Champagner! (2)

Champagner! Eine Kreuzfahrt ans Ende der Welt und weiter nach Saint-Tropez




"Die Highlights Westeuropas" mit der MS Europa 2 vom 02. bis 15.10.2017

Hamburg – Greenwich / Tilbury – Saint Peter Port – Saint-Malo – Bilbao – Vilagarcía de Arousa – Leixões – Lissabon


07.10.2017 Saint Peter Port / Guernsey
„Ausflug in eine dunkle Zeit“


Die See war in der Nacht etwas unruhiger geworden und als ich wach wurde waren meine Befürchtungen groß, dass auch der Traum von Guernsey ins Wasser fallen würde. Ich ließ Gerald erst mal schlafen und starrte eine ganze Weile einfach nur auf das Meer. Schon vor der Reise hatte ich mir nicht all zu große Hoffnungen gemacht, da ein Besuch auf der zweitgrößten britischen Kanalinsel häufig wegen schlechter Windverhältnisse oder zu starkem Seegang entfallen muss und wir hatten schließlich Oktober. Im Moment sah es auch für uns nicht all zu gut aus. Später kam im Bord TV eine interessante Landeskundesendung über Guernsey und beim Rauchen auf der Veranda bemerkte ich, dass wir einige Inseln passierten.


Gegen 11 Uhr war mein Gatte dann endlich bereit für ein Weißwurstfrühstück in der Sansibar. Unsere neuen Freunde aus München leisteten uns dabei Gesellschaft und wir plauderten entspannt über Kreuzfahrten und das Leben. Schließlich kam die erlösende Meldung von der Brücke, dass wir Saint Peter Port (sogar etwas eher als geplant) erreicht hatten und in Kürze mit dem Tendern begonnen werden konnte. Nein, ich hatte mich nicht verhört und der Blick auf den Bildschirm mit der aktuellen Schiffsposition bestätigte es – wir befanden uns tatsächlich vor der Hauptstadt von Guernsey!
Bailiwick of Guernsey, wie die Insel amtlich auf Englisch heißt, gehört zu den britischen Kanalinseln, die sich vor der französischen Küste befinden, und weder Teil des Vereinigten Königreichs noch Kronkolonie sind, sondern als Kronbesitz direkt der britischen Krone unterstellt sind (sie sind auch kein Teil der EU). Die Hauptstadt und wichtigste Hafenstadt Saint Peter Port liegt an der Ostküste und hat ca. 18.800 Einwohner.
Bevor sich das Wetter noch weiter verschlechtern konnte trieb ich meinen Gatten zur Eile an und bald saßen wir auch schon im Tenderboot, mit dem es in rasanter Fahrt Richtung Hafen ging. An der Albert Pier angekommen war deutlich zu erkennen, dass der Hafen einem großen Gezeitenhub unterliegt. Wir bewunderten einige Zeit lang die zahlreichen Boote und gingen dann weiter in Richtung des Militärmuseums La Vallette. Der Hafeninformation von Hapag-Lloyd hatten wir entnommen, dass dieses nur ca. 800 m entfernt war und diese Strecke sollte für Gerald zu schaffen sein. Auch wenn die dunklen Wolken tief hingen und es ein bisschen nieselte erfreuten wir uns an der schönen Landschaft. Bei Sonnenschein musste es hier einfach traumhaft sein.




Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir schließlich unser Ziel, das La Vallette Underground Museum. In einem gut beleuchteten, klimatisierten Tunnel der deutschen Besatzungsmacht aus dem Zweiten Weltkrieg wird dort die militärische Geschichte der Insel und besonders die Besetzung von 1940 bis 1945 dokumentiert. Wir begutachteten ausgiebig die vielen Exponate und machten am Ende sogar noch die Bekanntschaft mit einer Zeitzeugin. War es diese Begegnung oder die beklemmende Atmosphäre in dem Tunnel – ich weiß es nicht, aber beim Verlassen des Museums hatte ich einen dicken Klos im Hals.
Leider war das Wetter schlechter geworden und so gingen wir zügig zurück Richtung Stadtzentrum (vorbei an den La Vallette Bathing Pools). Der Status der Kanalinsel macht diese zu einem Steuerparadies und auf unserem Weg sahen wir viele typische Protzerautos und Modelle, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört hatte. Die Altstadt von Saint Peter Port ist wirklich wunderschön - enge Straßen und kleine Gassen mit vielen Häusern aus Granit winden sich vom Meer den Hügel hinauf. Durch den Einfluss des Golfstroms und die geschützte Lage der Insel im Golf von Saint-Malo herrscht hier ein mildes, fast mediterranes Klima. Leider war es bereits Oktober und so waren nur noch Reste einer üppigen Blumenpracht zu sehen, aber im Frühling und Sommer muss es hier wirklich wunderschön sein.

 

Leider lud der immer stärker werdende Regen nicht zu einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt ein, da konnten mich selbst die vielen Geschäfte rund um die High Street nicht überzeugen. Daher machten wir uns bald auf die Suche nach einem netten und v.a. trockenen Plätzchen und wurden am Ende auch fündig und machten es uns im „Thomas de la Rue“ gemütlich. Laut Homepage handelt es sich um „a traditional town pub serving wholesome classic bar meals both lunchtime and evenings, with an excellent selection of beers and ales, including the award-winning, Channel Islands' brewed Liberation Ale. Split over two floors, the main lounge bar leads directly on to the shopping precinct of historic St. Peter Port, whilst the Front Room bar provides a bright modern atmosphere and includes an al fresco terrace.“ Eine Kneipe ganz nach meinem Geschmack! Das Bier war gut, die Toiletten sauber und es gab freies WLAN – was will man mehr! Wir waren übrigens nicht die einzigen Passagiere der Europa 2, die sich in dem gemütlichen Pub niedergelassen hatten, auch eine Familie, die wir schon öfter an Bord gesehen hatten, war hier und ich wurde aufgrund meines T-Shirts („Dahoam“) von ihnen auch gleich wieder erkannt. Die Gefahr im „Thomas de La Rue“ zu versumpfen war groß - schließlich würde der letzte Tender erst um 22.30 Uhr fahren – wir entschlossen uns aber letztendlich dann doch zum Abendessen wieder an Bord zurückzukehren.
Als wir wieder auf die Straße traten kam der Regen von allen Seiten (irgendwie sogar auch von unten) und wir machten nur noch einen kurzen Abstecher in einen Souvenirshop und sahen dann zu, dass wir zum Hafen kamen. Wir hatten Glück und kurz nach unserer Ankunft gegen 18 Uhr kam auch schon ein Tender. Bei der anschließenden etwas ruppigen Fahrt zurück zur Europa 2 hatten wir nette Gesellschaft im ansonsten leeren Boot, nämlich den Security Commissioner Kai Spelters. Ein sehr sympathischer Kerl, der sich auch gleich zu uns setzte und ein Gespräch anfing. Bereitwillig beantwortete er all unsere Fragen und erzählte uns so einiges über seine Arbeit und v.a. die Zusammenarbeit mit den philippinischen Kollegen.
Wieder an Bord zogen wir uns erst einmal trockene Klamotten an und machten uns dann auf den Weg in den Yacht Club, wo ich den Jakobsmuschelspießen vom Grill nicht widerstehen konnte. Dazu noch ein paar Pilze, ein bisschen Lachs und Roastbeef und Frau Lehner war satt. Da Gerald vom Landgang ziemlich kaputt war, zog er sich gleich nach dem Abendessen auf unsere Kabine zurück, während ich noch eine Runde durchs Schiff drehte. Bei einem kleinen Stopp an der Poolbar machte ich die Bekanntschaft einer netten, jüngeren Frau und ihrem vermeintlichen Vater. Wir plauderten ein wenig über unsere Kreuzfahrt, die einzelnen Destinationen und Landgänge und am Ende des Gesprächs war mir klar, dass der ältere Herr ihr Ehemann war. Nun ja...
Auf den Auftritt des A-Capella Ensembles „Rock4“ um 22 Uhr im Theater hatte ich keine Lust (jetzt noch mal umziehen... nööö), da mir aber nach ein bisschen Livemusik war ging ich noch auf einen Absacker in die Sansibar, wo Sebastian Bach und Georg Wende von der Bordband „Ocean's Club“ unter dem Motto „Piano meets Sax“ legere Saxophon- und Pianoklassiker zum besten gaben. Einfach toll und der perfekte Abschluss für diesen gelungenen Tag. Pünktlich zum Beginn der großen Schlagerparty „flüchtete“ ich aus der Bar zurück in unsere Suite – nach „Atemlos!“ stand mir einfach nicht der Sinn. Da machte ich es mir lieber mit einer Decke auf der Veranda bequem und verabschiedete mich in aller Ruhe gegen 23 Uhr von der Kanalinsel Guernsey.
 

Wetter: Wolken und Regenschauer bei bis zu 17°C
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08.10.2017 Saint-Malo / Frankreich
„Deux Crêpes au chocolat s'il vous plait!“

Die Europa 2 erreichte an diesem Morgen gegen 9 Uhr ihr Ziel Saint-Malo und Frankreich begrüßte uns mit dunklen Wolken und Regen. Wir beschlossen erst einmal in unserer Suite zu bleiben und frühestens am Nachmittag an Land zu gehen. Das ist halt der Vorteil von langen Liegezeiten und einer Nespresso Kaffeemaschine sowie einer gut gefüllten Minibar in der Kabine. Ich persönlich bin ja eigentlich kein Fan dieser überteuerten Abfallproduzier-Teile, aber an diesem Vormittag wusste ich das Ding wirklich zu schätzen und genoss meinen Kaffee auf dem Balkon. (Aufgrund seiner herausragenden Leistung erhielt Gerald an diesem Vormittag erstmals die „AYCK-Flat“ verliehen!)
Am späten Vormittag trieb uns dann der Hunger in die Sansibar auf ein kleines Weißwurstfrühstück und im Anschluss daran spazierten wir ein bisschen durchs Schiff, um uns die Zeit bis zum Mittagessen zu vertreiben und Platz im Magen zu schaffen. 



Leider durfte mein Gatte die Uhren im Schaufenster des Bordjuweliers nur kurz begutachteten, da ich ihn lieber schnell weiter zog bevor er auf dumme Gedanken kommen konnte. Die Uhr seiner Träume kostete ja nur die Kleinigkeit von 55.300.- €.
Gegen 13 Uhr gab es dann im Yacht Club für mich „Fusilli Ticino“ (mit Salbeisauce und Bresaola) vom Pastabuffet und Pilzsülze auf Kräutersauce vom kalten Buffet sowie etwas Käse und Salat. (Kleine Notiz am Rande: Passagiere, die in einer Owner Suite reisen, sind ganz normale Menschen! Weißbier!)


Auch wenn das Wetter nicht wirklich besser geworden war, so beschlossen wir nach dem Essen doch einen kleinen Ausflug an Land zu unternehmen und saßen um ca. 14.30 Uhr inklusive E2-Regenschirm im Tenderboot. Die Fahrt selber war weitaus weniger ruppig als am Vortag und wir amüsierten uns köstlich über leicht seltsame Mitreisende wie die Frau mit Bart und den Schweizer mit den Flip-Flops. 
Saint-Malo liegt im Norden der Bretagne hat ca. 46.000 Einwohner. Aufgrund des „historischen“ Stadtkerns und der Festungsanlagen gehört die Stadt zu den meistbesuchtesten Touristenorten Frankreichs. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Innenstadt zu etwa 85 Prozent zerstört, dann allerdings nach alten Plänen möglichst originalgetreu wieder aufgebaut. In der Bucht von Saint-Malo gibt es einen der größten Gezeitenunterschiede Europas, nämlich bis zu zwölf Meter zwischen Niedrig- und Hochwasser und in der Mündung des Flusses Rance befindet sich eines der weltweit größten Gezeitenkraftwerke.


Als wir an Land ankamen bestaunten wir als erstes die Hafenanlage, an der man sich ein Bild vom extremen Gezeitenhub machen konnte. Wirklich beeindruckend! Unsere Tenderstation beim Hafenterminal war lediglich ca. 150 m vom Stadtzentrum entfernt, das wir dann auch ansteuerten. Innerhalb der mächtigen Festungsmauern erwarteten uns kleine Gassen mit zahlreichen Geschäften, Cafés und Restaurants. Irgendwie erinnerten mich manche Straßenzüge stark an meine Heimatstadt Regensburg. Das Wetter war auch ein bisschen besser geworden – jedenfalls regnete es nicht mehr! Wir hatten kein spezielles Ziel und schlenderten erst einmal gemütlich durch die Altstadt, begutachteten die Auslagen der Geschäfte und studierten einige Speisekarten. Auch durfte ein Abstecher in einen Souvenirshop nicht fehlen, bei dem ich u.a. einen wunderschönen Anhänger erstand. Außer uns waren noch zahlreiche andere Touristen unterwegs und ich will gar nicht wissen, was hier in der Hauptsaison los ist. 






Ein Punkt stand dann aber doch noch auf unserem Tagesplan und der lautete: Lokale Spezialitäten testen! Daher suchten wir am Ende unseres Spaziergangs nach einer geeigneten Lokalität und fanden schließlich die „Crêperie Grand Mère Augustine“.
Der Laden war liebevoll eingerichtet und wir ergatterten einen tollen Platz mit Aussicht auf die Straße. Normalerweise bevorzuge ich ja Gaststätten abseits der Touristenströme, aber dieses Mal war ich ganz froh, dass wir uns nicht an die Regel mit dem „zwei mal ums Eck“ gehen gehalten hatten. Wo viele Touristen sind, da sind nämlich die Chancen groß, dass die Bedienung auch Englisch spricht, und ich hatte Glück und musste nicht mein grottiges Schulfranzösisch oder besser gesagt die Reste davon heraus kramen. Versuchen musste ich es dann aber doch... jedenfalls so ein bisschen... und möchte an dieser Stelle all die Lehrerinnen und Lehrer grüßen, die vor vielen, vielen Jahren versucht hatten, mir diese wunderschöne Sprache beizubringen. Hat nicht funktioniert! Auf alle Fälle wurden wir beim Studium der umfangreichen Karte schnell fündig und orderten eine Flasche Cidre und für jeden eine Crêpe mit Schokolade (Viel zu einfach!!!). Der Apfelschaumwein aus regionaler Produktion, den wir aus traditionellen bretonischen Cidre-Tassen tranken, mundete vorzüglich und auch der beliebte französische Imbiss war eine echte Gaumenfreude (auch wenn ich bekanntlich ja nicht so der Fan von Süßspeisen bin). Wir wurden aber nicht nur kulinarisch verwöhnt, zusätzlich gab es auch noch einiges zu lachen wie z.B. über den kleinen Hund, der souverän an einer Treppenstufe scheiterte. Auch unsere Bedienung hatte ihren Spaß und verarschte mich ständig, was ich ihr aber definitiv nicht übel nahm. 




Gegen 16.30 Uhr machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Hafen und mussten dort auch gar nicht lange auf einen Tender warten. Leider konnten wir aber nicht herausfinden, worum es sich bei der mysteriösen Fracht handelte, die ein paar Crewmitglieder mit vereinten Kräften ins Boot schleppten. Wieder zurück an Bord machte ich noch einen ausgiebigen Fotorundgang. Das Wetter war im Laufe des Tages immer besser geworden und so konnte ich noch ein paar Aufnahmen der wirklich schönen Umgebung machen.




Den Abend starteten wir im Collins mit einem Hernö mit Fentiman's und wir waren begeistert. Es kommt ja nicht häufig vor, dass Gerald und mir derselbe Gin schmeckt, aber dieser Schwede kam nach kürzester Zeit auf unsere Favoritenliste. Unser anschließendes Dinner im Weltmeere war dann wie erwartet sehr gut. Nach dem Gruß aus der Küche (Thunfisch auf Meerrettich) gab es für uns beide als Vorspeise Beef Tatar mit Wachtelei und nach einer kleinen „Erfrischung“ (Rhabarbersorbet mit Wodka) folgte auch schon der Hauptgang. Hier hatte Gerald einen gebratenen Hummerschwanz und für mich gab es Kalbsrückensteak. Geschmack und Präsentation hervorragend, einen klitzekleinen Abzug gab es lediglich für den Gargrad meines Kalbsrückens, den hätte ich mir ein bisschen mehr „rosa“ gewünscht. Das einzig Störende war der aufgeblasene Arsch am Nebentisch, dessen saublöde Kommentare sogar seiner Begleiterin peinlich waren.
Gegen 21 Uhr verabschiedete sich die Europa 2 von Saint-Malo (wir waren übrigens der letzte Anlauf für dieses Jahr) und nahm Kurs auf Bilbao, während wir nach dem Essen wieder das Collins ansteuerten. Dort trafen wir an der Bar ein nettes älteres Ehepaar, mit dem wir ein angenehmes Gespräch führten. (Die „Hartzer“ hinter uns ließen es gut krachen!) Bevor wir uns später zum Ausklang des Abends in die Sansibar aufmachten gingen wir noch kurz auf unsere Suite, um den Frühstückszettel für den nächsten Morgen auszufüllen. In der Bar mit den gekreuzten Säbeln war an diesem Abend nicht viel los, dafür legte DJ Scäri-Age gute Musik (jedenfalls nach unserem Geschmack) auf und wir nutzten die Gelegenheit, um ein bisschen mit ihm zu quatschen. Letztendlich machte sich der Landgang aber doch irgendwann in unseren Knochen bemerkbar und wir fielen müde in unsere Kojen. 


Wetter: bewölkt, teilweise Regen bei Temperaturen bis 17°C
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09.10.2017 Seetag mit Kurs auf Bilbao
„Sailing seas like a dolphin with no home“
 

An diesem Seetag schlief ich erst einmal ewig lange bevor ich mich dann doch am Vormittag aus dem Bett bequemte. Pünktlichst um 10 Uhr klingelte es an unserer Türe und das am Vorabend bestellte „Gourmetfrühstück“ mit zusätzlichen Eierspeisen wurde auf einem extra Tisch in unsere Suite geschoben. „Holy shit! Das können wir niemals alles essen!“ war mein erster Gedanken beim Anblick der Futtermassen. Es gab eine Auswahl an Brot, Semmeln, Croissants und Plundergebäck. Dazu dann natürlich Wurst, Käse, Marmelade, Honig, Butter, Margarine und Räucherfisch – jeweils natürlich immer mehrere Sorten. Außerdem waren da noch ein Krevettencocktail, eine Gänseleberterrine (würg) und Obst in Hülle und Fülle. Zusätzlich hatte mein Gatte Rühreier sowie Kaffee und ich Spiegeleier und eine Kanne Earl Grey geordert. Einfach der Wahnsinn! Ich hatte beim besten Willen keine Ahnung, wie wir das alles runter bekommen sollten. Dekadenz pur!
Die nächsten Stunden genossen wir sowohl das leckere Frühstück als auch das Nichtstun. Nebenbei wurde noch gelesen, ferngesehen, Postkarten geschrieben oder einfach nur aufs Meer gestarrt. So eine Kreuzfahrt ist aber auch verdammt anstrengend! Gegen Mittag musste ich mir dann unbedingt die Beine vertreten und machte einen längeren Spaziergang durchs Schiff und über die Außendecks, bevor ich mich wieder an unseren Frühstückstisch begab. Wie kann man nur so verfressen und faul sein! 



Am Nachmittag brachte ich meine Karten zur Rezeption und um 15 Uhr machten wir uns dann auf den Weg auf Deck 10 zur „offenen Brücke“ (an diesem Tag zwischen 9 und 11 Uhr sowie zwischen 14 und 18 Uhr). Leider war Kapitän Ulf Wolter nicht da, dafür aber sein sehr netter Stellvertreter. Da wir anfangs die einzigen Passagiere auf der Brücke waren konnten wir uns in Ruhe alles zeigen lassen und unsere Fragen stellen, die das niederbayerische Schnuckelchen auch bereitwillig und ausführlich beantwortete. Ich war zuvor noch nie auf der Brücke eines Kreuzfahrtschiffs gewesen und obwohl ich jetzt nicht so technikinteressiert bin wie mein Mann so war ich doch wirklich beeindruckt und kam aus dem Stauen gar nicht mehr heraus. 
 





Als immer mehr Leute kamen wollte ich eigentlich nur noch ein paar Fotos machen und kam dabei auf die Idee, doch ausnahmsweise auch ein bisschen zu filmen. Ich schwenkte gerade meine Kamera über den Bug als ich plötzlich den Ruf „Delfine“ hinter mir hörte. Und tatsächlich - da war eine ganze Schule direkt vor meiner Linse! Wahnsinn! Was für ein Anblick! Und wir sozusagen in der VIP-Lounge. Ich konnte mich kaum mehr von diesem wunderschönen Anblick loslösen. 



Nachdem wir über eine Stunde auf der Brücke verbracht hatten gingen wir zurück auf unsere Suite und sicherten erst einmal meine Videos. Da das Wetter im Laufe des Tages immer besser geworden war machte ich es mir dann auf meiner Liege auf dem Balkon gemütlich, beobachtete weiter die Delfine, die immer noch um die Europa 2 herum sprangen oder starrte einfach nur auf die Heckwelle. These are the moments that you keep insinde your heart...
Pünktlich um kurz vor 17.30 Uhr fanden wir uns im Club 2 ein, wo das exklusive Gin-Tasting stattfand. Wir hatten ja bereits auf unserer ersten Fahrt mit der Europa 2 an dieser Veranstaltung teilgenommen und waren gespannt, was uns Lyudmil dieses Mal präsentieren würde – okay, zwei Sorten hatte er uns ja bereits verraten. An unseren Tisch setzten sich auch noch Helga und Roberto (geboren in Argentinien), der als erstes Geralds Klamottenauswahl mit den Worten „Na, was hast du dich denn so rausgeputzt?!“ kommentierte. (Wir hatten uns bereits passend für das anschließende Abendessen angezogen.) Die vorgestellten Ginsorten waren dann: Adler Berlin Dry Gin, Darnley's View Spiced London Dry Gin, Tanquery Rangpur und The London No. 1. Dazu gab es jeweils das passende Tonic Water und eine Garnitur. Details stehen im Handout – wir haben es dieses Mal auch nicht an Bord vergessen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es wieder sehr interessant war. Den Tanquery Rangpur müssen wir uns auf alle Fälle für warme Sommernächte merken und kein Mensch außer mir mag den Adler.


Nach dem wirklich informativen und auch lustigen Gin-Tasting gingen wir noch mit Helga und Roberto auf eine Kippe ins Collins und stellten fest, dass wir uns im kommenden Jahr an Bord wieder sehen würden. Das waren wirklich tolle Aussichten für 2018 und das meine ich nicht ironisch!
Für diesen Abend hatten wir einen Tisch im französischen Spezialitätenrestaurant Tarragon reserviert. Wir wurden wie gewohnt freundlichst begrüßt und an unseren Tisch geleitet, der sich allerdings nicht im Tarragon selbst, sondern direkt daneben im Grande Réserve befand. Wir hatten eine Weinbegleitung geordert und nachdem wir unser Menü ausgewählt hatten kam auch schon die Sommelière Anne, um sich nach unseren persönlichen Vorlieben zu erkundigen. Das fand ich sehr gut und so konnte ich sie darüber informieren, dass ich kein großer Freund von Rotwein bin – das war natürlich eine kleine Herausforderung für sie. Wir starteten unseren Ausflug durch Frankreich mit dem obligatorischen Gruß aus der Küche: Getrüffeltes Kartoffelsüppchen. Als Vorspeise folgte dann für uns beide die Spezialität des Hauses: „Steak Tatare du Chef“ – leider nicht frisch nach unseren Wünschen am Wagen angemacht wie beim letzten Mal. Geschmeckt hat es trotzdem hervorragend. Beim Zwischengang hatte sich Gerald für „Escargot“ (Weinbergschnecken mit Käuter-Knoblauch-Butter) und ich für „Saint-Jacques“ (Jakobsmuschel mit Orangen-Grapefruit-Salat) entschieden. Keine Frage – ein Traum! Natürlich durfte auch eine kleine Erfrischung vor dem Hauptgang nicht fehlen: Blutorangensorbet. „Schauen sie mal da nach draußen!“ wurde ich aufgefordert und schon war der Becher halb voll mit Wodka! Unser Kellner war definitiv mein Freund! Während ich noch am Lachen war trat der Restaurantleiter an unseren Tisch und fragte mich, ob ich die Variante „Saint-Tropez“ denn kennen würde, was ich verneinte. Aber testen musste ich sie dann natürlich schon und so wurde das Sorbet auch noch zusätzlich mit Champagner aufgefüllt. Oh Mann, ich war noch nicht einmal mit dem Essen fertig und hatte schon einen sitzen. Der Hauptgang war dann auch wie erwartet sehr gut, es gab „Filet de Veau“ (Kalbsfilet mit Erbsen und Steinpilz-Kartoffelgratin) für Gerald und „Pintade“ (Perlhuhn mit Trüffelhonig, Maispüree, Möhren und geschmorten Kirschtomaten) für mich. Danach war ich definitiv voll und in meinem Magen nicht mal mehr Platz für eine einzige kleine Praline. Die begleitenden Weine harmonierten übrigens hervorragend mit den köstlichen Speisen. Hatte Anne sehr gut ausgewählt! (Man muss auch nicht unbedingt Rotwein trinken, ein kräftiger Rosé tut es auch!)
Nach dem Essen zogen wir uns bequemere Klamotten an und gingen in die Sansibar. Für einen Besuch im Theater, wo die Don & Giovannis auftraten, hatte ich an diesem Abend keinen Nerv, dafür war bereits zu viel Alkohol in meinem Kreislauf. Da passten die „Summer Hits“ von DJ Scäri-Age schon besser zu meiner Stimmung. Es wurde dann auch noch ziemlich lustig und ich hatte die Gelegenheit auf ein interessantes Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Arnold, der sich am Ende als wahre Partyrakete herausstellte.
 

Wetter: zunächst bewölkt, später sonnig bei Temperaturen bis zu 17°C
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10.10.2017 Bilbao / Spanien
„How much is the fish?“


Gegen 8 Uhr erreichte die Europa 2 den Hafen von Bilbao, während ich noch friedlich in meinem Bett schlummerte. Erst zwei Stunden später konnte ich mich aufraffen und meinen Hintern auf den Balkon schwingen. Dort erwarteten mich strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen – herrlich! Doch was an diesem sommerlichen Tag anfangen? Wir brauchten dringend einen Plan. Dem Hafeninformationszettel entnahm ich, dass ein kostenloser Shuttleservice ins Stadtzentrum angeboten wurde. Also Kultur und Architektur? Oder doch einfach nur an den Strand, den ich von der Veranda aus sehen konnte? Ich war unschlüssig.
Bilbao ist die größte Stadt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland und zugleich auch größter Hafen und bedeutendste Industriemetropole der Region. Die Stadt mit ihnen ca. 345.000 Einwohnern ist Touristen hauptsächlich wegen der Neukonzeption der Innenstadt in den 1990er Jahren bekannt. Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten zählen die älteste Schwebefähre der Welt, die Puente de Vizcaya, sowie das Museo Guggenheim Bilbao.
Bei einem leckeren Kapsel-Kaffee und Orangen- bzw. Tomatensaft aus der Minibar lauschten wir den Durchsagen für die Crew während des Generalmanövers für die Besatzung, das gemäß internationaler Vorschriften regelmäßig stattfinden muss, und planten nebenbei unsere Aktivitäten für den weiteren Tagesverlauf. Den Anfang machte dann erst mal ein ausgiebiges Weißwurstfrühstück in der Sansibar (langsam konnte ich echt keine Weißen mehr sehen), bevor wir uns für den Landgang vorbereiteten.




Kurz vor 13 Uhr gingen wir von Bord und da wir irgendwie keine Lust auf Kultur hatten ließen wir den Shuttlebus links liegen und spazierten stattdessen gemütlich Richtung Strand. Auf unserem Weg lag das Getxo Aquarium, über das ich bei meiner Recherche im Vorfeld der Reise bereits gestolpert war. Und genau das wollten wir uns ansehen. Für lediglich 3,25 € pro Person taucht man in eine faszinierende Unterwasserwelt ein. Ist zwar jetzt nicht gerade besonders anspruchsvoll, aber sehr interessant. Fast eine Stunde lang beobachteten wir die vielen Meeresbewohner in den unterschiedlichsten Größen und Farben (inkl. Seesternjagd und riesigem Hummer). Verdammt viel Fisch für eine Hand voll Groschen – hier hatten wir unser Geld definitiv gut investiert. 
 

Anschließend ging es an einem Yachthafen vorbei weiter zum Strand, wo es für mich kein Halten mehr gab – Schuhe runter und ab Richtung Wasser! Herrlich erfrischend! Dazu die Sonne, die vom fast wolkenlosen Himmel strahlte! Was will man mehr? Scheiß auf Kultur, das war genau das, was ich in diesem Moment brauchte!


Später schlenderten wir noch ein bisschen die Strandpromenade entlang und bewunderten die schicken Villen am Hang. Leider schien es hier nur Restaurants und eher hochpreisige Bars zu geben und daher verzichteten wir auf einen kulinarischen Stopp und spazierten lieber wieder gemütlich über die Hafenmauer zurück zum anscheinend relativ neuen und modernen Hafenterminal.
Als wir gegen 16 Uhr wieder zurück an Bord waren machten wir es uns erst einmal an der Poolbar bei einem Cappuccino bequem. Am Pool ist täglich von 15 bis 17 Uhr die legendäre Waffelzeit und auch wenn ich ja eigentlich kein großer Fan bin so wollte ich doch ausnahmsweise einmal so ein Teil probieren. Man will ja schließlich auch mitreden können, wenn schon alle immer so davon schwärmen. Es gab Waffeln mit Mangos, Passionsfruchteis und Sahne und bereits nach dem ersten Bissen war mir klar: Ich liebe diese Waffeln!
Während sich Gerald dann ein paar Zeitungen schnappte (Die Bunte eingewickelt in einen Standard oder so...) und draußen auf einer Liege erst einmal etwas relaxen musste, drehte ich über eine Stunde lang meine Runden über die Außendecks, machte zahlreiche Fotos und genoss die Sonne und den herrlichen Ausblick. 




Pünktlich zur Öffnung waren wir im Yacht Club und fanden schnell einen schönen Platz direkt am Fenster. Ich wollte aber mit dem Essen erst noch warten und ging vor zum Bug, um dort das Ablegen zu verfolgen. Um 19 Uhr verließ die Europa 2 dann auch den Hafen von Bilbao und fuhr in den Sonnenuntergang. 
 

Die Auswahl im Yacht Club war wie immer gigantisch und ich war mal wieder komplett überfordert. Am Ende landete dann „Kake Udon“ (Udon-Nudeleintopf mit Lauch, Sojasprossen und Tempura-Gemüse) sowie Langustenmedallions vom Grill, Chili-Garnelen, klassischer Shrimpscocktail und Miesmuscheln in meinem Magen. Abgerundet wurde die Völlerei noch mit vier Schälchen vom kalten Buffet als Nachspeise und zwar „Scharfer Thailändischer Rindfleischsalat“, „Törtchen von der Garnele mit Bulgursalat“, „Marmor von Tomatenmousse mit Parmesancreme und Basilikumpesto“ und „Pikanter Paprikasalat mit Käsestreifen“. Nur gut, dass die Portionen jeweils nicht all zu groß waren, sonst wäre ich wohl am Ende geplatzt.
 




Nach dem Abendessen mussten wir uns erst einmal die Beine vertreten und drehten eine Runde durchs Schiff, wobei wir im Collins einen kleinen Zwischenstopp einlegten. Da an diesem Abend die „Poolparty unter den Sternen“ stattfand zog es uns aber bald wieder auf Deck 9, wo wir es uns auf unserem „Stammplatz“ bequem machten. Natürlich dauerte es auch nicht lange bis wir mit Getränken versorgt wurden und Tobias und seine Klone... ähm Kolleginnen und Kollegen hatten ein wachsames Auge darauf, dass uns der Stoff die ganze Nacht lang auch nicht ausging. Gegen 22 Uhr legte die Bordband „Ocean's Club“ los und sorgte für gute Laune und Partystimmung. Wieder einmal musste ich feststellen, dass man auf der Europa 2 wirklich weiß wie man so richtig feiert. Bis nach Mitternacht ging so richtig die Post ab und die Crew sorgte dafür, dass keiner verdursten oder verhungern musste. Mein Gatte konnte natürlich den gereichten Häppchen nicht widerstehen, in meinem Magen passte allerdings nur noch Flüssiges, wobei ich mich gar nicht entschieden konnte, ob mir nun der normale oder der Rosé Champagner besser schmeckte. 
 



Gerald zog sich am Ende der Party auf unsere Suite zurück, während ich noch ein bisschen mit den Don & Giovannis plauderte und mich dann noch an die Poolbar setzte. Dort gesellten sich der „Commissioner“ und seine Frau zu mir und obwohl mir der Kerl immer etwas suspekt gewesen war entstand doch nach kürzester Zeit eine sehr interessante Unterhaltung (er kennt sogar Regensburg und den Kneitinger und hat beruflich öfter mal mit einer bekannten Firma in der Nähe zu tun). Natürlich musste ich dann auch noch zur „Poolparty Aftershow Night“ in die Sansibar, wo ich noch viel Spaß mit dem DJ und der Bordband hatte und beobachten konnte, wie unser Prof. Dr. Raphael auf der Tanzfläche alles gab. Aber auch die beste Party hat einmal ein Ende und ich fiel glücklich in meine Koje.
 

Wetter: sonnig bei Temperaturen bis 24°C
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