05.05.2016 – Volos
/ Griechenland
Gegen 8 Uhr legte
die Europa 2 in der griechischen Hafenstadt Volos am Pagasitischen
Golf an. Ein wichtiger Tag lag vor uns und die beginnende Nervosität
trieb mich ausnahmsweise frühzeitig aus dem Bett. Wir hatten ein
volles Programm am Nachmittag, trotzdem oder vielleicht gerade
deshalb ließen wir es am Vormittag gemütlich angehen. Als erstes
zog es uns natürlich in den Yacht Club zur täglichen Versorgung mit
Lachs, Roastbeef, Egg Benedict und allem was das Herz sonst noch
begehrt. Und wenn man dann noch vom Kapitän mit einem freundlichen
„Guten Morgen“ begrüßt wird, dann schmeckt es gleich noch viel
besser, wobei besser eigentlich gar nicht geht.
Bei unserem bitter notwendigen
Verdauungsspaziergang über die Außendecks stellten wir fest, dass
das Wetter besser als vorhergesagt war. Gute Aussichten also für
unsere weiteren Pläne. Aber zunächst einmal wollte ich mich um das
notwendige „Übel“ der Kreditkartenregistrierung kümmern. Dem
Tagesprogramm und einem extra Infozettel hatte ich entnommen, dass
man die Kreditkarte an der Rezeption registrieren lässt und dann am
Abreisetag die unterschriebene Rechnungskopie dort abgibt. Also holte
ich meine Karte aus der Suite und ging auf Deck 4. Angesichts der
Menschenmassen, die an der Rezeption anstanden, hatten anscheinend
viele andere Passagiere denselben Plan wie ich... Ist natürlich
Quatsch, ein einziger Herr war vor mir und das ganze Prozedere
dauerte dann auch keine zwei Minuten. Auf diesem Schiff schien man
nirgends längere Zeit warten zu müssen. Perfekt, mehr Zeit für
Entspannung und Nahrungsaufnahme.
Bei unseren Planungen im Vorfeld hatte
ich kurzzeitig einen Ausflug zu den Metéora-Klöstern ins Auge
gefasst, aber 8,5 Stunden war mir dann definitiv zu lange und da ich
ja meinen Fotospaziergang bekommen hatte, war für diesen Tag Geralds
Wunschausflug gebucht worden und zwar „Mit der Nostalgiebahn ins
Pilion-Gebirge“. Dieser sollte erst am frühen Nachmittag beginnen
und ich kam auf die glorreiche Idee, mittags den Suitenservice zu
testen.
Der
24-Stunden-Suitenservice ist natürlich inklusive und die Karte
bietet eine schöne Auswahl an unterschiedlichen Gerichten von
Ceasar's Salad über Tomatencremesuppe bis hin zu Hauptgerichten wie
Strammer Max, Rinderfiletsteak oder „Sansibar“-Currywurst. Und
Desserts gibt es natürlich auch. Die Karte soll angeblich aber nur
eine grobe Orientierungshilfe darstellen, Sonderwünsche sind wie
üblich auf diesem Schiff kein Problem. Wir entschieden uns für den
Klassiker „Wiener Schnitzel“ mit Bratkartoffeln. Ein kurzer Anruf
und keine halbe Stunde später klingelte es an unserer Tür und unser
Mittagsmahl wurde geliefert. Ja, richtig gelesen, hier wird nicht
geklopft sondern geklingelt. Da die Temperaturen angenehm waren,
entschlossen wir uns, auf der Veranda zu speisen, Platz genug war ja.
Zum Schnitzel muss ich nicht viel sagen – genauso stelle ich mir
ein perfektes Wiener Schnitzel vor und die Bratkartoffeln waren
genauso wie ich sie am liebsten mag. Aber alles andere hätte mich eh
gewundert.
Pünktlich um 13 Uhr
fanden wir uns vor dem Schiff bei den Ausflugsbussen ein – kein
Chaos, keine Hektik, herrlich! Kaum hatten wir im Bus Platz genommen
stellte sich unser Reiseleiter Thanos vor, sorgte dafür, dass jeder
eine Flasche Wasser hatte, und erläuterte uns den Ablauf des
Nachmittags.
Nach kurzer Fahrt
waren wir in Volos selbst und ließen die Stadt dann auch schnell
hinter uns. War mir nur recht, weil das was ich vom Busfenster aus
sah nicht gerade Begeisterung bei mir auslöste. Große Teile der
Stadt waren bei einem schweren Erdbeben 1955 zerstört worden und die
dann neu errichteten Gebäude waren eben typisch für diese Zeit.
Muss man nicht gesehen haben. Nach ca. einer halben Stunde, in der
uns unser Führer viel über die Geschichte der Region und die
griechische Mythologie erzählte, erreichten wir Ano Lechonia. Hier
wartete schon unser Museumszug (Spurweite 600 mm) auf uns und nachdem
ich noch schnell meine Blase geleert hatte (diese Stehklos sind immer
wieder eine Herausforderung) suchten wir uns einen Platz in einem der
vier Wagons. Also bequem ist was anderes... aber hier ging es ja
nicht um Komfort, sondern um Nostalgie.
Die einstündige
Fahrt durchs Pilion-Gebirge bis Milies war ziemlich kurzweilig und
wir waren echt begeistert von der malerischen Landschaft und den
schönen Ausblicken aufs Meer. Immer wieder stand ich auf und stellte
mich zwischen die Wagons, um Fotos zu machen – sogar von der
abenteuerlichen Brücke (die Panik kam erst als wir bereits darüber
gefahren waren). Kleiner Tipp am Rande: Vor der Fahrt unbedingt aufs
Klo gehen und keine selbstgestopften Kippen mitnehmen – es ruckelt
und wackelt nämlich ziemlich heftig!
Am Bahnhof in Milies
angekommen beobachteten wir erst einmal wie die Lok auf einer
Drehscheibe mit echter griechischer „Manpower“ für die Fahrt
zurück in die richtige Position gebracht wurde. Faszinierend! Und
dann begann der Aufstieg ins eigentliche Dorf. Wer nicht so gut zu
Fuß oder einfach nur zu faul war, für den stand ein Kleinbus
bereit, aber mein Gatte strotzte an diesem Nachmittag nur so vor
Energie und marschierte los. Weshalb sogar auf dem Ausflugticket der
Hinweis auf „unebener Wanderweg“ und der Rat zu solidem Schuhwerk
stand, wurde uns sehr bald klar. Der Aufstieg hatte es wirklich in
sich! Während Gerald einfach die Zähne zusammen biss, schimpfte ein
etwas älterer Herr böse vor sich hin. Seine Begleiterinnen
interessierte das aber wenig, sie wiesen ihn lediglich auf die
Ausflugsbeschreibung hin, die er einfach hätte lesen sollen. Ich
möchte nicht wissen, was es bei Costa an dieser Stelle für Klagen
gegeben hätte. Nach ca. 20 Minuten hatten wir es dann geschafft und
konnten die denkmalgeschützten Häuser von Milies und die
wunderschöne Aussicht genießen. Nachdem ich noch einen Blick in die
Kirche geworfen hatte machten wir es uns an einem der zahlreichen
Tische in Freien bequem und orderten Wein und Mythos. Das hatten wir
uns jetzt auch wirklich verdient!
Gegen 16 Uhr wurden
wir von unserem Busfahrer wieder eingesammelt und zurück zum Hafen
von Volos gefahren, den wir etwa eine Stunde später erreichten. Da
wir noch massig Zeit bis zu unserem wichtigen Termin am Abend hatten,
ging ich gestärkt nach einer Tasse Rum mit Tee noch eine längere
Runde über die Außendecks.
Ich begutachtete u.a
zwei Privatyachten, die anscheinend gerade aufgehübscht wurden („Al
diriyah“ und „Prince Abdulaziz“, die im Besitz der Saudi-arabischen Königsfamilie ist) und amüsierte mich über den
Nasenbohrer. Vielleicht hoffte er ja, auf Öl zu stoßen, wenn er
schon auf einer Yacht der Ölnasen arbeiten musste. Das Wetter war
einfach traumhaft schön und die Sonne strahlte nur so vom blauen
Himmel. Anscheinend hatte der Wettergott mitbekommen, dass für uns
heute ein ganz besonderer Tag war, und ignorierte einfach die weniger
guten Vorhersagen. Überpünktlich begann Kapitän van Zwamen bereits
gegen 17.40 Uhr mit dem Ablegemanöver, was ich von den oberen
Außendecks aus verfolgte, bevor ich mich dann auf den Weg zurück in
unsere Suite machte.
Dort warte eine
Überraschung auf mich: ein leckerer Früchteteller, eine Flasche
„Moët & Chandon Brut Impérial“ und eine Glückwunschkarte
vom Kapitän zu unserem 10. Hochzeitstag.
In aller Seelenruhe
stylte ich mich für unseren wichtigen Abend und dezimierte dabei die
exotischen Früchte. Gerald allerdings war sichtlich nervös. Komisch
- vor zehn Jahren war doch er die Ruhe selbst gewesen, im Gegensatz
zu mir zitterndem Wrack. Ich hatte Erbarmen mit ihm, zog mein neues,
extra für diesen Anlass gekauftes, natürlich schwarzes Kleid an und
ging mit ihm zur Pianobar, wo die nette Barkeeperin gerne seinem
Wunsch nach einem eiskalten Jägermeister nach kam. (Glas ins Eis,
nicht Eis ins Glas!!!) Da wir viel zu früh dran waren, trank Gerald
noch einen Kaffee an der Poolbar, während ich ein paar Fotos von der
schönen Landschaft machte, an der die Europa 2 langsam vorbei fuhr.
Dann war es soweit.
Pünktlich um 19.30 Uhr betraten wir das Belvedere und wurden
herzlich von Kreuzfahrtdirektor David Wilms und Kapitän Christian
van Zwamen begrüßt, während ein Mitglied der Bordband am weißen
Flügel, der mit einem riesigen Rosenbukett geschmückt war, einen
Song von Frank Sinatra anstimmte. Welches Lied es genau war, kann ich
leider nicht mehr sagen, mein Hirn war in diesem Moment einfach
überfordert und ich konnte nur noch dämlich grinsen. (Laut Gerald
war es „New York, New York“) Die Zeremonie war dann einfach der
Wahnsinn! Die Ansprache des Kapitäns war so ergreifend, dass ich
Tränen in den Augen hatte. Er erklärte uns, dass der Ausdruck „in
den Hafen der Ehe einlaufen“ eigentlich falsch sei, denn in einem
Hafen ist es sicher und es geht nicht mehr weiter. Eine Ehe ist genau
das Gegenteil, man begibt sich auf eine ungewisse Fahrt. Bezugnehmend
auf Geralds und meine gemeinsame Reise meinte er, dass wir beide ja
auch ein paar Mal sehr unruhige See gehabt hatten. Das musste ihm
wohl Herr Wilms erzählt haben. Und er überreichte uns feierlich ein
Stück Schiffstau, an dem wir uns künftig festhalten sollten, wenn
der Seegang mal wieder etwas heftiger sein sollte. (schluchz,
schnief) Dann stellte uns die Frage aller Fragen und wir beide sagten
laut, deutlich und ohne Zögern nach zehn Jahren ein zweites Mal
„JA“. Anschließend wurde Champagner gereicht und der Mann am
Flügel sang „My way“. Danke Gerald! Alleine dafür würde ich
dich jederzeit wieder heiraten!
Kapitän Christian
van Zwamen nahm sich nach der Zeremonie noch Zeit, um bei einem Glas
Champagner in lockerer Atmosphäre ein bisschen mit uns zu plaudern.
Ein sehr sympathischer Mann, der rein von der Statur her einem
richtigen Seebären entspricht. Natürlich wollte er genau wissen,
wie wir auf die Idee zur Erneuerung unseres Eheversprechens gekommen
waren, und freute sich sehr, dass wir ausgerechnet „seine“ Europa
2 für diesen besonderen Akt gewählt hatten. Da wir nun schon
sozusagen an der Quelle saßen, musste mein alter und neuer Ehemann
auch die Chance nutzen und sprach die „Toilettenfrage“ an. Den
Blick und die Reaktion des Kapitäns werde ich nie in meinem Leben
mehr vergessen. Erst war er sich wohl nicht so ganz sicher, ob die
Frage nach dem Klo auf den Rettungsbooten wirklich ernst gemeint war,
dann entschuldigte er sich kurz, um zu telefonieren. Ende vom Lied:
Ich hatte am nächsten Tag einen Termin mit der Sicherheitschefin, um
die Frage ein für alle Mal zu klären. Hahahahahaha!
Wir hatten für
unseren wichtigen Termin im Vorfeld einen Fotografen gebucht und
nachdem sich Kapitän und Kreuzfahrtdirektor verabschiedet hatten
folgte ein Shooting an Deck. Der Wettergott beglückte uns dabei
sogar noch mit einem schönen Sonnenuntergang, so dass der offizielle
Teil perfekt endete. Dummerweise war ich so glücklich und zufrieden
mit meinem Mann, meinem Leben und dem Rest der Welt, dass ich total
vergaß, auch noch selber ein paar Fotos v.a. vom Belevedere und dem
Flügel mit dem gigantischen Rosenbukett zu machen. Aber egal, die
Bilder sind für immer in meinem Kopf!
Zusammenfassend
möchte ich zu unserer Hochzeit Nummer zwei nur noch folgendes sagen:
Die Organisation war perfekt, das Belvedere mit dem Ausblick über
den Bug war der beste Ort an Bord für diesen Anlass und der ganze
Ablauf war noch schöner als ich es mir erträumt hatte. Die
Entscheidung, diesen Wahnsinn durchzuziehen werde ich niemals
bereuen!
Nach einem kurzen
Abstecher an die Poolbar (den Jäger hatten wir uns wirklich
verdient) steuerten wir das französische Spezialitätenrestaurant
Tarragon an, wo wir für diesen Abend reserviert hatten. Es wartete
auch die nächste, von meinem Gatten organisierte Überraschung auf
mich: ein wunderschön mit Blumenblättern dekorierter Tisch am
Fenster!
Wir hatten viel über
das Tarragon gelesen und gehört und dementsprechend hoch waren auch
unsere Erwartungen. Zudem hatten wir zu unserem Dinner auch noch eine
korrespondierende Weinbegleitung (danke Hapag-Lloyd), die meine
Vorfreude noch steigerte. Die Dame am Nebentisch sorgte kurz nach
unserer Ankunft auch dafür, dass das Grinsen in meinem Gesicht noch
breiter wurde. Nach einer kurzen Begrüßung meinte sie nämlich:
„Ach SIE sind das! Wegen IHNEN bin ich wohl vorhin aus dem
Belvedere rausgeflogen. Da wollte ich noch was trinken und die haben
mich wegen einer privaten Veranstaltung raus komplimentiert! Was gibt
es denn schönes zu feiern?“ Ach, nur uns selber und das Leben!
Aber nun zum
wichtigen Teil – dem Essen. Es ging los mit einem Gruß aus der
Küche: ein Häppchen vom Schwertfisch. Sehr fein und liebe Grüße
zurück in die Küche! Bei der Vorspeise waren Gerald und ich uns
einig und bestellten die Spezialität des Tarragons: frisch
angemachtes Beef Tatar du Chef. Würde es all den Lobeshymnen gerecht
werden? Definitiv ja! Das Tatar wird direkt am Tisch zubereitet,
nachdem man seine gewünschten Zutaten gewählt hat (für Gerald
einmal mit allem und leichter Schärfe, für mich mit allem ohne
Kapern und Sardellen mit leichter Schärfe). An dieser Stelle noch
einmal danke an Herren Wilms für seinen Tipp mit der Schärfe und
dem Schwarzbrot. Ein Traum! Nicht mit Worten zu beschreiben! Wer
nicht gerade eine Abneigung gegen rohes Fleisch hat, der sollte das
unbedingt probieren, wenn er mal auf der Europa 2 ist.
„Es muss nicht
immer Kaviar sein“ (Johannes Mario Simmel, 1924-2009) … aber ab
und zu gehört er zu einem luxuriösen Lebensgefühl einfach dazu -
so stand es im aktuellen Tagesprogramm und das bedeutete, dass
Kaviar-Abend auf der Europa 2 war. Ich bin ja jetzt eigentlich nicht
der große Fan von Fischeiern, aber ich ließ es mir natürlich auch
nicht nehmen, mir eine Portion davon zu gönnen - wenn man mir das
Zeug schon unter die Nase hält. Gerald war mal wieder gar nicht
zurückhaltend und schaufelte eine riesige Portion mit dem
Perlmuttmesser in sich rein. Ihm hat's geschmeckt, mir auch – nur
die Dame neben uns hatte nach eigenen Angaben schon besseren gehabt.
Dazu gab es natürlich Wodka! An so einem Abend muss es wohl einfach
Kaviar sein!
Als Zwischengang
wählte Gerald Weinbergschnecken mit Kräutern und Knoblauchbutter
(würg) und ich konnte der Jakobsmuschel mit Orange und Grapefruit
nicht widerstehen. (Nun weiß ich auch, dass man sich an
Jakobsmuscheln definitiv NICHT abessen kann!) Auch beim Hauptgang
gingen unsere Wünsche auseinander und während mein Gatte sich für
eine Bouillabaisse mit Gemüse, Languste, Garnele, Jakobsmuschel und
Krustentier-Sud entschied, hatte ich Lust auf einen Broiler... naja,
also Perlhuhn mit Trüffelhonig, Maispüree, Möhren und geschmorten
Kirschtomaten. Optisch und geschmacklich alles ein Traum. Dann war
der Magen voll und Frau Lehner zufrieden.
Da wir es zeitlich
nicht mehr zum Auftritt von Nils Landgren ins Theater schafften,
gingen wir in die Sansibar, wo die „Hochzeitsparty“ dann so
richtig lustig wurde. Viele Glückwünsche und eine private
„Tanzshow“ rundeten diesen perfekten Tag ab. Ich hatte sogar die
Gelegenheit, den beiden Damen mit dem vielen Makeup vom Ausflug,
denen wohl mein Outfit am Nachmittag nicht so ganz zugesagt hatte,
noch genüsslich einen reinzuwürgen! (Erst die zweite Kreuzfahrt und
die erste war mit der Mein Schiff 1... pffffffffffff).
So lange hatte ich
von diesem Tag geträumt, mir ausgemalt wie es sein würde und nun am
Ende kann ich nur eines sagen: Besser geht es nicht! Danke! Dreams do
come true!!!
Temperaturen über
20°C, sonnig
(4)
06.05.2016 –
Passage Dardanellen, Istanbul / Türkei
Nach der doch etwas
intensiven vergangenen Nacht hatte ich logischerweise am Morgen nicht
besonders viel Lust, mein Bett frühzeitig zu verlassen, auch wenn
die Europa 2 ab 7 Uhr die Dardanellen passieren würde. War ja auch
nicht das erste Mal, dass wir durch diese Meerenge zwischen Ägäis
und Marmarameer fuhren. Um 8.30 Uhr bequemte ich mich dann aber
dennoch auf unsere Veranda, um ein paar Fotos zu machen. Den
ursprünglichen Plan, mich auf Deck 9 vor das Belvedere zu begeben,
verwarf ich allerdings. Nicht mal auf Frühstück hatte ich Lust, ein
Kapselkaffee und ein O-Saft aus der Minibar reichten mir völlig.
Waren das nur die Nachwehen der Nacht oder machte sich da schon die
schlechte Laune bezüglich des nahen Kreuzfahrtendes bemerkbar?
Pünktlichst um
10.15 Uhr traf ich mich an der Rezeption mit der Sicherheitschefin,
die mich freundlich begrüßte, obwohl sie mich wahrscheinlich für
komplett irre hielt. Als Gerald am Abend zuvor den Wunsch nach einem
Foto der Rettungsboot-Toilette (sollte es diese überhaupt geben)
geäußert hatte, hatte ich sofort ergänzt, dass ich natürlich
vollstes Verständnis dafür hatte, wenn dies aus Sicherheitsgründen
nicht möglich wäre. Alternativ hatte ich dann vorgeschlagen, dass
gerne auch ein Crewmitglied mit meiner Kamera das Bild machen könnte.
Keine Ahnung, womit ich gerechnet hatte, aber bestimmt nicht, dass
ich fröhlich plaudernd mit der Sicherheitschefin höchstpersönlich
in eins der Rettungsboote steigen würde. Aber genau das war der Fall
und so kam ich am Ende der Reise doch noch zu meinem Klofoto! Und es
ist mir ehrlich gesagt scheißegal (kleiner Wortwitz am Rande), ob
die mich nun alle für total verrückt halten – diese Aktion soll
uns erst mal jemand nachmachen!
Zurück im Foyer
erwartete mich Gerald schon und wollte natürlich gleich meine
Fotoausbeute begutachten. Wir lachten nicht schlecht und machten uns
dann bestens gelaunt an die „Operation Shopping“. Nach kurzer
Beratung und Anprobe waren wir dann auch schnell stolze Besitzer
eines Poloshirts und einer Jacke und beim Gedanken an unsere
Bordrechnung wurde mir schlecht. Oder kam die Übelkeit nur vom
Hunger? Egal, es war auf alle Fälle höchste Zeit für
Nahrungsaufnahme. Also baten wir in der Boutique darum, dass man
unsere Einkäufe in die Suite bringen möge, und begaben uns auf
schnellstem Weg in die Sansibar. (Tja, wenn es im Yacht Club nichts
mehr gibt, muss man nicht verhungern!) Nach einem kurzen Studium der
Frühstückskarte entschieden wir uns für Weißwürste mit Brezen
und Senf und für mich gab es als „Vorspeise“ noch eine kleine
Fischauswahl – die tägliche Lachsdosis musste einfach sein. Auf
ein Weißbier dazu verzichteten wir, das hätte den Magen zu voll
gemacht. Die Weißen waren sehr schmackhaft und beim Senf waren wir
uns sicher, dass es sich um „unseren“ Händlmaier handelte.
Leider vergaßen wir nachzufragen, ob wir mit unserer Vermutung
richtig lagen.
Nach dem Frühstück
machten wir erst einmal einen Verdauungsspaziergang. Leider war das
Wetter im Laufe des Vormittags schlechter geworden und anstatt in der
Sonne über die Außendecks zu schlendern zogen wir uns bald ins
Innere des Schiffs zurück und sahen uns u.a. im Foto Shop die Fotos
von unserem Eheversprechen an (auch Max gesellte sich kurz zu uns).
Da Gerald ein dringendes Bedürfnis verspürte (der alte
Heimscheißer) gingen wir dann wieder auf unsere Suite, wo eine
unserer lieben Kabinengeister ein Herz aus unserem Schiffstau geformt
hatte und wir außerdem ein kleines Geschenk (Salzpyramiden mit
typischen Gewürzen aus dem östlichen Mittelmeer) fanden. Zu unserer
großen Beruhigung stellten wir auch fest, dass auf diesem Schiff
letztendlich doch nur Menschen arbeiten, schön langsam hatten wir
daran angesichts der allgegenwärtigen Perfektion nämlich
gezweifelt. Auf unserem Schreibtisch lag doch tatsächlich ein
vergessener Putzlappen. Skandal! Hahahaha!
Nach 13 Uhr machten
wir uns auf den Weg in den Yachtclub zur Mittagsfütterung, wo ich
meinen Magen mit Lachs füllte und Gerald das Spanferkel testete. Zum
Abschluss gab es noch vorzüglichen roten Käse („Landana Pesto
Rosso“). Für eine Nachspeise war kein Platz mehr, obwohl die
riesige Auswahl Lust darauf machte.
Danach ging ich ein
wenig spazieren und nutze dabei die Möglichkeit, einen Blick in
verschiedene Suiten zu werfen. Leider konnte keine der beiden Owner
Suiten besichtigt werden, die hätte ich schon gerne mal live gesehen
(Wohnbereich: 99 m²; Veranda: 15 m²). Die dunklen Wolken vom
Vormittag hatten sich mittlerweile verzogen und die Sonne strahlte
vom blauen Himmel. Allerdings war es ein bisschen frisch. Ich hatte
aber sowieso keine Zeit für ein Sonnenbad, da der unvermeidliche,
verhasste Teil der Kreuzfahrt anstand: das Kofferpacken.
Meine Laune war
angesichts des nahenden Endes dieser wunderschönen Kreuzfahrt nicht
gerade die beste, daran änderte auch der neue Teller mit exotischen
Früchten nichts. Aber wir hatten ja noch unsere Flasche „Mööööööööt“
und die wurde nun geköpft. Was soll ich sagen, so ein Glas
Champagner hebt einfach die Stimmung, auch wenn man gerade die Koffer
packen muss. Immer wieder unterbrach ich dann auch die ungeliebte
Tätigkeit, setzte mich auf den Balkon und genoss die Sonne und den
traumhaften Ausblick mit meinem Schampus in der Hand. Life could be
worse!
Immer wenn ich
dachte, dass mich auf diesem Schiff nichts mehr verwundern könnte,
dann musste die Crew noch einen drauf setzen. Ich staunte nicht
schlecht, als es am späten Nachmittag plötzlich klingelte und wir
einen Gruß aus dem Elements in die Hand gedrück bekamen. Wer jetzt
glaubt, dass die mit einem Servierwagen durch die Gänge fuhren, der
liegt falsch. Die nette Dame hatte lediglich zwei Schälchen mit Tofu
auf asiatischem Gemüse und leckerer süß-sauerer Sauce für uns
dabei. Hatte man in der Küche Angst, wir könnten bei der ganzen
Packerei verhungern oder wollte man uns noch einmal vom exzellenten
Service an Bord überzeugen? Auf alle Fälle war es eine nette Geste,
über die wir uns sehr freuten.
Gegen 18 Uhr
näherten wir uns Istanbul und das Einlaufen in den Hafen wurde von
Lektor Knut Edler über Lautsprecher kommentiert. Der Anblick ist
wirklich jedes Mal wieder beeindruckend. Bei strahlendem Sonnenschein
und einem letzten Glas Champagner bewunderte ich die Skyline mit
ihren zahlreichen Moscheen und stellte erstaunt fest, dass wir
anscheinend nicht den uns bekannten Anlegeplatz ansteuerten, sondern
uns der gegenüberliegenden Seite näherten. War ja eigentlich klar,
dass die Europa 2 in der ersten Reihe liegt und nicht am Arsch des
Hafens! (Kleiner Lacher am Rande: In der Tagesschau kam ein Bericht
über die Türkei; der Ausblick hinter dem Reporter kam uns irgendwie
bekannt vor!)
Um 19 Uhr lag die
Europa 2 planmäßig an ihrem vorgesehenen Platz und wir drehten erst
einmal eine Runde über die Außendecks bevor wir den Yacht Club
ansteuerten. Ein letztes Mal hieß es nun für uns „ran ans
Buffet“. Ach, all diese Köstlichkeiten würde ich wirklich
vermissen. Zuerst füllte ich meinen Teller mit diversen
Meeresfrüchten, v.a. natürlich mit Königskrabbenbeinen und massig
Garnelen in Sweet-Chili-Sauce. Leider stellte ich beim Essen fest,
dass unsere Tischwahl etwas ungünstig war, ich hatte nämlich einen
„tollen“ Ausblick auf den Arsch vom ganzen Lamm, das es an der
Station für warme Gerichte gab. Nun ja! Als Hauptgang holte ich mir
ein Dry Aged Rib Eye Steak mit Rosmarinkartoffeln und Spargelragout
vom Grill, das wie erwartet einfach nur perfekt war.
Nachdem ich meine
tote Kuh bis auf die letzte Faser verputzt hatte, zog es mich nach
draußen, wo ein gigantischer Sonnenuntergang nicht nur mich zum
Fotografieren animierte. Kaum hatte ich meine Kamera gezückt und die
ersten Bilder dieses atemberaubenden Schauspiels gemacht, stand auch
schon Pavel neben mir, den auch nichts mehr drinnen gehalten hatte.
Ohne dass ich gefragt hatte, gab er mir Tipps zur Motivauswahl. So
macht das einfach Spaß!
Bevor ich mich
wieder zu Gerald gesellte warf ich noch einen schnellen Blick auf das
Meeresfrüchtebuffet und überlegte, ob in meinem Magen evtl. noch
Platz für die ein oder andere Muschel wäre, als ich hinter mir ein
freundliches „Guten Abend, Frau Lehner!“ vernahm. Als ich mich
umdrehte und erkannte, dass das vom Kapitän höchstpersönlich
gekommen war, wäre ich beinahe vor Schreck mit der Nase in die
Austern gefallen. Ich fand aber schnell meine Fassung wieder und
grüßte zurück. Der Chef machte es sich dann an einem Nebentisch
gemütlich und genoss sein Weißbier. Diese „Nähe“ zu den
Passagieren finde ich einfach herrlich sympathisch!
Nach diesem letzten
Abendmahl drehten wir noch eine Runde über die Außendecks und
genossen den Ausblick auf Istanbul, bevor wir uns einen Gin Tonic zum
Abschied an der Pianobar gönnten. Im Foyer wurden bereits
Vorbereitungen für den folgenden Morgen getroffen und Tische mit
Kaffeetassen und Wasserflaschen aufgestellt. Auch am Ausschiffungstag
würde man wohl nicht verdursten oder verhungern müssen. Gut zu
wissen, wobei ich bezweifelte, dass ich da irgendetwas runter
bekommen würde.
Eine wichtige Sache
galt es dann noch zu erledigen und deshalb gingen wir zum Foto Shop,
wo wir unseren Fotografen trafen. Wir entschieden uns letztendlich
dafür, zehn Bilder von unserer Hochzeit auf einem Datenstick zu
kaufen – macht in meinen Augen mehr Sinn als ausgedruckte Fotos.
Anschließend begleitete ich Gerald zu unserer Suite, wo ich mir mein
Stativ schnappte, um ein paar Eindrücke des nächtlichen Istanbuls
festzuhalten. Immer wieder ein gigantischer Anblick! Da ich bei der
Ausschiffung halbwegs fit sein wollte, verzichtete ich auf die
„Farewell Party“ in der Sansibar und kehrte gegen 23 Uhr auf
unsere Suite zurück. Ich packte die restlichen Sachen noch in den
Koffer und stellte ihn auf den Gang, wo trotz einer Vielzahl von
Gepäckstücken erstaunlich viel Platz war. Auf der Europa 2 war eben
alles etwas großzügiger bemessen. Den sehr detaillierten
Informationen zur Ausschiffung entnahm ich, dass die Koffer bis 2 Uhr
nachts vor die Suitentür gestellt werden mussten.
Nun war auch der
letzte Abend auf der Europa 2 zu Ende und glücklich und traurig
zugleich fiel ich, nachdem ich mir noch das Ende von „Der
Marsianer“ angesehen hatte (kostenlos im Bord-TV), in einen
unruhigen Schlaf.
Im Hafen: Silver
Wind
Temperaturen bis
18°C, wechselhaft, später sonnig
(4)
07.05.2016 –
Istanbul / Türkei
Wir hatten für die
Ausschiffung die Farbe blau erhalten, was für uns bedeutete, dass
der Treffpunkt bereits um 6.35 Uhr im Foyer war. Ich hatte mich am
Vortag bereits mächtig darüber aufgeregt, da ich eine Kreuzfahrt
lieber gemütlich ausklingen lasse, anstatt zu nachtschlafender Zeit
hektisch rumzulaufen. Aber alles Meckern half nichts, da musste ich
durch! Zumindest kam ich so in den Genuss eines wunderschönen
Sonnenaufgangs, den ich ab 6 Uhr bei einer letzten Zigarette auf
unserer Veranda bewundern konnte. Auf das Frühstück im Weltmeere
(ab 5.30 Uhr) verzichteten wir und begaben uns überpünktlich ins
Foyer, wo Getränke und Häppchen gereicht wurden. Ich bekam
natürlich nichts runter, kein Wunder bei der Uhrzeit.
Die Ausschiffung
lief im Prinzip ähnlich ab, wie wir es von Costa her kannten. Man
bekam eine Farbe zugeteilt, begab sich zu einer festgelegten Uhrzeit
zu seinem Treffpunkt und wurde dann von Bord geleitet. Aber irgendwie
war hier doch alles ein bisschen anders. Keine Spur von Hektik, keine
Crewmitglieder, die in Funkgeräte brüllten – hier wurde das leise
und dezent gemacht. Und anstatt möglichst schnell von Bord
gescheucht zu werden, wurde man auf der Europa 2 freundlichst von der
Crew inkl. der „Chefetage“ persönlich verabschiedet. Kapitän
Christian van Zwamen ließ es sich nicht nehmen, noch kurz mit uns zu
plaudern und auf Geralds Drohung, dass wir wieder kommen würden,
meinte er lachend, dass er da hoffentlich an Bord sein würde. Ich
hatte das Gefühl, das war sogar ernst gemeint.
Wir wurden zum
Hafenterminal geleitet und bekamen dort von den Behörden Stempel in
unsere nagelneuen Reisepässe. Anschließend mussten wir unsere
Koffer identifizieren und konnten in den bereitstehenden Bus steigen,
der uns zum Flughafen Istanbul-Atatürk brachte. Auf der Fahrt
erklärte uns die nette Reisebegleiterin den weiteren Ablauf und
erzählte uns nebenbei noch ein bisschen über Istanbul. So richtig
zuhören konnte ich allerdings nicht, ich war einfach nur müde und
spürte deutlich die beginnende Post-Cruise-Depression. Nach etwa
einer Stunde erreichten wir den Flughafen und wir mussten gleich nach
Betreten des Terminals gemeinsam mit unserem kompletten Gepäck durch
die erste Sicherheitsschleuse. Das mag mancher nervig finden, ist
angesichts der derzeitigen Sicherheitslage in meinen Augen aber
sinnvoll, auch wenn es natürlich kein hundertprozentiger Schutz vor
Terroranschlägen ist (wie man leider ein paar Wochen nach unserer
Kreuzfahrt erkennen musste). Danach ging es zum (unkomplizierten)
Check-in, wobei die Reisebegleiterin in unserer Nähe blieb, um bei
möglichen Problemen zu helfen. Das nenne ich Service, aber nach den
Erlebnissen der letzten Tage hätte ich auch nichts anderes erwartet.
Unser Abflugsgate
hatten wir schnell gefunden (es war auch auf Anhieb das richtige) und
mussten dann irgendwie fast zwei Stunden die Zeit totschlagen. Nur
gut, dass wir noch eine Ausgabe der „Welt“ vom Schiff und volle
MP3-Player dabei hatten. Kleiner Tipp für die Damen am Rande: Meidet
die Toiletten, wenn es irgendwie möglich ist. Ich wünschte, ich
wäre erst im Flugzeug gegangen... Als schließlich endlich unser
Flug aufgerufen wurde stellten wir erstaunt fest, dass auf unserem
Ticket „Group A“ stand und wir uns somit bei der kurzen,
schnellen Reihe anstellen durften. Die neidischen Blicke vieler
anderer Passagiere besserten meine schlechte Laune dann durchaus.
Unser Airbus A321
der Turkish Airlines startete mit ein paar Minuten Verspätung gegen
10.15 Uhr und brachte uns auf einem ruhigen Flug ohne besondere
Vorkommnisse wieder zurück nach München. Weder Gerald noch ich
waren bisher mit Turkish Airlines geflogen und unser erster Eindruck
war durchwegs positiv mit einer kleinen Einschränkung. Ich hatte
anscheinend das falsche Essen geordert. Während das Rindfleisch
meines Gatten sehr lecker schmeckte, war mein Hühnchen einfach nur
furztrocken. Um 11.45 Uhr (Ortszeit) erreichten wir unser Ziel und
auch unsere Koffer waren mit zurück in die Heimat geflogen. Nun
mussten wir nur noch den Schalter der Firma „airportLiner“
finden, was wir nach einer Weile auch schafften. Hier hatten wir
Glück – in dem Wagen, der gerade los fahren wollte, waren noch
zwei Plätze frei. Also keine Kippe, sondern ab nach Hause.
Gegen 14 Uhr waren
wir wieder in unserer Wohnung – jedenfalls körperlich. In Gedanken
war ich allerdings noch immer an Bord meines neuen
Lieblingsschiffes...
Fazit
„21 Knoten. Und
keine Krawatte.“ „Legerer Lifestyle für maximal 500 Gäste.“
Oft hatte ich mich vor dieser Kreuzfahrt gefragt, ob wir wirklich auf
dieses Schiff passen. Und dann noch der Preis... Mir war vor der
Reise nicht wirklich klar, ob man nur einen Haufen Schotter zahlt, um
danach damit angeben zu können, dass man mit der Europa 2 gefahren
ist, oder ob man für sein Geld wirklich den Luxus und Service
bekommt, den man in dieser Preisklasse erwarten kann. Nun, der
bekannte Satz „you get what you pay for“ passt hier wohl perfekt
– man zahlt viel und bekommt am Ende noch viel mehr zurück.
Natürlich braucht man all die großen und kleinen Annehmlichkeiten
nicht wirklich, um auf einem Kreuzfahrtschiff glücklich zu sein –
aber es macht den Aufenthalt zu einer ganz besonderen Erfahrung. Ich
habe mich noch auf keinem Schiff so wohl und willkommen gefühlt wie
auf der Europa 2!
Die Europa 2 ist von
außen betrachtet wunderschön und sieht wenigstens noch wie ein
Schiff aus (im Gegensatz zu den neuen, riesigen Pötten, die eher
einem Hotelbunker ähneln). Sogar das schräge Heck gefällt mir
mittlerweile, es hat aber eine gewisse Zeit gedauert, bis ich mich
mit diesem Anblick anfreunden konnte. Innen fällt einem als erstes
das klare, eher kühle Design mit den zahlreichen Kunstwerken (ca.
900) und v. a. die sehr großzügig konzipierten Räume auf. Bei so
viel Platz fühlt man sich teilweise gar nicht wie auf einem Schiff,
v.a weil unsere Fahrt bei weitem nicht ausgebucht war (417
Passagiere).
Zu meinem
Lieblingsthema, dem Essen, gibt es nicht mehr viel zu sagen.
Hochwertige Zutaten, sehr gut zubereitet und ansprechend angerichtet
– ein kulinarisches Highlight folgte dem nächsten vom Frühstück
bis zum Mitternachtssnack! Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf
einem Kreuzfahrtschiff besser geht. Unglaublich, aber wahr - bei all
der Völlerei hatte ich am Ende nicht mal zwei Kilogramm zugenommen.
Für manche Leute
mittlerweile auch ein wichtiges Thema: die Raucherpolitik. Auf den
Suiten ist rauchen verboten, auf der eigenen Veranda erlaubt. In den
öffentlichen Bereichen orientiert man sich am besten an den
Aschenbechern – wo einer steht kann genüsslich gequalmt werden
(nettes Detail: bei jedem Aschenbecher liegt ein Päckchen
Streichhölzer). Es gibt mehr als genug Raucherzonen, z.B. das
Herrenzimmer (und nein, man fühlt sich nicht wie in einer
Räucherhöhle), an der Poolbar, der Außenbereich der Sansibar... In
meinen Augen ist die Europa 2 ein sehr raucherfreundliches Schiff.
Da bei dieser
Kreuzfahrt das Schiff und die Erneuerung unseres Eheversprechens im
Mittelpunkt standen und die Route nur Nebensache war, will ich auf
diese gar nicht näher eingehen. Nur eines möchte ich festhalten:
Santorin ist der Hammer!!!
Es gab auch ein paar
Dinge, die mir v.a. im Vergleich zu Costa nicht soooo gefallen bzw.
zugesagt haben. Das ist jetzt aber wirklich Meckern auf höchstem
Niveau! Es war mir teilweise schon fast zu ruhig, v.a. tagsüber am
Pool oder auch im Foyer. Ich brauche jetzt wirklich keine
Daueranimation, aber so ein bisschen Action wäre mir ab und zu ganz
recht gewesen. Ein paar Uhren in den öffentlichen Bereichen wären
auch nicht schlecht, manchmal will man auch auf einer Kreuzfahrt
wissen wie spät es es, und nicht jeder trägt eine fette Rolex. Im
Bad könnten ein paar mehr Ablagen sein, die Schubladen sind zwar
toll, aber ich will mein Kosmetikzeug gerne griffbereit haben. Und
zuletzt noch der Kaffee – der war wirklich gut, aber bei Costa
schmeckt er mir einen Ticken besser. Egal wie intensiv ich auch mit
der Lupe auf der Suche nach weiteren „Kritikpunkten“ war, mehr
habe ich nicht gefunden!
Zusammenfassend kann
ich sagen, dass die MS Europa 2 und ihr Konzept wie für mich
geschaffen sind. Legerer Luxus nahe an der Perfektion auf einem
wunderschönen Schiff mit einer freundlichen Crew, die einem jeden
Wunsch von den Augen abliest. Ich war am Ende einer Kreuzfahrt noch
nie so entspannt, zufrieden und glücklich!
Am Ende meines
Berichts möchte ich mich bei Kapitän Christian van Zwamen und der
restlichen Crew der MS Europa 2 für diese unvergessliche Kreuzfahrt
bedanken. Besonders erwähnen möchte ich Kreuzfahrtdirektor David
Wilms, der durch seine lockere, freundlich Art maßgeblich dazu
beigetragen hat, dass diese Reise ein ganz besonderes Erlebnis wurde.
Und eines sei versprochen: Wir kommen wieder!
Mein Dank gilt natürlich auch meiner
Mutter fürs Wohnungshüten und dem TUI ReiseCenter im
Donaueinkaufszentrum/Regensburg für Angebotserstellung und
reibungslose Buchung.
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.
Und ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich
mich wieder melden... wenn wir das Christkind in der ewigen Stadt
gefunden haben...
Und nicht vergessen: „A dream is all
we need!“
© Sabine Lehner
2016


