Champagner! (3)

Champagner! Eine Kreuzfahrt ans Ende der Welt und weiter nach Saint-Tropez




"Die Highlights Westeuropas" mit der MS Europa 2 vom 02. bis 15.10.2017

Hamburg – Greenwich / Tilbury – Saint Peter Port – Saint-Malo – Bilbao – Vilagarcía de Arousa – Leixões – Lissabon

11.10.2017 Seetag mit Kurs auf Vilagarcía 
„Viel Sonne und ein bisschen Nebel“
 
An diesem Morgen lockte mich ein wunderschöner Sonnenaufgang gegen 8.30 Uhr aus dem Bett und auf die Veranda. Vor uns lag ein typischer fauler Seetag, an dem wir keinerlei Pläne hatten und einfach das Leben an Bord genießen wollten. Die Wetteraussichten waren auf alle Fälle schon mal vielversprechend. Wir ließen es dann auch mal wieder ganz ruhig angehen und bequemten uns erst am späten Vormittag in die Sansibar, wo wir das englische Frühstück testen wollten. Bacon, Bratwürstl, Rühreier, Bohnen und Tomate muss man in dieser Kombination mögen, schlecht hat es auf alle Fälle nicht geschmeckt, aber täglich muss ich es nicht haben. 

 

Obwohl wir eigentlich noch satt waren wollten wir uns doch gegen 13 Uhr ein kleines Mittagessen gönnen und steuerten das Spezialitätenrestaurant „Serenissima“ an, das „erlesene Klassiker der italienisch-mediterranen Küche neu und modern interpretiert“ serviert. Auf unserer ersten Fahrt mit der Europa 2 hatten wir auf einen Besuch hier verzichtet, teils ganz einfach aus Zeitmangel, teilweise aber auch, weil ich mir meine sehr positive Meinung über die Küche auf Costa-Schiffen nicht versauen wollte (besser als dort kann man gar nicht italienisch essen oder so...). Im Restaurant dominieren helle Beige- und Grüntöne und ich fühlte mich sofort richtig wohl. Der Service war natürlich wie gewohnt exzellent und das Essen war ein Traum! Als ob es auf diesem Schiff auch anders möglich wäre! Wir bestellten lediglich ein Gericht und zwar die Spezialität des Hauses: „Tagliatelle con Gamberoni all’Aglio e Olio“ und waren am Ende glücklich mit unserer Wahl. 



Mit vollem Bauch und rundum zufrieden gingen wir zurück in unsere Kabine, machten es uns auf der Veranda bequem und genossen in den folgenden Stunden einfach nur die Sonne. Ein gutes Buch, Musik in den Ohren und der Blick auf die Heckwelle... ich war glücklich! I have all I need, I want nothing more, far beyond from them, here with you... 


Als wir uns für den Abend fertig machen wollten, stellte Gerald fest, dass der Fernseher nicht mehr richtig funktionierte, nach einem kurzen Anruf bei der Rezeption und einem anschließendem Reboot war aber alles wieder in Ordnung! So muss das laufen! Bevor wir uns auf den Weg auf Deck 9 machten zog dann auf einmal dichter Nebel auf, der aber nach ca. 20 Minuten wieder verschwunden war. Allerdings hatte er mich daran erinnert, dass da noch ein unerledigter Punkt auf meiner To-do-Liste war...
Unsere Restaurantwahl für das Abendessen war mal wieder auf den Yacht Club gefallen, wo ich mir u.a. eine Kartoffel-Steinpilz-Roulade, Geschichtetes von der Gemüsemousse mit Limettencreme aus der Ayurveda-Küche, ein paar Meeresfrüchte und einen großen Salat mit viel zu vielen scharfen Chili-Ringchen (Feuer!!!!!) gönnte. Zum krönenden Abschluss gab es noch zwei Kugeln Eis (Karamell und mein heißgeliebtes Mohn-Joghurt-Eis) mit Kokosflocken und einem Schuss Baileys – jedenfalls sollte da eigentlich nur ein „Schuss“ rein. Ich wollte die Karaffe nicht ausleeren. Es war ein Versehen! Wirklich!!!
 

Als ich mich nach dem Essen mal wieder über die riesige Auswahl an Köstlichkeiten an Bord beschweren musste und androhte, die Quittungen für meine neuen, größeren Klamotten an Hapag-Lloyd zu schicken, erfuhren wir aus glaubwürdiger Quelle vom Ziel der Crew, dass jeder Passagier die Europa 2 mit mindestens drei Kilo mehr auf den Rippen und einem leichten Alkoholproblem verlassen sollte. Nun war mir alles klar! Da steckte also tatsächlich ein System dahinter! Um noch ein bisschen an der zweitgenannten Sache zu arbeiten gingen wir (zu Fuß!!) auf Deck 4 ins Collins, wo wir wie immer sehr viel Spaß mit anderen Passagieren und Crewmitgliedern hatten. Außerdem wollte ich meinen Horizont wieder etwas erweitern und orderte einen „Royal Navy Fog Cutter“, einen der „Signature Drinks“ der Europa 2, von dem ich im Internet mit großem Interesse gelesen hatte. Enthalten sind u.a. Rum, Gin und Cognac. Also ich muss echt sagen: eine sehr gelungene Mischung mit ordentlichem Druck. Da zieht nach dem dritten Glas mit Sicherheit der Nebel auf. Muss ich mir definitiv merken! Auch mein Gatte hatte seinen experimentierfreudigen Tag und testete einen „Rusty Nail“ (Scotch und Drambuie), einen typischen Drink, der den Abend beschleunigt.
Diesen faulen, aber wunderschönen Tag beendete ich mit einem Pils auf unserer Veranda. Leider machte ich dabei den Fehler und starrte nicht nur auf die Heckwelle, sondern ließ meinen Blick auch nach oben Richtung Sansibar schweifen. Dabei bemerkte ich einen Kerl von der spanischen Tanztruppe auf dem Balkon über mir, der mir freundlich zuwinkte – bekleidet war er lediglich mit einem kurzen T-Shirt und Boxershorts! Beine so dünn wie meine Oberarme! Auf diesen Anblick hätte ich gerne verzichtet. Damit sich das Bild nicht in meinem Kopf festsetzen konnte trank ich auch noch das zweite Pils aus der Minibar – half nur leider nichts! Damit muss ich nun leben. Hahahahaha!

Wetter: sonnig bei Temperaturen bis 20°C
(2)

12.10.2017 Vilagarcía / Spanien
“Muscheln am Nationalfeiertag”


Gegen 7 Uhr erreichte die Europa 2 den Hafen von Vilagarcía und als ich mich nach 8 Uhr endlich aus dem Bett bequemte erwartete mich ein wunderschöner Sonnenaufgang auf der Veranda. Das war schon mal ein guter Anfang und ich war gespannt, was der Tag noch so bringen würde. 


Natürlich hatte ich mich vor der Reise auch über Vilagarcía im Internet informiert und festgestellt, dass es in dem Küstenort in der Autonomen Region Galicien mit seinen ca. 40.000 Einwohnern keine wirklich nennenswerten Sehenswürdigkeiten zu geben schien. Für unsere Kreuzfahrt war er primär Ausgangspunkt für Ausflüge nach Santiago de Compostella, dem bekannten Wallfahrtsort am Ende des Jakobswegs. Dorthin wollten wir aber nicht unbedingt und daher stand ein kleiner Spaziergang ohne Plan und Ziel durch Vilagarcía auf unserem Tagesprogramm und vielleicht würden wir ja eine nette Bar zum Testen regionaler Spezialitäten finden. Zuerst allerdings stärkten wir uns bei einem kleinen Frühstück im Yacht Club (gebratene Nudeln) und genossen ein bisschen die Sonne auf unserem Balkon, bevor wir von Bord gingen. Die Hafenbehörde hatte einen kostenfreien Transfer mit einer kleinen Bahn ins ca. 1,5 km entfernte Stadtzentrum organisiert, die gerade vorfuhr als wir um kurz vor 12 Uhr das Schiff verließen. Perfektes Timing! 


Ich war ohne große Erwartungen nach Vilagarcía gekommen, doch als wir bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen gemeinsam mit zahlreichen spanischen Familien (inkl. Hunden) durch die Straßen schlenderten fühlte ich mich sofort wohl. Die Spanier feierten ihren Nationalfeiertag, weshalb auch die meisten Geschäfte geschlossen waren. In der Nähe der Kirche „Iglesia Parroquial Santa Eulalia“ bei der Plaza de España legten wir eine erste kleine Pause ein und gingen dann weiter zum Parque da Xunqueira. Hier gefiel es uns sehr gut – keine Sehenswürdigkeiten?... pfffff! So ein Blödsinn! Hier gab es Fotomotive ohne Ende! Langsam aber sicher schloss ich die kleine Küstenstadt ohne touristischen Kommerz, dafür aber mit viel ursprünglichem Charme in mein Herz. 



Da wir mittlerweile ein wenig durstig waren machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Lokalität und wurden nach einiger Zeit auch fündig. Der kleine Freisitz des Restaurants „Barrantes & The vice Burger“ erschien uns perfekt und so ließen wir uns dort nieder. Die sprachlichen Probleme meisterte ich souverän und orderten zwei große Biere. Dazu wurde Brot, Käse und eine wirklich leckere Wurst gereicht. Für zusammen 4,60 € kann man da nicht meckern! Was zu lachen gab es natürlich auch mal wieder – man musste wirklich kein Spanisch können, um die “Freundlichkeiten” zu verstehen, die ein älterer Mann einem Polizisten nachrief. 



Später spazierten wir noch ein kleines Stückchen weiter und da mein Gatte den Wunsch nach einem Glas Wein äußerte, suchten wir erneut nach einem Plätzchen zum Niederlassen und entdeckten die Café Bar „Avenida“ direkt an der Hafenpromenade. Wie sich herausstellte eine hervorragende Wahl! Auch hier wurde natürlich kein Englisch gesprochen, aber dank meiner rudimentären Spanischkenntnisse und mit Hilfe von Händen und Füßen erhielten wir am Ende zwei Gläser Rotwein, der wirklich vorzüglich schmeckte (und das obwohl ich ja eigentlich keinen Rotwein mag). Beim “Beifutter” fielen uns beinahe die Augen aus dem Kopf – es gab irgendwelche Teilchen mit Thunfisch (superlecker) und die definitiv besten Muscheln, die ich jemals in meinem Leben gegessen hatte. Wahnsinn!! Die Region ist ja für ihre Meeresfrüchte-Küche und Muschelfarmen entlang der Küste bekannt, aber diese Gaumenfreude hätte ich nicht erwartet. 


Hier konnte es man wirklich aushalten, v.a. weil die Sonne nur gerade so vom blauen Himmel strahlte. Familie Lehner war jedenfalls glücklich! Als es ans Zahlen ging traf mich dann beinahe der Schlag und zwar im positiven Sinn! Unsere nette Bedienung wollte tatsächlich lediglich „cuatro euros“ von mir. Ich konnte es kaum glauben, drückte ihr einen Fünfer in die Hand und am Ende waren wir alle zufrieden.
Bevor wir mit der Bimmelbahn wieder zurück zu unserem Liegeplatz im Hafen fuhren musste Gerald noch ein Sandwich aus einem „pica & pica 24h“-Automaten ziehen, das gar nicht mal so übel schmeckte. Kein Vergleich zu den Muscheln natürlich! Gegen 16 Uhr waren wir wieder bei unserem Schiff und ich nutze das tolle Wetter, um zahlreiche Fotos der Europa 2 zu machen, bevor wir wieder an Bord gingen. 


Wir steuerten gleich die Poolbar an, um dort erst mal einen Cappuccino zu trinken. Ich konnte natürlich den Waffeln mit Eierlikör und Schokoraspeln nicht widerstehen. Ach verdammt! Ich mag doch eigentlich gar keine Waffeln! Gerald stand eher der Sinn nach etwas deftigem und daher organisierte er sich an der Grillstation auf der Terrasse des Yacht Clubs eine (Rinderfilet-) Steaksemmel. Nobel geht die Welt zu Grunde! Wir suchten uns dann ein Plätzchen im Außenbereich der Sansibar, wo ich bei einem Glas Aperol Spritz (klassisch mit Weißwein) die Sonne genoss, während mein Gatte seinen „Snack“ verputze.


Im Anschluss zogen wir uns auf unsere Suite zurück, um das Ablegen vom Balkon aus anzusehen und uns für den Abend herzurichten. Von der Brücke erfuhren wir, dass uns auf unserem Weg Richtung Porto eine etwas stärkere Dünung erwartete und die Europa 2 in der Nacht “gemütlich rollen” würde (O-Ton). Pünktlich um 18 Uhr hieß es dann “Leinen los” und begleitet von einem Polizeiboot (mit Beamten, denen ihr Job sichtlich Spaß machte) verließen wir den Hafen von Vilagarcía wieder. Notiz am Rande: Der Pirat schaffte es natürlich nicht, unser Schiff zu entern. Wahrscheinlich war es aber eh nur ein neugieriger Fischer. Und Gerald war nicht der einzige Mann, der in Boxershorts am Balkon stand!!! 


Um 19 Uhr gingen wir ins Weltmeere und bekamen einen Tisch direkt am Heck. Perfekt! Das Essen war natürlich auch wie immer vorzüglich – für mich gab es nach dem Gruß aus der Küche (Ratatouillesüppchen mit Garnelenspieß) Meeresfrüchtemaultasche im Krustentiersud mit Pak Choi und als Hauptgang den rustikalen Klassiker „Rosa gebratenes Roastbeef mit Remouladensauce und Bratkartoffeln. Und natürlich durfte auch eine kleine Erfrischung zwischendurch nicht fehlen und zwar Waldbeerensorbet, selbstverständlich mit Champagner und Wodka. Ich liebe Saint-Tropez! Als Nachspeise gönnte ich mir dann auch noch zwei Pralinen und dann war der Magen komplett voll und ich glücklich. Abgerundet wurde unser Dinner noch durch den tollen Ausblick auf die Heckwelle und die zahlreichen Muschelfarmen, an denen wir vorbei fuhren, und das perfekt eingespielte Kellner-Team, das sichtlich Freude an der Arbeit hatte. 



Nach dem Essen gingen wir ins Collins, wo ich mal wieder einen neuen Drink testen wollte. Meine Wahl fiel auf einen „Sir Earl Grey“ mit Gordon's Gin, Earl Grey Tee, Zitronensaft, Zuckersirup und Mineralwasser. Feine Sache, der kommt definitiv auf die Liste meiner Lieblingsgetränke. Leider machte sich eine leichte Erkältung immer deutlicher bemerkbar, von der ich mir meine galaktisch gute Laune aber nicht verderben ließ. Kurz vor 22 Uhr wechselten wir die Örtlichkeit, denn im Club 2 würden die Don & Giovannis auftreten und das wollte ich an diesem Abend auf keinen Fall verpassen. Unter dem Motto „Viva Italia – Canzoni Italiane von Caruso bis Celentano“ wurden wir dann auf eine Reise ins Italien vergangener Jahrzehnte mitgenommen und wir waren begeistert. Die Jungs hatten es echt drauf! 



Am Ende dieses wunderschönen Tages gönnten wir uns zum Abschluss noch einen Royal Navy Fog Cutter im Collins und einen letzten Gin Tonic in der Sansibar bevor wir müde und überglücklich ins Bett fielen.

Wetter: sonnig bei Temperaturen bis 25°C
(2)

13.10.2017 Leixões (Porto) / Portugal
„Es muss nicht immer Kaviar sein“


Ausnahmsweise war ich an diesem Morgen schon vor 8 Uhr wach und auf der Veranda. Kurz zuvor hatten wir im Porto de Leixões, dem größten künstlich gebauten Hafen Portugals ca. 4 km nördlich der Flussmündung des Douro, angelegt. Der schöne Sonnenaufgang steigerte die Vorfreude auf einen weiteren interessanten Tag und die konnte mir auch meine etwas schlimmer gewordene Erkältung nicht vermiesen.
Beim Frühstück im Yacht Club beobachteten wir das rege Treiben im Hafen und planten unseren weiteren Tagesablauf. Ich hatte im Internet ein Einkaufszentrum an einem Strand in der Nähe des Hafenterminals entdeckt, das wir aufsuchten konnten, aber letztendlich entschlossen wir uns dann doch dazu, den kostenlosen Shuttleservice nach Porto zu nutzen. Leider zog im Laufe des Vormittags starker Nebel auf, der uns aber nicht von unserem Ausflug abhalten konnte. Wir nahmen den Bus um 11.30 Uhr (gemeinsam mit Kapitän Ulf Wolter) und erreichten ca. eine halbe Stunde später das Stadtzentrum von Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals mit ca. 238.000 Einwohnern. Die Altstadt, die durch zahlreiche Barockkirchen geprägt ist, wird weniger wegen besonderer Einzelbauwerke, sondern vielmehr durch das Gesamtgefüge seiner erhaltenen Innenstadt geschätzt. Mir persönlich war Porto v.a. durch den berühmten Portwein bekannt, der von hier aus in die ganze Welt exportiert wird.
Im Gegensatz zum dichten Nebel in Leixões (wir hatten auf der Busfahrt gerade noch den Strand, aber nicht das Meer sehen können) schien in Porto selbst die Sonne vom blauen Himmel und die Temperaturen waren sehr angenehm. Da wir kein besonderes Ziel hatten spazierten wir von der Praça de Lisboa aus mal wieder einfach nur planlos durch die Straßen, bewunderten die schönen Gebäude und Parkanlagen und erstanden ein paar Souvenirs. Besondere Aufmerksamkeit schenkten wir der „Livraria Lello“. Die Buchhandlung in einem Jugendstil-Gebäude mit neogotischer Fassade zählt zu den schönsten der Welt und ist bei Touristen so beliebt, das sich vor dem Eingang eine schier endlose Menschenschlange gebildet hatte. Wir bewunderten das wunderschöne Gebäude eine Zeit lang und zogen dann weiter.


Durch einen Park (mit Straßenbahnschienen) und über einen kleinen Markt führte uns unser Weg dann wieder zurück Richtung Praça de Lisboa und an einem Tisch vor der Cafébar „Cala o Bico“ machten wir es uns bequem. Bei ein paar kleinen Pilschen (1,50 €) und freiem WLAN ließ es sich in der Sonne gut aushalten. 


Auch wenn wir bei unserem Spaziergang nur ein paar oberflächliche Eindrücke der Stadt gewinnen konnten stellten wir fest, dass Porto eine sehr schöne Stadt ist, die wir auch gerne mal wieder besuchen würden.
Als wir mit dem Shuttlebus zurück zu unserem Schiff fuhren fiel mir das enorme Verkehrsaufkommen auf (wir waren halt in einer Großstadt) und plötzlich war auch der Nebel wieder da und wurde immer dichter je näher wir dem Hafen kamen. Am liebsten hätte ich den Busfahrer zum Umdrehen genötigt! Als wir wieder an Bord gingen wurden wir vom Security-Chef und meinem niederbayerischen Schnuckelchen winkend von der Brücke (Außenbereich) begrüßt – das passiert dir auch nur bei kleinen Schiffen!
Unser Weg führte uns gleich auf Deck 9, da sowohl Gerald als auch ich Lust auf einen kleinen Snack verspürten. Während ich mir beim Pool eine Waffel mit frischen Erdbeeren holte, die ich dann im Yacht Club noch schnell mit einem Schuss Baileys „verfeinerte“ verschwand mein Gatte Richtung Grillstation. Wir hatten uns ein Deck tiefer im Außenbereich der Sansibar verabredet und dort traf mich dann beinahe der Schlag! Bei Geralds kleiner „Zwischenmahlzeit“ handelte es sich um ein gigantisches T-Bone-Steak! Würden wir uns eigentlich jemals wieder an „normales“ Essen gewöhnen können?
Der Nebel war mittlerweile so dicht geworden, dass man vom Schiff aus kaum mehr was von der Umgebung sehen konnte und da es zudem recht frisch war und mir das ständige Gepfeife und Tuten draußen auf die Nerven ging (Leuchtturm??) zogen wir uns bald in unsere Kabine zurück und bereiteten uns auf die nächste Fütterung vor. Dass der Nebel in dieser Gegend in dieser Jahreszeit normal war erfuhren wir dann bei einer Durchsage von der Brücke. Also alles gut! 


Nach einem kurzen Abstecher an die Pianobar fanden wir uns kurz vor 19 Uhr im Yacht Club ein und ergatterten auch gleich einen schönen Tisch am Fenster. Die Europa 2 verließ derweil den Hafen von Leixões und nahm Kurs auf Lissabon. Der heutige Abend stand unter dem Motto „Es muss nicht immer Kaviar sein“ (Johannes Mario Simmel) … aber ab und zu gehört er zu einem luxuriösen Lebensgefühl einfach dazu. Natürlich wurde die exklusive Spezialität nicht nur in den Restaurants, sondern auch am Buffet serviert und als Dekoration gab es hier eine schöne Eisskulptur. Da hatte ich zwar bei Costa schon beeindruckendere Kunstwerke gesehen, aber hier standen ja die Fischeier und nicht die Schnitzkünste der Mitarbeiter im Vordergrund. 




Auch wenn ich ja eigentlich nicht soooo der Fan bin, so muss ich doch gestehen, dass mir der Kaviar vom Stör (wahlweise mit diversen klassischen Beilagen) hervorragend schmeckte. Als Hauptgang gab es dann für mich noch ein Rib-Eye-Steak von der Grillstation mit Salat und als „Nachspeise“ ein paar Chili-Garnelen, Königkrabbenbeine und eine kleine Auswahl Käse. Gerald begnügte sich mit einer Kalbsbratwurst, Salat und ein paar Kleinigkeiten vom Meeresfrüchtebuffet – er war wohl noch von seinem „Nachmittagssnack“ abgefüllt.
Nach dem Essen steuerten wir die Boutique auf Deck 4 an. Wir hatten während der vergangen Tage immer wieder mal den ein oder anderen Blick in den Laden geworfen und nun wollten wir endlich unser Geld loswerden. Ich wurde schnell fündig, aber leider waren die Shirts, die Gerald in der ersten Woche an Bord ins Auge gefasst hatte, nirgends zu finden. Wir erfuhren, dass die Ware im Shop wöchentlich ausgewechselt wird, aber es war natürlich kein Problem, für meinen Gatten etwas aus dem Lager zu holen. Und so waren wir dann am Ende beide glücklich mit unseren Sansibar-Oberteilen.
Nach ein paar letzten Drinks in der Sansibar und zum Abschluss an der Poolbar war auch dieser wunderschöne Tag zu Ende und wir fielen zufrieden in unsere Kojen.

Wetter: Leixões Nebel bei Temperaturen bis zu 16°C, Porto sonnig bei Temperaturen bis 21°C
(2)

14.10.2017 Lissabon / Portugal
„Abschied von Saint-Tropez“

 
Leider näherte sich die Europa 2 an diesem Morgen dem letzten Hafen unserer Reise, aber trotzdem war meine Laune besser als erwartet. Ab ca. 9 Uhr wurde die Einfahrt nach Lissabon über den Tejo von unserem landeskundlichen Experten Knut Edler von Hofmann kommentiert, was man sowohl auf den Außendecks als auch auf den Suiten verfolgen konnte. Ich machte es mir auf unserer Veranda gemütlich und genoss diese wunderschöne Passage. Besonders die Fahrt unter der berühmten Brücke „Ponte 25 de Abril“ hindurch ist jedes Mal wieder ein besonderes Erlebnis und natürlich kamen auch wieder die Erinnerungen an unsere Kreuzfahrt 2007 hoch und wir mussten wie immer herzlich lachen („Hä??? Wo sind wir denn jetzt?? San Francisco??“). 


Die Lust auf ein letztes ausgiebiges Frühstück trieb uns dann in den Yacht Club und ein bisschen wehmütig füllte ich meinen Magen mit Roastbeef, Lachs, Shrimps und einem Egg Benedict (die Sauerei auf Geralds Teller wollen wir hier mal nicht erwähnen...). Anschließend gingen wir noch auf einen Cappuccino in die Sansibar, wo wir den weiteren Tagesablauf besprachen und unsere Fragebögen (Bewertung der Reise) ausfüllten. An dieser Stelle vielen Dank an unseren netten Kellner für den Kugelschreiber. Ich werde ihn in Ehren halten. Auf dem Rückweg in unsere Kabine mussten wir natürlich auch noch die Zeichnungen der kleinen Passagiere bewundern, die vor dem Kids Club ausgestellt waren. Da hatten sich die Nachwuchskünstler wirklich mächtig ins Zeug gelegt! Toll!
Da wir den Nachmittag in der Stadt verbringen wollten mussten wir uns nun an den verhassten, aber dennoch unvermeidbaren Teil einer Kreuzfahrt machen – das Kofferpacken. Zumindest all die Dinge, die wir an diesem Tag nicht mehr brauchen würden, wollten wir schon mal weg packen, damit am Abend nicht zu viel Zeit dafür drauf ging.
Wir hatten bereits im Bord-TV gesehen, dass vor uns die MSC Preziosa im Hafen lag und als wir gegen 13.30 Uhr von Bord gingen wurden uns die Größenunterschiede der beiden Schiffe erst so richtig bewusst. Unsere Europa 2 wirkte angenehm klein und elegant neben dem riesigen Kasten, auf den ca. 3500 Passagiere passen. Da sind mir dann nur 500 Paxe doch lieber – da ist man unter sich! (Danke Hapag-Lloyd! Ihr habt es geschafft!) Im Hafenterminal trafen wir dann auf die Menschenmassen der MSC-Kiste und einem der Urlauber (offensichtlich auch aus Deutschland) klappte der Unterkiefer Richtung Boden als uns kurz vor dem Ausgang unser Shore Excursion Manager Sascha Richter abfing und nach unseren Plänen für den Landgang fragte. Wir sahen wohl nicht ganz so aus, wie man sich die Leute auf einem Luxusschiff vorstellt (Tarnhose!!). Muhahahaha!
Wir kannten Lissabon, die Hauptstadt und auch größte Stadt Portugals, bereits von zwei früheren Aufenthalten und hatten an diesem Nachmittag nur ein Ziel – das „Maruto“, eine nette Bar ca. einen Kilometer vom Liegeplatz unseres Schiffs entfernt. Da es dort im Innenraum sehr warm war machten wir es uns an einem kleinen Tisch draußen auf dem Gehweg bequem und orderten erst mal Weißwein. Bei sommerlichen Temperaturen um die 30°C gab es von unserem Platz in der ersten Reihe aus viel zu sehen und auch zu lachen. Zahlreiche Kreuzfahrtpassagiere (eindeutig von der Preziosa, unsere Pappenheimer kannten wir ja mittlerweile) kamen an uns vorbei und wir amüsierten uns beim fröhlichen Nationalitätenraten. „Deutsche! Das sind eindeutig Deutsche!“ - „DAS müssen Italiener sein!“ - „Die haben doch jetzt Finnisch gesprochen, oder??“ Und nicht zu vergessen ist auch der Straßenhändler, der neben zahlreichen Uhren auch Marihuana im Angebot hatte, das er uns auch gleich ohne Nachfrage zeigte. Ein angenehmes Programm für den letzten Tag einer Kreuzfahrt. Dazu noch ein paar Gläser Weißwein (nur 2 €!!!!), der angenehm kühl und geschmacklich sehr gut war – das gefällt den Lehners! 


Gegen 16 Uhr verabschiedeten wir uns vom netten Chef des Maruto und spazierten gemütlich wieder zurück zum Hafen. An Bord legten wir erst einmal einen kleinen Stopp an der Pianobar im Foyer ein und schlenderten im Anschluss noch über die Außendecks. Das Wetter war einfach traumhaft und der Gedanke daran, dass wir bereits am nächsten Morgen die Europa 2 wieder verlassen mussten, machte mich traurig. 


Wieder zurück in der Kabine packten wir weiter unsere Koffer und bereiteten uns auf das Abendessen vor. Wir hatten zum Abschluss der Reise noch einmal einen Tisch im französischen Spezialitätenrestaurant Tarragon reservieren können und konnten hier bei wie immer exzellentem Service und hervorragendem Essen unsere Kreuzfahrt stilvoll ausklingen lassen. Nach dem Gruß aus der Küche gab es für Gerald Austern mit Sauce Mignonette und Chesterbrot und für mich mein geliebtes „Steak Tatare du Chef“, dem als Zwischengang erneut die fantastischen Jakobsmuscheln mit Orangen-Grapefruit-Salat folgten. Vor dem Hauptgang wurde uns selbstverständlich eine kleine Erfrischung in Form eines Sorbets serviert und während ich genüsslich mein Eis mit Champagner und Wodka verspeiste verabschiedete ich mich leise von Saint-Tropez... diese kleine Gaumenfreude zwischendurch werde ich zu Hause definitiv vermissen. Während sich mein Gatte anschließend an einem „Homard“ erfreute (Hummerschwanz und Schere mit Spargel, Kerbel und Kartoffel) gönnte ich mir wieder ein „Filet de Veau“ (Kalbsfilet mit Senfsaat, Sabayon-Erbsen und Steinpilz-Kartoffelgratin). Ich liebe das Essen im Tarragon! 




Mit vollem Magen und einem zufriedenen Grinsen im Gesicht gingen wir anschließend auf einen letzten Gin Tonic ins Collins. Am liebsten hätte ich mich dort an meinem Barhocker festgekettet, doch am Ende musste ich mich dann doch von Lyudmill verabschieden und zurück in unsere Suite gehen, wo wir die letzten Sachen in den Koffern verstauten und die beginnende Post-Cruise-Depression mit dem von Hapag-Lloyd spendierten Champagner bekämpften. Die musikalische Unterhaltung kam dabei von einer Disko an Land, nicht weit entfernt von unserem Liegeplatz, wo den Rest der Nacht Party ohne Ende angesagt war. Wäre am nächsten Morgen nicht unsere Ausschiffung angestanden wäre ich mit Sicherheit auf den ein oder anderen Drink rüber gegangen. Aber so blieb mir leider nichts anderes übrig als mich ein letztes Mal in mein tolles Bett mit den vielen Kissen zu legen und ein bisschen zu schlafen.

Wetter: sonnig bei Temperaturen bis zu 30°C 
(3)

15.10.2017 Lissabon / Portugal
„Zurück in die Realität“

 
Während in der Disko schräg hinter uns immer noch die Bässe hämmerten kletterte ich bereits um 5.45 Uhr schlecht gelaunt wieder aus meiner Koje. Viel zu früh für mein Empfinden und überhaupt wollte ich dieses tolle Schiff mit seiner netten Crew auf keinen Fall verlassen. Aber da half alles Motzen nichts – nachdem wir unsere letzten Habseligkeiten im Handgepäck verstaut hatten mussten wir uns von unserer Suite 675 verabschieden (Bye bye! See you next year!) und uns um 6.30 Uhr zu unserer Ausschiffungsgruppe ins Foyer begeben. Nach einer kurzen Wartezeit ging ich schließlich mit einer kleinen Träne im Auge von Bord. Auf Wiedersehen, Europa 2! Vielen Dank für die wunderschönen Erlebnisse auf dieser unvergesslichen Kreuzfahrt! 


Im Hafenterminal mussten wir noch unsere Koffer identifizieren und dann wurden wir auch schon mit dem Bus zum Flughafen gebracht (Fahrzeit ca. 20 Minuten). Während der Fahrt wurden die Flugtickets verteilt, wobei es da anfangs ein paar Verwirrungen gab. Konnte ja keiner ahnen, dass der nette Portugiese jeweils immer nur den zweiten (!) Vornamen der Leute auf der Liste vorlas. So landete auch das Ticket von Gerald zunächst bei Prof. Dr. Rafael Arnold. Und das alles um diese Uhrzeit! Hahaha!
Der Check-in am Flughafen Humberto Delgado Lissabon verlief schnell und problemlos und nach kurzer Wartezeit saßen wir auch schon in unserer A 320-200, die fast pünktlich kurz vor 9 Uhr (Ortszeit) Richtung Heimat abhob. 


Und wir waren auch wieder zurück in der Realität. Kein Luxus mehr – statt dessen ein für unser Empfinden viel zu geringer Sitzabstand (selbst ich hatte kaum Platz und mein Gatte tat mir richtig leid). Dazu kam noch eine Backpackerin auf dem Platz neben mir, die stank als hätte sie seit mindestens zwei Wochen dieselben Klamotten an und nicht geduscht. Nur gut, dass der Flug nicht all zu lange dauerte und ich meinen Magen im Griff hatte (würg).
Um 12.50 Uhr (Ortszeit) landeten wir endlich in München, wo wir als letzte zur Gepäckausgabe kamen und dafür als erste unsere Koffer hatten. Unser Shuttlebus der Firma airportLiner Regensburg wartete auch bereits auf uns und brachte uns schnell und sicher zurück nach Hause. Nachdem wir unser Gepäck in die Wohnung gebracht und uns kurz frisch gemacht hatten ließen wir diesen wunderschönen Urlaub im Wirtshaus Arberhütte ausklingen.

Fazit
 
Diese Kreuzfahrt zu den Highlights Westeuropas war tatsächlich von vielen Höhepunkten geprägt, auch wenn leider nicht alles so ganz nach Plan verlief. Dafür wurden wir aber durch viele ungeplante Überraschungen entschädigt, so dass wir am Ende unsere Entscheidung für diese Fahrt definitiv nicht bereut haben.
Die Europa 2 (frisch aus der Werft) mit ihrer aufmerksamen Crew und dem exzellenten Service bleibt mein absolutes Traumschiff. Bis auf ein paar Kleinigkeiten gab es nichts zu beanstanden und wir mussten auch weder verhungern noch verdursten – eher im Gegenteil! Wir fühlten uns auf alle Fälle von der ersten bis zur letzten Sekunde sehr wohl an Bord. Die Route war interessant gewählt und auch wenn das Highlight London für uns leider ausfallen musste, konnten wir andere tolle Orte erkunden, die uns für immer im Gedächtnis bleiben werden (z.B. Vilagarcía).

Auch wenn diese Kreuzfahrt mit der Europa 2 alles andere als ein Schnäppchen war, so muss ich letztendlich sagen, dass sie jeden einzelnen Cent wert war!
 
Am Ende meines Berichts möchte ich mich bei Kapitän Ulf Wolter und der restlichen Crew der MS Europa 2 für diese unvergessliche Kreuzfahrt bedanken. Besonders erwähnen möchte ich hier meinen ganz speziellen Freund Tobias – Champagner rulez!!!
 
Mein Dank gilt natürlich auch besonders meiner Mutter fürs Wohnungshüten und der „Lanzinger Tanke“ fürs „Aufpassen“ auf meinen Kurti.
 
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Und ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich mich wieder melden... wenn es in Schottland keinen Whiskey mehr gibt... 

Und nicht vergessen: „A dream is all we need!“
 



© Sabine Lehner 2018