Ich und mein Holz (1)

Ich und mein Holz

 


"Weihnachten im Mittelmeer" mit der Costa Luminosa

vom 23.12. bis 30.12.2016








Dieser Reisebericht beinhaltet meine persönlichen Erlebnisse und Gedanken während unserer Weihnachtskreuzfahrt mit der Costa Luminosa. Wer technische Details bzw. landeskundliche Informationen sucht möchte bitte die einschlägigen Internetseiten aufsuchen.




Vorfreude

Da ja bekanntlich nach der Kreuzfahrt immer auch vor der Kreuzfahrt ist, fingen wir bald nach unserem „Projekt 16“ mit der MS Europa 2 wieder damit an, neue Pläne zu schmieden. Nach intensiver Prüfung unseres Kontostands war schnell klar, dass wir 2017 unsere „Drohung“ gegenüber Kapitän Christian van Zwamen wahr und eine weitere Reise mit der „E2“ machen wollten, und auch eine gemeinsame Fahrt mit unserem Freund Jens stand auf unserer Liste. Im Juni 2016 war mein Gatte Gerald daher Dauergast im Reisebüro unseres Vertrauens, dem TUI ReiseCenter im Donaueinkaufszentrum, und am Ende fiel die Wahl auf „Die Highlights Westeuropas“ im Oktober 2017 mit unserem neuen Lieblingsschiff und, weil die Zeit bis dahin doch sehr lang ist und Jens ja auch wieder mal mit wollte, auf „Weihnachten im Mittelmeer“ mit der Costa Luminosa. Wir würden also fünf Jahre nach unserer legendären Fahrt mit der Costa Concordia das Christkind erneut auf hoher See suchen.

Die Zeit bis zum Jahresende verging schnell und dann war es auch schon wieder an der Zeit, die Koffer zu packen. Ich war weder in Weihnachts- noch in Kreuzfahrtstimmung, trotzdem freute ich mich auf ein paar Tage fern von der Heimat und dem Alltag.

Die An- und Abreise hatten wir wie üblich über Costa gebucht. Da kein Bustransfer nach Savona angeboten wurde mussten wir dieses Mal von München nach Mailand (und zurück) fliegen.

23.12.2016 Savona / Italien


Den Transfer zum Flughafen München hatten wir nach unseren guten Erfahrungen im Mai wieder bei der Firma AirportLiner gebucht, dessen netter Fahrer pünktlich um 4.55 Uhr vor unserer Haustüre stand. Die Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse und auch der Check-in, die Gepäckaufgabe und die Anmeldung des Rollators unseres Freundes Jens hatten wir schnell erledigt. Nach einer kurzen Wartezeit am Abflugsgate konnten wir an Bord unserer Embraer 195 der Air Dolomiti gehen, wo ich erfreut feststellte, dass ich einen Platz am Fenster hatte und der Sitz neben mir frei blieb und folglich von meinen plüschigen Begleitern in Beschlag genommen werden konnte. Mit etwas Verspätung wegen der notwendigen Enteisung des Flugwerks starteten wir kurz nach 9 Uhr (anstatt 8.45 Uhr) Richtung Italien. Alleine schon wegen des Nebels und gefrierenden Regens in München wollte ich nur noch weg und freute mich auf (hoffentlich) ein bisschen Sonne und Wärme. Die Existenz von Air Dolomiti war bis zur Durchsicht unserer Reiseunterlagen an mir vorbei gegangen und ich war am Ende sehr angetan von der Ausstattung des Flugzeugs und dem Service. Bei den Durchsagen auf Italienisch kam ich dann auch endlich in Kreuzfahrtstimmung und konnte es kaum mehr erwarten, endlich aufs Schiff zu kommen.



Während des kurzen Flugs über die Alpen stärkte ich mich mit Tomatensaft und einen kleinen Snack (was auch immer das war, es war auf alle Fälle lecker). Gegen 10 Uhr erreichten wir dann Mailand-Malpensa (zum Abschied gab es im Flugzeug „Last Christmas“ auf die Ohren) und fanden dort schnell unser Gepäck und auch die netten Damen von Costa. (Jens wurde mit dem Rollstuhl durch den sehr weitläufigen Flughafen gefahren, toller Service.) Nach einer etwas längeren Wartezeit saßen wir schließlich um 11.30 Uhr im Bus und fuhren durch teilweise dichten Nebel nach Savona, wo wir um 14.15 Uhr im Hafenterminal ankamen. Die Zeit bis zur Einschiffung verging schnell (wir verzichteten auf die „Beschleunigung“ aufgrund unseres Clubstatuses) und nicht einmal eine Stunde später stand ich auf dem Balkon unserer Kabine 7303 und war glücklich.

Jens wurde wegen seiner Behinderung gesondert an Bord begleitet und ich erhielt telefonisch von einem Mitarbeiter Bescheid, als er gesund und munter in seiner Kabine war. Verdammt guter Service, Costa!

Unsere Kabine war der Hammer! Mir war ja klar, dass eine behindertengerechte Kabine „etwas“ größer ist (2010 hatten wir ja auf unserer ersten Transatlantikfahrt bereits das Vergnügen), aber dieses Mal blieb mir fast die Spucke weg! Besonders die Couch vor der großen Schiebetüre (!!!!) zum riesigen Balkon (doppelt so groß wie bei vergleichbaren normalen Kabinen) gefiel mit sehr gut. Da verzichte ich doch gerne auf Ablageflächen und einen großen Kleiderschrank.




Wir packten unsere Koffer aus und ich vertrieb mir die Zeit bis zur obligatorischen Rettungsübung mit dem Beobachten von einigen Kanufahrern, die mit roten Weihnachtsmützen im Hafen an uns vorbei ruderten. Die Rettungsübung vor dem Auslaufen lief wie bei Costa gewohnt ab – man begibt sich samt angelegter Rettungsweste (ohne samtigen Kragen) zu seiner Musterstation und lauscht den Erklärungen in verschiedenen Sprachen. Die roten Drill-Karten gab es dieses Mal nicht (mehr) und nach kurzer Zeit war dieser Programmpunkt auch abgehakt und wir konnten zum gemütlichen Teil des Tages übergehen.

Gegen 17 Uhr verließ die Costa Luminosa den Hafen von Savona und für uns wurde es Zeit, uns für das Abendessen herzurichten. Aber natürlich stand vor der Nahrungsaufnahme der erste Cocktail der Kreuzfahrt in der Bar Libra auf dem Programm – bei mir war es natürlich ein Tequila Sunrise. Nach 18.30 Uhr bequemten wir uns langsam Richtung Restaurant Taurus, wo wir dieses Mal an Tisch Nummer 271 im oberen Teil des Restaurants auf Deck 3 platziert worden waren. Die Getränke (Wein und Wasser) wurden zügig serviert und der Blick in die Speisekarte machte mich glücklich – Oktopus-Salat und Trofie mit Pesto, Kartoffeln und grünen Bohnen! Leider stellte sich die Wahl des Hauptgangs später als Fehlgriff heraus, der Mischfleischspieß nach Genueser Art war nicht so ganz nach meinem Geschmack. Nachdem wir bestellt hatten trafen auch unsere „Tischgenossen“ ein – ein Paar aus der Schweiz bzw. ursprünglich Sachsen. Absolute Kreuzfahrtneulinge und erst einmal mit der Speisekarte komplett überfordert. Warum verstehe ich allerdings nicht wirklich. Wir versuchten den beiden natürlich mit Tipps zum Abendessen und zu Kreuzfahrten mit Costa im Allgemeinen zu unterstützen (Bordprogramm lesen!!!!). Die Schweizerin machte einen netten ersten Eindruck, der Sachse wirkte auf mich allerdings nach kurzer Zeit ziemlich unsympathisch. (Notiz an mich: Sollten wir wieder mit Costa fahren auf alle Fälle einen Tisch für drei bzw. zwei Personen ordern!) Das Essen war sehr gut (bis auf den Hauptgang, das lag allerdings nicht an den Fähigkeiten der Küche, sondern an meinem persönlichen Geschmack) und gut gestärkt machten wir uns danach wieder auf den Weg in die Bar Libra, wo wir uns ein paar Gin Tonic gönnten, rumblödelten und viel Spaß mit den Kellnern hatten.


Später spazierte ich noch ein bisschen alleine durchs Schiff und traf in der Bar Atrio Supernova auf Chocolate, der uns bereits auf unseren beiden vorherigen Costa-Kreuzfahrten mit seiner Musik erfreut hatte. Nach einem letzten Drink war dann auch bei mir Ende im Gelände und ich zog mich auf unsere Kabine zurück, wo ich schnell in einen tiefen Schlaf fiel.

Kleine Randnotiz: An diesem Morgen wurde gegen 3 Uhr der Attentäter Anis Amri im Großraum Mailand erschossen.

Wetter: Eisregen bis sonnig bei bis zu 12°C
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24.12.2016 Civitavecchia / Italien

Als die Costa Luminosa an diesem Morgen gegen 7 Uhr den Hafen von Civitavecchia erreichte weilte ich noch im Reich der Träume bis ich kurz vor 8 Uhr unsanft von unserer Kabinenstewardess geweckt wurde. Nein, das ist definitiv viel zu früh für die Kabinenreinigung bei den Lehners! Aber da sich in meinem Bauch ein kleines Loch bemerkbar machte, konnte ich meinen Gatten davon überzeugen, dass wir nicht im kuscheligen Betti blieben, sondern uns langsam und gemütlich auf den Weg ins Buffetrestaurant „Andromeda“ auf Deck 9 zur ersten Nahrungsaufnahme des Tages machten. Dort fanden wir schnell einen Platz und füllten unsere Teller. Wir wussten ja, dass es am Buffet keine Eierspeisen mehr gab, was aber kein großes Problem darstellte, da die Auswahl an Wurst und Käse durchaus ansprechend war. Es gab sogar Räucherlachs, was mich besonders freute, und der Rohschinken war ein Traum. Nach einer kurzen Stärkung zog es uns raus in die Sonne und im Raucherbereich bei der Poolbar am Heck der Luminosa trafen wir auf unseren Freund Jens. Wir machten es uns gemütlich und genossen die Wärme und einen leckeren Cappuccino.

Wir hatten keine Pläne für diesen Tag – eigentlich hatten wir so gut wie gar keine Pläne für die gesamte Kreuzfahrt – und nach einer sehr kurzen Beratung beschlossen wir, an Bord zu bleiben. Ich hatte im Vorfeld in Betracht gezogen, einen kleinen Spaziergang zum Strand und zum Caffè Del Corso zu machen, aber aufgrund der eingeschränkten Mobilität von Jens und v.a. meiner Unlust war ein „Schiffstag“ wohl die bessere Wahl. Außerdem kannten wir Civitavecchia ja bereits und überhaupt war es in der Sonne am Heck soooooo schön. Einfach mal nichts tun war genau das Richtige für mich nach den stressigen vergangenen Wochen.



Die Frage des Kellners, ob ich er mir noch einen Cappu bringen solle, verneinte ich dann später und orderte einen Bellini. Nach kurzem Zögern schloss sich Gerald meiner Bestellung an und natürlich war Jens dann auch dabei, obwohl die beiden keinen blassen Schimmer hatten, was sie da gerade bestellt hatten. Das Gelächter war dann natürlich groß, aber letztendlich schmeckte den Herren der Prosecco mit Pfirsich. Glaube ich jedenfalls. Ich fand ihn auf alle Fälle sehr lecker und er passte einfach zur Situation. Was will frau mehr? Ich saß am Vormittag des Heiligen Abends auf einem italienischen Kreuzfahrtschiff in der Sonne und hatte einen Bellini in der Hand. Life could be worse!

Später machten wir einen kleinen Rundgang durchs Schiff, registrierten unsere Kreditkarten und machten es uns dann gegen Mittag an der Poolbar in der Mitte des Schiffs bequem. Leider fiel das Reisespiel „Die Herausforderung des Gladiators“ wegen mangelnder Beteiligung aus. Es war aber auch verdammt wenig los an Bord, wahrscheinlich waren viele Passagiere nach Rom gefahren. War uns aber auch egal, mehr Platz für uns, was v.a. im Buffetrestaurant von großem Vorteil war. Und genau das steuerten wir nach einem kurzem Abstecher in unsere Kabine (Gerald der alte Heimscheißer!) an. Die Auswahl war - wie bei Costa gewohnt – gut und ausreichend. Da ich nicht besonders hungrig war, gab es für mich „nur“ einen leckeren Toast mit Ei, eine Ladung Muscheln und noch ein bisschen Pasta. Mit den Muscheln hatte ich ein paar kleinere Probleme, da ein Teil nicht geöffnet war. Warum uns Jens beim Essen allerdings darauf hinweisen musste, dass er trotzdem einen Penis hat, konnte nie abschließend geklärt werden. Im Anschluss durfte Jens unsere tolle Kabine und den riesigen Balkon bewundern bevor wir es uns im Atrium gemütlich machten, um ein bisschen zu lesen, die Leute zu beobachten und rumzublödeln. Dazu gab es für die Herren Ginger Ale und für mich einen alkoholfreien Cosmopolitan. Letzterer war echt lecker – muss ja nicht unbedingt immer Alkohol sein. Okay, einen Spritz gönnten wir uns auch noch – war ja Weihnachten.

Nachdem wir uns ausgiebig dem Nichtstun gewidmet hatten, war es Zeit uns für den Abend aufzstylen. Die Kleiderempfehlung war dem Anlass entsprechend natürlich „Gala“ und ich konnte endlich mal wieder einmal mein „Hochzeitskleid Nummer 2“ anziehen. An den Totenköpfen würde sich schon keiner stören, die fallen ja so gut wie gar nicht auf. Vor dem Essen trafen wir uns mit Jens auf einen „Starter“ in der Bar Libra und konnten schon mal die ersten mehr oder weniger passenden Gala-Outfits unserer Mitreisenden bewundern.

Im Restaurant stellte sich unser neuer Kellner Ryan vor – ein sehr netter und aufmerksamer Kerl! Die Speisekarte mit unserem „Weihnachts-Gala-Abendessen“ verhieß viel Gaumenfreude für den Abend und schnell hatte ich mein Menü zusammengestellt. Zu Beginn musste es natürlich der Hummersalat sein, bei dem ich allerdings ein paar kleinere Probleme mit den Scheren hatte. Egal, das Krustentier war fein! Es folgten Tortellini gefüllt nach Jägerart mit Steinpilzen und Taleggio-Käsecreme – ein Traum! Einfach zum Reinwerfen! Als Hauptgang entschied ich mich für gefüllten Truthahn in Kruste mit sautierten Pilzen und gratiniertem Spinat mit Safran. Eine gute Wahl wie sich herausstellte. Am Ende war ich satt und zufrieden mit dem Chefkoch.


Unsere Tischgenossen blieben dem Abendessen im Taurus fern, was mich nicht im Geringsten störte. Ich war eigentlich ganz froh, dass wir am Heiligen Abend unter uns waren. Was mich allerdings extrem verärgerte, waren die (vermutlich) Amerikaner am Nebentisch. Die Kinder ohne Gala-Kleidung dafür mit Baseball-Cap störten mich jetzt nicht, aber ein erwachsener Mann sollte doch wissen, dass eine Jogginghose NICHT das richtige Outfit für ein Restaurant ist – und schon gar nicht am Heiligen Abend!!! Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Crew diese Familie ins Buffetrestaurant verwiesen hätte. So musste ich mich ärgern und der Nebentisch mit meinen bösen Blicken leben.

Am Ende des Abendessens gab es noch Teller mit den uns bereits bekannten „Weihnachtsspezialitäten“. Der Kuchen war wie schon vor fünf Jahren superlecker und dieses Mal war der „Mörtel“ auch gar nicht trocken, sondern schmeckte mir sogar sehr gut. „Hoden“ gab es natürlich auch, hierzu kann aber nur Jens Auskunft geben.


Im Anschluss an das Gala-Dinner rollte ich total überfressen in die Bar Libra, wo es erst einmal ein paar Verdauungsschnäppschen gab. Leider war der Abend für Jens sehr früh beendet und ich war mal wieder sauer. Auf Weihnachtskrach hätte ich gut und gerne verzichten können. Gerald leistete mir dann noch ein bisschen Gesellschaft bevor er sich in unsere Kabine zurückzog. Ich selbst wollte noch ein wenig das Nachtleben an Bord genießen und landete nach einem Abstecher in die Disko am Ende in der Raucherbar, wo ich noch viel Spaß mit ein paar Franzosen und Italienern hatte. Kleine Anekdote am Rande: Zwei nette junge Italiener flirteten mich anstatt der hübschen und v.a. gleichaltrigen Französin an.

Wetter: sonnig bei bis zu 15°C
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25.12.2016 Civitavecchia / Italien

Die Costa Luminosa hatte die Nacht im Hafen von Civitavecchia verbracht. Ziemlich unmotiviert startete ich relativ spät in den Tag und zum Frühstück ins Buffetrestaurant. Anschließend genossen wir wieder die Sonne am Heck bevor wir zu einem kleinen Verdauungsspaziergang durchs Schiff aufbrachen, der letztendlich in der Bar im Atrium endete. So ein Cappuccino ist schon eine feine Sache und im Gegensatz zu meinem Gatten musste ich mir keinen Whiskey hineinkippen. Was waren denn das für neue Sitten??? Hahahahaha!


In der Hoffnung auf ein lustiges Reisespiel schauten wir dann noch zur Poolbar – leider entfiel auch „Die Herausforderung des Königs“ und daher zogen wir uns bald auf unsere Kabine zurück und beobachteten das Ablegen gegen 13 Uhr vom Balkon aus. Danach war es Zeit für die Mittagsfütterung im Buffetrestaurant. Da mir immer noch die Motivation irgendetwas Sinnvolles zu tun fehlte, machte ich es mir am Nachmittag alleine auf unserem Balkon in der Sonne bequem, um dort ein bisschen zu lesen und aufs Wasser zu starren. Einfach mal nur die Seele baumeln zu lassen, dafür hatte mir viel zu lange die Zeit gefehlt. Aber dafür war ja auch diese Kreuzfahrt gedacht.

Später stand noch ein ganz besonders wichtiger Termin auf meinem Programm. Dem „Diario di bordo“ hatte ich entnommen, dass um 16 Uhr der Weihnachtsmann im Atrium erwartet wurde und das durfte ich natürlich auf keinen Fall verpassen. Ich suchte mir also einen Platz mit guter Aussicht auf der Galerie auf Deck 3 und pünktlich schwebte dann auch der Mann im roten Mantel auf seinem Schlitten ins Atrium... okay, er kam mit dem Aufzug – aus dem er auf Deck 4 meinen Gatten rausgeworfen hatte. Muhahahaha! Was für ein Spektakel! Und die vielen glücklichen Gesichter! Zwar ein bisschen kitschig, aber wunderschön. Als mich Gerald auf meinem Beobachtungsposten gefunden hatte folgten wir gemeinsam dem Weihnachtsmann, seinen Wichteln und den gefühlten 2000 Kindern in die Grand Bar. Dort gab es für die Kleinen Geschenke und Bilder mit dem Sackträger und für uns was zu trinken, während wir das Treiben um uns herum belustigt beobachteten. Irgendwie mag ich Weihnachten!


Wieder zurück in der Kabine musste ich mich dann noch ein bisschen aufstylen – die Kleidungsempfehlung für den Abend war nämlich: „Elegant / in Weiß“. Da ich bekannterweise kaum über weiße Klamotten verfüge musste also das Totenkopfkleid noch mal herhalten. Passt natürlich zu „La Notte Bianca“ wie Faust aufs Auge. Aber ich war ja schon immer ein kleines bisschen anders als der Rest der Welt gewesen.

Das Dinner an diesem 1. Weihnachtsfeiertag war dem Anlass entsprechend hervorragend! Ich habe ja einiges an Gemecker über die Neuausrichtung der Speisen an Bord der Costa-Flotte gelesen, aber spätestens nach diesem Abend war ich begeistert. Das Essen ist generell „italienischer“ ausgerichtet als früher (was ich bei einer italienischen Reederei eigentlich auch erwarte) und es gibt nun verschiedene Gerichte aus den unterschiedlichsten Regionen. Eine kulinarische Reise quer durch Italien sozusagen. Es mag manchem bisher verborgen geblieben sein, aber das Essen unserer südlichen Freunde besteht nicht nur aus Pizza und Spaghetti! Aus dem interessanten Angebot an Spezialitäten fiel meine Wahl auf „Gebratenen Oktopus, geschmorte Cocktailtomaten mit Oregano und Taggiasca-Oliven-Sauce auf Kartoffel-Majoran-Püree mit Bottarga“ als Vorspeise, gefolgt von „Sardischer Fregula-Pasta mit Safran, Petersilie und einer Meeresfrüchtesauce mit Krustentier-Aroma“ und schließlich „Kartoffel-Spinat-Frikadellen mit Pistazienkruste auf Chutney aus Tomate, Zwiebel und Mango“. Ich liebe die italienische Küche!!


Besonders die „Fregula-Sarda“ hatte es mir angetan. Diese Pastaspezialität aus Hartweizenmehl und Wasser erhält ihre charakteristische Farbe und den außergewöhnlichen Geschmack durch einen Röstvorgang im Ofen. Sieht auf den ersten Blick aus wie Mais und ist ein wahrer Gaumenschmaus. Wie üblich hatten wir kein Dessert bestellt, unser Kellner Ryan überraschte uns dann aber trotzdem mit einem leckeren Schokokuchen. Seufz... Bauch voll, Frau Lehner glücklich!

Danach führte uns unser Weg natürlich in die Bar Libra, wo sich mein Gatte u.a. mit Mojito die Kante gab und sich viel zu früh verabschieden musste. Giovanni Moncada am Piano heiterte mich dann aber mit „My Way“ schnell wieder auf.

Wenn ich schon keine weiße Kleidung an hatte, dann musste ich zumindest aber einen kleinen Abstecher zur „Großen Party am Pool“ machen. Hier steppte der Bär und ich natürlich mit.


Über den Rest der Nacht breiten wir dann den Mantel des weihnachtlichen Schweigens aus und sprechen nicht mehr darüber.

Tod von George Michael
Wetter: größtenteils sonnig bei bis zu 15°C
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26.12.2016 Seetag

Da wir den ganzen Tag auf See verbringen würden und ich zudem in der Nacht sehr schlecht geschlafen hatte, fanden wir uns erst gegen 9.30 Uhr im Buffetrestaurant zur morgendlichen Versorgung mit Lachs, Schinken und Käse ein. Mein Gatte zog sich dann auch bald wieder auf die Kabine zurück (verständlicherweise), während ich meine obligatorische Verdauungsrunde drehte.


Dabei statte ich auch dem deutschsprachigen Host Stephan bei seiner Sprechstunde einen kleinen Besuch ab. Wie ich schon vermutet hatte war das Schiff nahezu ausgebucht, also waren ca. 1000 Passagiere mehr an Bord als bei unserer letzten Reise mit der Luminosa 2015. Bei der ein oder anderen Gelegenheit fiel das natürlich schon auf, dennoch war ich überrascht, wie gut das Servicepersonal alles im Griff hatte. Selten gab es längere Wartezeiten und sowohl in den Restaurants als auch in den Bars musste man nicht verdursten. Respekt!

Es war wie die vergangenen Tage auch wunderbar sonnig, allerdings wehte an diesem Tag ein starker Wind und unser Schiff wackelte ganz schön durch die leicht bewegte See.

Nach meinem Rundgang ging ich noch ein bisschen auf unsere Kabine, um draußen in der Sonne zu lesen. Gegen 13 Uhr machten wir uns dann auf den Weg ins Buffetrestaurant, nur leider hatten viele unserer Mitreisenden dieselbe Idee. Nun merkte man wirklich, dass die Luminosa fast voll war. Da wir ja relativ spät gefrühstückt hatten, war es aber für uns kein Problem, dass wir nach einem ersten Rundgang durchs Restaurant keinen freien Platz gefunden hatten. Mittagessen gab es an diesem Tag laut „Diario di bordo“ bis 15 Uhr, verhungern war also ausgeschlossen. Wir beschlossen, den aktuellen Ansturm erst mal an der Poolbar bei einem Cappuccino abzuwarten. Dort wurden wir dann auch Zeugen wie ein Security-Mitarbeiter eine Mutter mit ihrem Baby (!!) aus dem Whirlpool verscheuchte und dabei auf völliges Unverständnis der gesamten Familie stieß. Unglaublich! Eine Stunde später fanden wir dann schnell einen Platz im Restaurant und konnten uns mit Garnelen, Muscheln und anderen Köstlichkeiten vollstopfen.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich wieder in unserer Kabine bzw. in der Sonne auf unserem riesigen Balkon. Einfach mal gar nichts machen und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben, herrlich!


Um 17.30 Uhr trafen wir uns mit Jens in der Bar Libra, um den Abend mit einem ersten Cocktail zu beginnen. Bei mir gab es „Nachspeise“ aka BBC oder wie auch immer das Zeug nun auf der Getränkekarte heißt. Eine Stunde später im Restaurant Taurus wurden wir dann Zeugen einer unangenehmen Diskussion – unsere Tischgenossen hatten Probleme beim Ordern der Getränke. Es stellte sich heraus, dass sie keine oder nicht genug Bargeldeinlage geleistet hatten. Nachdem die Schweizerin schnell Geld an der Rezeption eingezahlt hatte, bekamen sie dann auch eine Flasche Wasser. Anstatt diese peinliche Situation auf sich beruhen zu lassen (wir kommentierten das Ganze natürlich nicht) ritt der Sachse während des gesamten Abendessens darauf rum. Ob er wohl nicht kreditwürdig wäre und so weiter... Als ob der Kellner was dafür kann, wenn die Bordkarte gesperrt ist, weil die beiden sich nicht über die Zahlungsmodalitäten informiert bzw. diese ignoriert hatten. Der Schweizerin war es sichtlich peinlich, aber er konnte einfach nicht aufhören rum zu lamentieren. (Notiz an mich: Keinen Tisch mehr mit fremden Leuten!!!!) Das Essen selber war wie gewohnt gut, bei mir gab es „Knuspriges Ferkel mit Auberginen“ (die Kruste hätte etwas knuspriger sein können), „Sardische Gnocchetti nach Campidanese-Art“ und ein langweiliges, aber sehr leckeres Putenschnitzel mit Rucola. Die absolute Krönung des Dinners war aber der (mehlfreie) Schokoladenkuchen mit Sahne und Erdbeerkompott, den uns Ryan am Ende servierte. Eigentlich hatten wir wie fast immer kein Dessert bestellt, aber der Junge wollte uns mal wieder eine Freude machen und das ist ihm auch gelungen. Am liebsten hätte ich noch ein paar Stücke von diesem Kalorientraum in mich rein gestopft.


Hochprozentiges zur besseren Verdauung gab es für uns dann wie gewohnt in der Bar Libra, wo unsere allerliebsten Kellner Gerald mit einem Jägermeister im „Schokobecher“ erfreuten. Also über den Service konnte ich mich bisher wirklich nicht beklagen – besonders in der Libra waren die Kellner sehr aufmerksam und immer zu einem Späßchen bereit.


Zu späterer Stunde konnte ich es natürlich nicht lassen und musste einfach zur „Revival Night“ in die Grand Bar Elettra. War zwar nicht so lustig wie anno dazumal mit DJ Jack auf der Costa Fascinosa, aber ich hatte trotzdem meinen Spaß. Nach einem Absacker an der Mittelbar war aber auch für mich irgendwann Ende im Gelände und ich zog mich in mein gemütliches Bett zurück.

Wetter: sonnig bei bis zu 17°C
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Fortsetzung folgt...