke tauchte später in der Sansibar auf und ich nutzte die Chance, mich persönlich bei ihm für den mitreißenden Auftritt zu bedanken. Er konnte es gar nicht glauben, dass ich dafür auf Fußball verzichtet hatte und musste mich erst einmal knuddeln. Ein Foto mit ihm bekam ich auch noch und wir verabredeten uns für September nach seinem Auftritt in meiner Heimatgemeinde Lappersdorf. Nach ein paar Drinks, einem Flammkuchen gegen Kalorien-Mangelversorgung und interessanten Gesprächen (u.a. mit Jan aus der Hapag-Lloyd-Zentrale in Hamburg) endete dieser wunderschöne Abend mit einem kleinen Gewitter und einem fetten Grinsen in meinem Gesicht. 
 
Im Hafen: Golden Iris, Celebrity Constellation
Temperaturen bis 20°C, wechselhaft mit Sonne, Wolken und Gewitter
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04.05.2016 – Kuşadası / Türkei


Die Europa 2 erreichte an diesem Morgen gegen 7.30 Uhr den Hafen von Kuşadası, was ich aufgrund der doch etwas längeren Party in der Sansibar natürlich verpennte. War mir aber auch ziemlich egal, nächtlicher Spaß ist wichtiger als Fotos vom Einlaufen in irgendeinen Hafen. Um 9.30 Uhr hatte ich es aber dann doch endlich aus dem Bett und auf den Balkon geschafft, wo ich erst einmal die Seabourn Odyssey begutachtete, die direkt neben uns lag. Gerald schien es ebenfalls nicht besonders eilig zu haben und so wären wir fast zu spät zum Frühstück im Yacht Club gekommen... dann hätten wir verhungern müssen. Aber wir hatten Glück und schafften es doch noch rechtzeitig zu meiner täglichen Dosis Räucherlachs mit Currysauce.
An diesem Vormittag fand eine Sicherheitsübung der Crew statt, von den im Tagesprogramm angekündigten Einschränkungen im Service bemerkten wir aber nichts. Lediglich die Durchsagen und Crewmitglieder mit Rettungswesten zeugten vom Generalmanöver. Auf dem Weg zurück zu unserer Suite durfte ich sogar einen Blick nach draußen auf das Außendeck mit den Rettungsbooten werfen und da stellte sich mir dann natürlich auch wieder die immer noch unbeantwortete Frage bezüglich der Toiletten.
Da es zu gewittern begann und wir mal wieder keinen wirklichen Plan hatten, beschlossen wir, erst einmal den Pool zu testen. Vielleicht würde das Wetter ja am Nachmittag besser sein, ich wollte nämlich schon gerne ein bisschen von Bord und v.a. an den Strand mit gutem Blick auf die Kreuzfahrtschiffe gehen.
Der 15 m lange Pool auf der Europa 2 verdient diesen Namen wirklich, andere Schiffe haben ja eher „Erfrischungsbecken“. Man konnte tatsächlich darin schwimmen und an einem Ende war er 1,80 m tief. Das Wasser war für meinen Geschmack etwas kühl, aber für sportliche Betätigungen ideal. Außer uns zogen noch zwei Herren ihre Bahnen, aber es war mehr als genug Platz, so dass wir uns nicht in die Quere kamen und ich auch in Ruhe auf dem weißen Wal reiten konnte. Macht immer wieder Spaß! Auf dem Pooldeck war sehr wenig los, die meisten Liegen waren frei, wenn man es genau nimmt, waren mehr Angestellte als Passagiere unterwegs. Aber das war auf diesem Schiff außer bei Veranstaltungen meist der Fall, und auch da musste keiner lange auf die Erfüllung seiner Wünsche warten. Nach dem Plantschen zog ich mir in der Umkleidekabine (sogar mit Dusche!!!) trockene Klamotten an und ruhte dann noch ein wenig auf meiner bequemen Liege und studierte dabei auf dem Tablet die Speisekarten der diversen Restaurants. Anschließend brachte ich noch schnell meine Postkarten zur Rezeption („Brauchen Sie nicht noch meine Suitennummer?“ - „Die wissen wir doch, Frau Lehner!“) und dann war es auch schon wieder Zeit für einen Besuch im Yacht Club. Nachdem das Frühstück ausnahmsweise eher klein ausgefallen war, hatte ich mittlerweile so richtig Hunger und startete mit einem Schälchen „Balik-Lachs“ auf Kartoffelsalat vom kalten Buffet. Mein Gatte wurde dort natürlich auch fündig und gönnte sich „Gemüsesülze auf Kräuter-Crème fraîche“ und „Tempeh auf Pilzsalat“ aus der Ayurvedaküche. Was auch immer letzteres war, es sah aus wie ein kleines Kunstwerk. Als Hauptgang gab es bei Gerald irgendetwas Fleischiges mit Spätzle, während ich meinen Teller mit zwei kleinen, sehr leckeren Semmelknödeln in Pilzrahmsauce und einem riesigen Berg Butterspätzle mit einem noch größeren Berg diverser Pilze füllen ließ. Da waren Schwammerln dabei, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte, gut geschmeckt hat natürlich jeder einzelne. Das war dann auch genug Stärkung für den Landgang, zu dem wir nach dem Essen aufbrachen.


Das Wetter war im Vergleich zum Vormittag etwas besser geworden, trotzdem war es ziemlich frisch als wir kurz vor 15 Uhr von Bord gingen. Aber zumindest regnete es nicht. Auf den Strand, zu dem ich ursprünglich unbedingt wollte (und war da bei den Vorbereitungen für die Reise nicht noch was mit Altstadt und Bazar??), hatte ich irgendwie gar keine große Lust mehr und auch Gerald stand der Sinn eher nach einem kleinen Spaziergang anstatt eines längeren Marsches.
Kuşadası ist ein bedeutender Ferienort in der Türkei und u.a. wegen seiner Nähe zur Ausgrabungsstätte Ephesus beliebt. Dort waren wir 2006 auf unserer allerersten Kreuzfahrt gewesen und verzichteten, wie auch schon bei den letzten Anläufen in Izmir, auf einen Ausflug dort hin. Die Ausgrabungsstätte ist zwar sehr interessant und man sollte sie auch mal gesehen haben, wenn man in der Nähe ist, aber ich persönlich muss jetzt kein zweites Mal dort hin. Kuşadası selbst soll ein paar schöne Strände haben, aber Badewetter herrschte an diesem Tag wirklich nicht. Was machen nun die Lehners, wenn sie keine Lust haben, irgendetwas zu unternehmen? Einfach einen kleinen Hafenspaziergang inklusive 100 Fotos von den anwesenden Schiffen. Besonders die Star Clipper war ein hervorragendes Motiv und die verspiegelte Front des Hafengebäudes lud zu einigen Spielereien ein. (Danke Pavel!)



Zwischen der Seabourn Odyssey und der Europa 2 zog es wie Hechtsuppe und es fröstelte mich dann doch etwas, also gingen wir wieder an Bord, wo wir von drei Crewmitgliedern freundlichst begrüßt wurden: einer hatte kleine, leicht angewärmte und angenehm duftende Handtücher für uns, der nächste bot uns eine Tasse Tee an („Ist schon ein bisschen kalt draußen. Darf es eine Tasse Tee für Sie sein?“) und Nummer drei goss einem auf Wunsch noch einen ordentlichen Schuss Rum in die Tasse. Das ist ein Service! Natürlich war im Foyer auch ein Tisch mit Häppchen aufgebaut, man könnte nach dem Landgang ja kurz vor dem Verhungern sein. Waren wir zwar nicht, trotzdem konnten wir nicht widerstehen. Yummy!


Zurück in unserer Suite mussten wir uns erst einmal von unserem anstrengenden Landausflug erholen und uns dann für das Abendprogramm aufhübschen. (Außerdem freute ich mich über die Visitenkarte von Jan im Briefkasten. Er hatte mich also nicht vergessen.) Überpünktlich begann der Kapitän um 17.15 Uhr mit dem Ablegemanöver und setzte Kurs auf Volos. So konnten wir uns noch kurz von Kuşadası verabschieden und unseren Nachbarn von der Seabourn Odyssey zuwinken, wobei da einige wie es sich gehört mit einem Glas Sekt bzw. Champagner auf dem Balkon standen. Hätte ich auch gerne gemacht, aber wir hatten ja einen wichtigen Termin und somit keine Zeit.
Pünktlich um 17.30 Uhr fanden wir uns im Herrenzimmer zum „Exklusiven Gin Tasting“ ein. Als Aperitif gab es gleich mal ein Glas Gin mit höchstwahrscheinlich Limettensaft (dummerweise vergessen aufzuschreiben) und der Barkeeper und Ginexperte des Herrenzimmers (dessen Namen ich natürlich auch vergessen habe) begrüßte die Anwesenden und erklärte uns den Ablauf der Veranstaltung. Neben allgemeinen Informationen würde er uns vier Ginsorten näher vorstellen – alle 37 an Bord befindlichen zu probieren wollte er uns nicht zumuten, da wir ja auch noch etwas vom Abendessen haben sollten. Langsam trudelten dann auch noch weitere Passagiere ein, die sich verspätet hatten („Ach, die Damen kommen auch noch.“), u.a. auch ein Pärchen, das sich zu uns setzte. Ich erkannte die Dame wieder, die mich nach dem Landgang im Foyer so komisch von der Seite beäugt hatte (ihr gefiel wohl meine Tarnhose nicht) und auch sie erkannte mich nach einigem sichtbaren Überlegen wieder (Tja, ich kann mich auch vernünftig anziehen!). Nun aber ran an den Gin! Es gab immer erst einen Schluck pur zum Probieren, dann kam ein Eiswürfel rein, dann eine Garnitur und am Ende wurde mit Tonic Water aufgefüllt. Dazu gab es natürlich massig Informationen. Ich war begeistert. Zum einen war da der jeweils komplett unterschiedliche Geschmack der jeweiligen Ginsorten selbst, zum anderen wie sich der Geschmack durch die weiteren „Zutaten“ entfaltete bzw. veränderte. Für Kenner und Interessierte: Nr. 1: „Martin Miller's“ (40% Vol.) + Gurke + Schweppes + schwarzer Pfeffer. Nr. 2: „Whitley Neill“ (42% Vol.) + Orange + Thomas Henry. Nr. 3: „Gin Mare“ (42% Vol.) + erwärmter Rosmarin + Fever Tree. Nr. 4: „Blue Gin“ (43% Vol.) + Grapefruit + Fentimans. Am Ende bekam jeder auch noch ein Handout, das aber leider mittlerweile verschollen ist. Insgesamt muss ich sagen, dass sich die Teilnahme am Gin Tasting auf alle Fälle gelohnt hat. Ich bekam nicht nur verdammt viele interessante Informationen rund um mein neues Lieblingsgetränk, sondern hatte am Ende auch leicht einen sitzen. Und das Ganze für lau!


Leicht beschwippst gingen wir nach dem Gin Tasting ins Weltmeere und bekamen dort einen schönen Tisch für zwei Personen am Fenster. Perfekt! Bei einem Gläschen Champagner studierten wir die Speisekarten und wurden schnell fündig. Nach dem obligatorischen Gruß aus der Küche – an diesem Tag erfreute man uns mit einem Spargelsüppchen mit Schnitzelspieß – gab es für mich als Vorspeise „Gebackene Praline vom Lachs mit Tatar, Sashimi, Dill-Espuma, Gurkensorbet und Sesam-Soja-Mayonaise“, fangfrisch aus Kuşadası versteht sich (klang nicht nur gut, schmeckte auch hammergeil) und dann als Hauptgang die Spezialität des Hauses „Tranche vom zart gereiften piemontesischen Rinderfilet auf Ragout vom Ochsenschwanz mit Tomaten-Auberginenkompott und getrüffeltem Kartoffelschaum“ (ein Traum wie erwartet). Für ein Dessert war mein Magen dann definitiv zu voll, aber unsere nette Bedienung konnte uns dann doch noch ein Cassis-Sorbet aufschwatzen – ist ja dann doch eigentlich nur Wasser und das passt immer rein. Und uns wurde sogar angeboten, die Sache noch ein bisschen mehr zu verflüssigen und das Sorbet wahlweise mit Champagner oder Wodka aufzufüllen, worauf wir zeitgleich natürlich „Wodka!!!“ forderten. Das Gelächter war natürlich groß und das Cassis-Wasser-Schnaps-Gemisch schmeckte verdammt gut.




Da wir den Abend ja bereits mit Gin begonnen hatten, wollten wir nach dem Essen auch an dieser Stelle weiter machen und gingen zurück ins Herrenzimmer. Nach kurzer Zeit kam auch das Pärchen, das während des Tastings bei uns gesessen hatte, und machte es sich neben uns an der Bar bequem (Sie: „Jetzt brauch ich einen Schnaps!“). Es entwickelte sich auch schnell ein nettes Gespräch über Kreuzfahrten im Allgemeinen und Hapag-Lloyd im Speziellen (besonders Madame war Expertin) sowie Alkohol bis hin zu Krankheiten. So waren sie also, die Großkopferten auf der Europa 2 – ganz normale, lustige, liebe Menschen, auch wenn Madame Klunker im Wert einer Mittelklasselimousine alleine an einer Hand trug.
Kurz vor Mitternacht waren wir wieder zurück in unserer Suite und köpften zur Feier des Tages noch unsere Begrüßungsflasche Schampus, wobei ich gar nicht mehr weiß, was es eigentlich zu feiern gab... ach so, wir waren auf Kreuzfahrt! 
 
Im Hafen: Seabourn Odyssey, Star Clipper
Temperaturen bis 18°C, wechselhaft mit ein bisschen Sonne, Wolken und Gewitter
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Fortsetzung folgt...