Ich und mein Holz (2)

27.12.2016 Piräus / Griechenland

Gegen 9 Uhr erreichte die Costa Luminosa an diesem Morgen die griechische Hafenstadt Piräus. Hier startete im Mai unsere Kreuzfahrt mit der Europa 2 und natürlich waren beim Blick vom Balkon alle Erinnerungen an dieses unvergessliche Erlebnis wieder präsent (und ich hatte Lust auf ein Glas Champagner zum Frühstück). Wir hatten keine Pläne für den Tag und wollten eigentlich nur kurz an Land gehen, um das Souvenir-Angebot im Hafenterminal zu inspizieren. Diese Kreuzfahrt war wie erwartet und auch geplant eine reine Entspannungsfahrt, die Erweiterung des kulturellen Horizonts spielte nur eine untergeordnete Rolle.

Nach einem kleinen Frühstück – Lachs und Leberkäse (kein Roastbeef und kein Schampus) – war es Zeit, von Bord zu gehen. Auf unserem Weg Richtung Ausgang kamen wir an einer versiegelten Kabine vorbei, was für uns Anlass für die wildesten Spekulationen war. Was war hier wohl vorgefallen? Ein natürlicher Todesfall? Gar ein Mord? Man weiß es nicht...

Bei herrlichem Sonnenschein spazierten wir dann durch das Hafengelände und inspizierten die beiden Kreuzfahrtschiffe, die neben der Luminosa lagen: die Celestyal Nefeli und die Aegean Odyssey. Es hatte nicht den Anschein als ob Passagiere an Bord wären, eher schienen Wartungsarbeiten am Laufen zu sein. Wir zeigten Jens auch den Liegeplatz „unserer“ Europa 2 im Mai und die Vorfreude auf unsere Fahrt im Oktober 2017 stieg noch ein bisschen mehr. So schön es auch auf der Luminosa war, die E2 ist für mich einfach das wahre „Traumschiff“. Später schlichen wir noch ein bisschen im Hafenterminal herum, plünderten den dortigen Souvenir-Laden und nutzen das kostenlose WLAN.


Da die Luminosa den Hafen von Piräus nachmittags wieder verlassen sollte und daher damit zu rechnen war, dass kurz zuvor der Andrang im Restaurant wegen der vom Landgang zurückkehrenden Passagiere groß sein würde, gingen wir zeitig wieder an Bord, um uns den Magen in Ruhe vollschlagen zu können. Wir wollten das neue Angebot am Grill testen und suchten uns deshalb gegen 12.30 Uhr dort in der Nähe einen Platz. Geralds Burger machte einen guten Eindruck, die Pommes waren lecker, nur leider war die „Wurst“ im Brötchen eine kleine (im wahrsten Sinne des Wortes) Enttäuschung. Ein geschmacklich durchaus akzeptables Mini-Würstchen lag völlig verloren in einer echt leckeren Semmel. Zu viel Teig, zu wenig Fleisch – brauche ich nicht noch einmal. Dafür gönnte ich mir als „Nachspeise“ ein Stück Spinatauflauf und eine mit Shrimps gefüllte Kartoffel und war am Ende doch zufrieden.

Nach der Nahrungsaufnahme machten wir es uns am Heck gemütlich und warteten auf das Ablegen, das für 15 Uhr vorgesehen war. Ich nutzte die Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang über die Außendecks in der Sonne und versüßte mir die Wartezeit mit einem Bellini. Die Zeit verging und ich drehte immer wieder meine Runden mit der Kamera, aber unser Schiff blieb im Hafen. Eine Durchsage brachte dann auch Aufklärung: Wegen eines medizinischen Notfalls würde sich das Auslaufen verzögern. (Medizinischer Notfall oder hatte das etwas mit der mysteriösen, versiegelten Kabine zu tun??) Erst um 16.15 Uhr ging es schließlich los, aber so kamen wir wenigstens in den Genuss eines herrlichen Sonnenuntergangs beim Auslaufen.



Bevor ich mich zurück in unsere Kabine bequemte, um mich für das Abendessen herzurichten, inspizierte ich noch schnell den „Weihnachtsmarkt“ in der Grand Bar. Hätte ich mir auch schenken können – billiger Plunder soweit das Auge reichte und definitiv nichts für meinen Geschmack dabei.

Eine weitere Durchsage von der Brücke ließ mich dann aufhorchen. Für die Nacht wurde starker Seegang angekündigt und die Passagiere wurden um erhöhte Vorsicht gebeten (festhalten, nicht auf den Außendecks aufhalten). Klang vielversprechend!

Für diesen Abend hatten wir vom CostaClub eine Einladung ins Samsara-Restaurant erhalten. Dies war eine weitere Änderung bei Costa und wir waren gespannt, was uns dort im Vergleich zu unseren bisherigen Abenden im Club-Restaurant erwarten würde.

Das Samsara-Restaurant war nicht mal halb gefüllt und wir wurden freundlich begrüßt und an unseren Tisch geleitet. Es folgte schnell eine kleine Auswahl an Gebäck und die Speisekarte. Wahrscheinlich hätten wir sie auch auf Deutsch bekommen, aber ich musste ja beim Betreten des Restaurants ja ein fröhliches „buona sera“ in den Raum werfen. Aber auf unserer mittlerweile 12. Kreuzfahrt mit Costa sollte doch auch eine italienische Karte kein Problem für uns darstellen. Als der Kellner bei der Aufnahme unserer Bestellung bemerkte, dass wir gar keine Italiener sind, wollte er uns auch gleich eine andere Karte bringen, was wir ablehnten – wir wussten ja bereits, was wir wollten. Unser „Pacific Fusion“ Menü im Detail (und auf Italienisch): Nach dem Gruß aus der Küche (ein leckeres, frittiertes Fisch-Bällchen) starteten wir mit „Frittelle alla polpa di granchio con insalata di frutta tropicale e condimento al peperoncino e coriandolo“. Für Gerald gab es dann eine „Zuppa hawaiana di pésce“ und für mich „Penne di Gragnano con tonno bianco, zenzero e peperoncono“. Beim Hauptgang waren wir uns dann wieder einig und mussten nicht lange überlegen - „Filetto di manzo con salsa al tamarindo, okra fritto, purea di patate dolci allo zenzero“. Zum krönenden Abschluss sollte es für mich noch ein Schokoladen-Mousse geben, aber manchmal kommt es anders als man denkt. Aber dazu später. Unser bestelltes Mineralwasser und auch der Ferrari-Schaumwein wurde zügig an unseren Tisch gebracht und eine halbe Stunde später wurde der Gruß aus der Küche serviert. Ich hatte langsam so richtig Hunger, aber leider ließen die bestellten Speisen auf sich warten. Eine Stunde nach unserer Ankunft im Restaurant durften wir dann endlich die Vorspeise testen und das „Fischpflanzl“ mit den Früchten war wirklich gut. Suppe und Pasta, die zügig folgten, waren ebenfalls sehr schmackhaft. Doch leider folgte dann wieder eine längere Wartezeit – sowohl auf den Hauptgang als auch auf das Nachfüllen der Getränke. Egal, zumindest bei Letzterem konnten wir uns ja selbst bedienen. Als das Rinderfilet dann endlich serviert wurde, war die Freude groß und der Gargrad – medium rare – für meinen Geschmack perfekt getroffen. Nur leider muss ich anmerken, dass wir bei der Bestellung gar nicht nach dem gewünschten Gargrad gefragt worden waren und für viele Menschen ein halbrohes Stück Fleisch eher Ekel als Gaumenfreude hervorruft. Wir allerdings waren glücklich und die tote Kuh mundete vorzüglich. Leider war die Zeit mittlerweile so weit fortgeschritten, dass wir nach dem Hauptgang nicht mehr auf das Dessert warten wollten und das Restaurant verlassen mussten. Schließlich wartete der Kapitän auf der VIP Cocktail Party auf uns und darauf wollte ich unter keinen Umständen verzichten.



Zu unserem Besuch im normalerweise kostenpflichtigen Samsara-Restaurant möchte ich abschließend noch zusammenfassend anmerken, dass das Essen selbst – sowohl von der Zubereitung als auch von der Präsentation her - wirklich hervorragend war. Leider war der Service mangelhaft und das bei einem gerade mal halb gefüllten Restaurant. Mir ist natürlich klar, dass man ein mehrgängiges Menü nicht in einer knappen Stunde in sich reinschaufelt, aber hier waren die Wartezeiten einfach viel zu lange. Dann wurden auch die Getränke oftmals nicht bzw. erst nach Aufforderung nachgefüllt, die Gerichte wurden einem einfach vor die Nase geknallt, kein „Guten Appetit“ (in welcher Sprache auch immer) oder Nachfragen, ob es geschmeckt hat und über das Eindecken will ich gar nicht erst reden. Man merkte richtig, dass es den Mitarbeitern an den Grundlagen fehlte. Dadurch hatte trotz des sehr guten Menüs der Besuch im Samsara-Restaurant einen faden Nachgeschmack. Schade!

Gerade noch rechtzeitig erreichten wir das Theater und hatten als letzte die Chance auf ein Foto und einen kleinen Plausch mit Kapitän Pietro Sinisi. Wir hatten mit ihm ja bereits 2015 das Vergnügen gehabt und er war auch sehr erfreut, dass er uns wieder auf „seiner“ Luminosa begrüßen durfte. Wie gewohnt wurden leckere Häppchen und Prosecco gereicht, was mich dann doch für das entgangene Dessert entschädigte. Kurz darauf ging es auch schon los und der Kapitän begrüßte die anwesenden Passagiere in den verschiedensten Sprachen, wobei Deutsch definitiv nicht zu seinen Lieblingssprachen zählt (räusper). Nach der Vorstellung seiner Führungscrew und dem obligatorischen gemeinsamen „Salute“ war es auch schon wieder vorbei und wir konnten zum gemütlichen Teil des Abends übergehen.


Wie üblich zog es uns in die Bar Libra an unseren Stammplatz und auch Jens tauchte dort natürlich nach kürzester Zeit auf. Wir berichteten ihm ausführlich von unserem Beuch im Samsara-Restaurant und amüsierten uns wie immer prächtig bei angenehmer musikalischer Unterhaltung durch Giselle & Daniel sowie meinem Pianomann Giovanni. Auf den angekündigten Seegang wartete ich allerdings vergeblich. Beim Rauchen erhielt ich dann nähere Informationen von Restaurant Manager Massimiliano Di Buono – ab 1 Uhr würden wir offene See erreichen und dann sollte es so richtig ungemütlich werden. Endlich mal ein richtiger Sturm auf einer Kreuzfahrt? Ich zweifelte irgendwie daran.

Später ließ ich nach einem Rundgang durchs Schiff den Abend in der Disko ausklingen und musste feststellen, dass der Wind ab 2 Uhr ziemlich auffrischte – das war es bis dahin aber auch schon. Mit einem „Cocktail-to-go“ zog ich mich schließlich auf unsere Kabine zurück und wäre dort beinahe vom Balkon geweht worden. Huiiiii... da schien doch noch was zu gehen.

Tod von Carrie Fisher
Temperaturen bis 15°C, sonnig
(3)

28.12.2016 Seetag

In der Nacht war der Sturm dann tatsächlich deutlich spürbar – wenn man sich nicht gerade so wie ich im alkoholseeligen Tiefschlaf befand. Gegen 8 Uhr weckte mich meine volle Blase und ich registrierte, dass das Schiff merklich rollte und es in der Kabine knirschte und knackte. Fand ich aber nicht sonderlich beunruhigend, war ja nicht das erste Mal. Aber da war dann noch ein seltsames, ungewöhnliches Geräusch. Es dauerte einige Momente bis ich realisierte, dass dieses Geblubbere aus dem Bad kam. Ich sprang auf und entdeckte schnell die Ursache – Wasser sprudelte aus der Toilette und hatte mittlerweile das komplette Bad überschwemmt. Scheiße!!! Okay, die war zumindest nicht dabei, es war nur klares Aqua, aber trotzdem... WTF?!?!?! Was nun unternehmen? Am besten den Roomservice per Telefon kontaktieren. Als ich schon den Hörer in der Hand hatte vernahm ich Stimmen vor unserer Türe und ich lag dann tatsächlich mit meiner Vermutung richtig, es waren Kabinengeister (dort standen oft die Servicewagen). Ich holte unsere Stewardess und zeigte ihr das Schlamassel. Sie reagierte schnell, drehte den Springbrunnen ab, griff zum Telefon und fing anschließend an, das Wasser mit den Handtüchern aufzuwischen. Dann verschwand sie wieder und ich eilte so schnell es das wackelnde Schiff zuließ zwei Decks höher, um meine kurz vorm Explodieren stehende Blase auf einer öffentlichen Toilette zu entleeren. Das war knapp! Der georderte Techniker kam dann auch sehr zeitnah und nach ein paar geübten Handgriffen war Geralds Thron wieder betriebsbereit. Was für ein Start in den Tag! Nicht mal meine morgendliche Kippe am Balkon bereitete mir Genuss, da der Wind extrem stark war (und ich klebte fast an der Wand) und das Gepfeife beim Öffnen der Balkontüre unerträglich war. Nun ja... Da ich aber schon mal wach war, konnte ich auch gleich Frühstück organisieren. Also ab ins fast menschenleere Buffetrestaurant, ein paar Semmeln, Käse, Lachs, Schinken und Leberkäse auf den Teller und wieder zurück auf die Kabine. Das war aber gar nicht mal so einfach – das Schiff schwankte schlimmer hin und her als unserer Kumpel Herbert, wenn er einen sitzen hat.

Den Rest des Vormittags verbrachten ich hauptsächlich mit meinem Gatten auf unserer Kabine im Bett, während die Costa Luminosa durch die stark bewegte See stampfte. Auch wenn der Boden schwankte und es um uns herum knackte und knarzte, ich fühlte mich keinen Moment lang unsicher oder hatte gar Angst. Allerdings gab es dann doch noch eine kleine Schrecksekunde für mich, als neben meinem Bett die Abdeckung der Deckenleuchte zu Boden krachte. Halleluja! Meine Nerven!


Da das Rauchen auf dem Balkon unmöglich war, tieb mich meine Sucht zwischendurch auf Deck 2 in die Cigar Lounge aka Räucherkammer. Irgendwie war es schon ein wenig unheimlich, tagsüber durch die fast menschenleeren öffentlichen Bereiche zu wackeln. Aber irgendwie auch ganz lustig. Die wenigen Leute, die außer mir noch unterwegs waren, hatten zumindest dieselben Probleme beim Gehen wie ich. In der Räucherkammer war auch nichts los und so konnte man ausnahmsweise sogar mehr als die Hand vor Augen sehen. (Mein T-Shirt mit dem Aufdruck „seasick“ sorgte übrigens bei den anwesenden Italienern für große Erheiterung).

Gegen 13 Uhr konnte ich Gerald davon überzeugen, mich ins Buffetrestaurant zu begleiten. Seinen Vorschlag, ihm etwas zu essen in die Kabine zu bringen, lehnte ich ab, da ich keine Lust hatte, unser Futter im Treppenhaus zu verteilen – der Seegang hatte zwar mittlerweile etwas nachgelassen, aber meine Erfahrungen mit dem Frühstück reichten mir für diesen Tag. Einen freien Platz zu finden war einfach, anscheinend hatte das Geschaukel vielen Passagieren auf den Magen geschlagen. Mir allerdings nicht und ich fraß mich genüsslich durch das gesamte Buffet. Später gingen wir noch auf einen Cappu an die Mittelbar und im Anschluss stand noch ein bisschen Shopping auf meinem Plan (außer dem Foto mit dem Kapitän fand ich aber nichts Kaufenswertes). Im Laufe des Nachmittags beruhigte sich die See wieder und ich konnte endlich wieder den Balkon für die Nikotinversorgung nutzen.

Den Abend starteten wir wie üblich in der Bar Libra, bevor wir uns ins Restaurant Taurus bequemten. Ein Blick auf die Speisekarte weckte große Vorfreude auf das Mahl bei mir. Bei der Vorspeise konnte ich natürlich den frittierten, marinierten Jakobsmuscheln nicht widerstehen und auch bei der Pasta (Penne mit Lachs und Wodka) und dem Hauptgang (Rinderhochrippe) gab es kein langes Überlegen. Die Jakobsmuscheln waren für meinen Geschmack etwas verkocht, aber trotzdem lecker, die Penne mit Lachs wie gewohnt sehr gut, nur beim Hauptgang hätte ich wohl doch lieber wie mein Gatte die Ente á l'orange wählen sollen. Meine Kuh war nämlich tot... also so richtig tot.. und zäh wie die Sohle eines Springerstiefels. Das kann man bei Costa besser! Leider verabschiedete sich unser Kellner Ryan von uns, da er am nächsten Tag ausschiffen würde. Wir wünschten ihm alles Gute für die Zukunft und natürlich wechselte auch noch ein Scheinchen den Besitzer. Hatte er sich auch wirklich verdient! Super Service und v.a. den leckeren Schokokuchen, den er uns ungefragt aufgedrängt hatte werde ich niemals vergessen.


Nach dem Essen machten wir es uns wieder an der Bar Libra bequem und genossen ein paar Drinks. Die Costa Luminosa fuhr derweil durch die Straße von Messina, was ich teilweise beim Rauchen auf Deck 3 verfolgte. (War das schon immer so kurvig??) Da wir für den nächsten Tag einen Ausflug gebucht hatten, zogen wir uns relativ früh und nüchtern in unsere Kabine zurück.

Tod von Debbie Reynolds
Wetter: windig bei bis zu 15°C
(3)

29.12.2016 Neapel / Italien

Der Tag begann für mich ausnahmsweise früh, da wir uns für unseren bereits vor der Reise gebuchten Ausflug „Die Archäologischen Ausgrabungen von Herculaneum“ um 8.15 Uhr im Theater einfinden mussten und ich zuvor noch ein bisschen Proviant im Buffetrestaurant organisieren wollte.

Damals (vor dem großen Krieg) auf unserer Abschlussfahrt war ich bereits einmal in Neapel gewesen und besonders die Besichtigung von Pompeji war mir im Gedächtnis geblieben. Gerne wollte ich diesen faszinierenden Ort wieder besuchen und auch Gerald konnte ich von einem Ausflug zu vielen, alten Steinen begeistern. Bei meiner Recherche im Vorfeld der Kreuzfahrt entdeckte ich dann u.a. auch eine Exkursion zur Ausgrabungsstätte von Herculaneum, von der ich viel Positives gelesen hatte – ebenso interessant wie das berühmte Pompeji, nur kleiner und weniger überlaufen. Klang perfekt und wurde schließlich nach kurzem Überlegen auch gebucht. Jens würde uns allerdings nicht begleiten, da ein Rundgang durch eine historische Ausgrabungsstätte mit Rollator sicher kein so großes Vergnügen wäre.

Um 8.30 Uhr saßen wir dann im Bus und machten uns auf den Weg Richtung Süden. Zu meiner großen Überraschung handelte es sich um einen relativ kleinen Bus, in dem aber genug Platz für die wenigen Teilnehmer (deutsch- und italienischsprachig) war. Unsere Reiseführerin fing auch gleich an, uns über Neapel und natürlich den Vesuv zu erzählen. Dabei erfuhren wir u.a. auch, dass die vulkanische Aktivität in den Phlegräischen Feldern seit vier Tagen deutlich zunahm. Uhhhhhh... Natürlich erfuhren wir auch allerhand Wissenswertes über den katastrophale Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n.Chr., bei dem auch Pompeji und Herculaneum begraben worden waren und was die größten Unterschiede zwischen diesen beiden Orten waren (heißer Schlamm ohne Sauerstoff, der ganze Häuser versiegelte...). Nach ca. 30 Minuten erreichten wir schon die Ausgrabungsstätte, die seit 1997 zusammen mit den archäologischen Stätten von Pompeji und Torre Annunziata zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Nachdem die Formalitäten mit den Eintrittskarten schnell erledigt worden waren, marschierten wir auch schon los und konnten nach kürzester Zeit einen ersten Blick auf Herculaneum werfen. (Von der ursprünglichen Siedlung ist übrigens erst ca. ein Viertel ausgegraben.) Mir wurde auch gleich der offensichtliche Unterschied zu Pompeji bewusst – im Gegensatz zum riesigen, weitläufigem Gelände der bekannten Ausgrabungsstätte war unser Ausflugsziel sehr überschaubar und befand sich mitten in einem Wohngebiet.


Auf unserem Weg blieben wir immer wieder stehen, erhielten viele interessante Informationen von unserer Führerin und konnten die luxuriösen Häuser mit ihren Mosaiken, Wandmalereien und Marmorstatuen bewundern. Faszinierend! Ich will hier gar nicht erst ins Detail gehen, wer Interesse an derartigen Zeugnissen der Geschichte hat, der sollte sich selbst ein Bild davon machen. Für mich und ich denke auch für Gerald hat sich der Ausflug auf alle Fälle gelohnt.



Bevor wir uns wieder auf den Weg zurück zum Hafen machten, hatten wir noch ein paar Minuten Zeit, die ich natürlich nutzte, um mir ein kleines Andenken zu kaufen.

Gegen 12 Uhr waren wir wieder zurück auf der Luminosa und machten uns gleich auf den Weg ins Buffetrestaurant zum Mittagessen (lecker Meeresfrüchte bis zum Abwinken). Gerald nahm sich dann auch noch einen Burger mit auf unsere Kabine, die wir im Anschluss ansteuerten.

Um 13.30 Uhr verließen wir den Hafen von Neapel mit einer halben Stunde Verspätung wegen fehlender Passagiere und nahmen wieder Kurs auf Savona. Wir genossen die Ausfahrt auf unserem Balkon in der Sonne und erst nach einer Stunde konnte ich mich dazu aufraffen, den unangenehmen Teil der Kreuzfahrt in Angriff zu nehmen – die Koffer mussten nämlich gepackt werden. Um meine Laune etwas zu heben, gab es dazu die Flasche Prosecco vom CostaClub. Bereits beim Öffnen hatte ich einen schlimmen Verdacht - die Nuttenbrause sah verdammt nach Sodbrennen aus. War mir aber auch egal, einfach runter damit.



Später spazierte ich noch ein wenig durchs Schiff, bevor wir uns in der Libra den obligatorischen Drink vor dem Abendessen gönnten. Und wie erwartet meldete sich auch der Prosecco zurück, ich sag nur: Da brennt der Sod!!! Im Restaurant stellte sich dann unser neuer Kellner vor, der sich als genauso nett und kompetent wie Ryan herausstellte. Und er konnte sogar zaubern!!!! Es war italienischer Abend und passend dazu war auch meine Vorspeise (Büffelmozzarella mit rohem Schinken) mit den Nationalfarben dekoriert. Echt toll gemacht!


Nach einem wieder mal sehr gutem Abendessen machten wir es uns ein letztes Mal auf unserem Stammplatz in der Bar Libra bequem und genossen noch ein paar Drinks. (Gin Tonic mit Orangenscheibe – warum bin ich nicht eher darauf gekommen?!?!?!) Gegen Mitternacht gingen wir zurück auf unsere Kabine, um die Koffer fertig zu packen und auf den Gang zu stellen. Leider mussten wir feststellen, dass wir das falsche Geschenk vom CostaClub erhalten hatten. Anstatt der gewünschten Plakette fanden wir ein Modell der Luminosa auf dem Bett – unser mittlerweile drittes! Ich war aber zu müde und zu faul, um zum Gästeservice zu gehen, um das zu reklamieren. Mussten wir eben damit leben.

Wetter: sonnig bei bis zu 10°C
(3)

30.12.2016 Savona / Italien

Irgendetwas war anders als sonst als ich an diesem letzten Morgen wach wurde. Ich hatte zwar die für den Ausschiffungstag übliche schlechte Laune, aber die hielt sich in Grenzen. Der Wunsch, mich irgendwo festzuketten blieb komplett aus. Ich wäre zwar gerne noch etwas an Bord geblieben, aber andererseits wollte ich einfach einen Schlussstrich unter diese Kreuzfahrt ziehen. Meine Stimmung bei der letzten Zigarette auf dem Balkon ist schwer zu beschreiben und für Außenstehende wahrscheinlich noch schwerer zu verstehen. Einerseits war ich traurig, die Luminosa verlassen zu müssen – nach vier Fahrten mit ihr war mir das Schiff so vertraut, dass ich mich wie zu Hause fühlte. Und mir war in diesem Moment auch bewusst, dass es so schnell kein Wiedersehen geben würde. Doch auf der anderen Seite freute ich mich auf neue Kreuzfahrten – mit anderen Schiffen und zu neuen Zielen.

Während die Costa Luminosa um 8 Uhr in den Hafen von Savona einlief, verließen wir unsere Kabine und gingen erst einmal ins Buffetrestaurant. Wie üblich hatte ich keinen Hunger, aber ich wollte zumindest ein paar Semmeln als Wegzehrung mitnehmen. Gegen 9 Uhr machten wir uns auf den Weg zu unserem Treffpunkt im Theater, wo um 9.15 Uhr die Ausschiffung für uns begann. Keine 15 Minuten später waren wir dann schon von Bord und fanden auch schnell unsere Koffer. Als wir uns gerade auf die Suche nach Jens, der aufgrund seines Rollators separat ausgeschifft wurde, und unseren Bus für den Transfer zum Flughafen nach Mailand machen wollten, wurden wir schon von einer Costa-Mitarbeiterin mit einem freundlichen „Familie Lehner?“ angesprochen. Hää?? Warteten die schon auf uns? Wir waren doch zügig vom Schiff gegangen. Die Dame brachte uns dann zu unseren „Bus“, wo Jens, ein weiterer Passagier und der Busfahrer tatsächlich schon auf uns warteten. Ich staunte nicht schlecht, wir hatten echt so eine Art „Privattransfer“ und kurz nach 9.30 Uhr verließen wir den Hafen von Savona.



Es stellte sich heraus, dass mir unser Mitreisender dem Namen nach bereits aus dem Costa-Fanclub bei Facebook bekannt war, nach einer längeren Unterhaltung stand mir aber nicht der Sinn. Ich verbrachte die Fahrt lieber mit Musikhören und der Pflege meiner post-cruise-depression. Obwohl eigentlich gar nicht vorgesehen legte unser netter Fahrer sogar eine kleine Rauch-/Pinkelpause ein, wofür ich ihm äußerst dankbar war. Ansonsten verlief die Fahrt ohne besondere Vorkommnisse und gegen 12 Uhr erreichten wir den Flughafen Mailand-Malpensa, wo wir uns nun irgendwie die Zeit bis zum geplanten Abflug um 16.55 Uhr vertreiben mussten. Diese lange Wartezeit empfand ich zwar grundsätzlich als eher suboptimal, aber lieber spazierte ich im Flughafen herum und konnte rauchen, als dass ich mir in einem Bus den Arsch platt saß. Am liebsten wäre ich natürlich noch ein wenig an Bord der Luminosa geblieben und hätte mir den ein oder anderen Bellini reingezogen, aber ich kann die Organisatoren da auch durchaus verstehen – lieber die Leute viel zu früh in Mailand abliefern, als dass es dann zeitlich Probleme wegen Stau (der auf dieser Strecke wohl normal sein soll) gibt. Wie auch immer, wir machten jedenfalls das Beste aus der Situation und irgendwie verging die Zeit am Flughafen „Mailand-Casablanca-Tunis“ dann doch recht schnell. Nach dem Check-in wurden wir Jens-sei-Dank gesondert zum Abflugsgate gebracht, was vor allem beim Anblick der langen Schlagen bei der Sicherheitskontrolle von sehr großem Vorteil war.

Mit einer kleinen Verspätung startete unserer Airbus A319-100 der Lufthansa um 17.15 Uhr Richtung Heimat und wir kamen in den Genuss eines wirklich gigantischen Sonnenuntergang.



Nach einem ruhigen Flug landeten wir um 18.10 Uhr in München. Zunächst gab es ein paar Probleme mit der georderten Hilfe für Jens – anscheinend wurde vergessen, jemanden zum Flugzeug zu schicken – aber die Crew kümmerte sich sofort darum (und der Pilot schimpfte). Nach kurzer Wartezeit tauchte dann auch ein Mitarbeiter samt einem Golfcart auf und schon ging es in rasanter Fahrt quer durch den Münchner Flughafen. Was für ein Service und natürlich Spaß! Das hätte ich gerne öfter!

Nun musste uns am Ende nur noch der AirportLiner zurück nach Regensburg bringen und dann war unsere Weihnachtskreuzfahrt 2016 auch schon zu Ende.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass sich unsere Flucht vor dem Weihnachtsfest in der Heimat unterm Strich doch gelohnt hat. Wir hatten viel Spaß, Sonne und ich konnte sogar ein bisschen zur Ruhe kommen. Auch auf unserer 12. Fahrt mit Costa habe ich mich an Bord sehr wohl gefühlt. All die negativen Berichte über den angeblich nachlassenden Service bei Costa konnte wieder einmal nicht nachvollziehen. Trotz eines fast ausgebuchten Schiffs gab es kaum irgendwo längere Wartezeiten und wir wurden gut versorgt (den Abend im Samsara-Restaurant mal ausgenommen). Das Essen war bis auf ein paar wenige Ausnahmen gut bis sehr gut und die Cocktails mit ordentlich Alkohol. Ich kann Costa immer noch weiterempfehlen – wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Trotzdem werden wir nun wohl erst mal eine kleine Pause einlegen und uns anderen Reedereien und Zielen zuwenden.

Am Ende meines Berichts möchte ich mich bei Kapitän Pietro Sinisi und der restlichen Crew der Costa Luminosa für diese schöne Kreuzfahrt bedanken.

Mein Dank gilt natürlich auch meiner Mutter fürs Wohnungshüten und dem TUI ReiseCenter im Donaueinkaufszentrum/Regensburg für Angebotserstellung und reibungslose Buchung.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich mich wieder melden... wenn wir die Highlights von Westeuropa unsicher gemacht haben...

Und nicht vergessen: „A dream is all we need!“



© Sabine Lehner 2017