All on Board! Mit der MS Dudelsack ans Ende des Regenbogens
"British Originals" mit der MS Europa 2 vom 10. bis 19.09.2018
Dublin – Douglas (Isle of Man) – Belfast – Portree (Skye) – Ullapool – Kirkwall – Newhaven (Edinburgh) – Hamburg
13.09.2018 Belfast / Nordirland / Großbritannien
„Der Presslufthummer findet in der Apotheke keine Jungfrau“
Die Europa 2 hatte die Nacht im Hafen von Belfast verbracht und eine halbe Stunde vor dem Ablegen um 9 Uhr stand ich bereits mit meiner Kamera auf unserem Balkon, um mich mit Blick auf das Titanic-Museum von dieser tollen Stadt zu verabschieden. Bei seiner täglichen Durchsage erfuhr ich vom Kapitän, dass uns später etwas unruhigere See erwarten würde (beim Verlassen der Irischen See). Das war mir natürlich egal, denn wie sage ich immer so schön: Alles ist gut, solange der Drink im Glas bleibt. Und wenn er raus schwappt gibt es immer noch Schnabeltassen!
Da Gerald etwas länger schlafen wollte, machte ich nach dem Ablegen alleine einen kleinen Spaziergang durch das Schiff, der bei Toni an der Poolbar endete. Dort bekam ich auch die Vorbereitungen für das Generalmanöver der Besatzung mit. Durch internationale Vorschriften ist die Crew verpflichtet, diese Sicherheitsübungen regelmäßig durchzuführen, und von Toni erfuhr ich ein paar interessante Dinge darüber. Ich war auf diesem Schiff definitiv in guten Händen!
Um 10.30 Uhr traf ich mich mit Gerald zu einem späten Frühstück in der Sansibar, wo wir es uns auf unserem Lieblingsplatz gemütlich machten. Bei Weißwurst und Weißbier verfolgten wir interessiert das Generalmanöver und blödelten mit Barchef Sebastian rum.
Dieser Tag sollte ganz unter dem Motto „Keine Termine und immer leicht einen sitzen“ stehen und daher entschlossen wir uns, erst einmal einfach in der Sansibar zu bleiben und wenig bis nichts zu machen. Während sich Gerald den Tageszeitungen widmete, schrieb ich unsere Postkarten, machte mir Notizen für diesen Bericht oder starrte einfach auf die Heckwelle, was einfach herrlich entspannend war. Zu unserer großen Freude gesellte sich Hotel Manager Josef Gruber eine ganze Weile zu uns. Wir hatten mit ihm bis jetzt noch nicht das Vergnügen gehabt und waren sehr angetan von seiner freundlichen Art. Der gebürtige Steiermarker erzählte uns viel über seine Arbeit und Schottland (inklusive Musiktipps: u.a. Runrig). Die interessanteste Information aber war, dass er in Kirkwall 150 kg fangfrischen Hummer geordert hatte. Da bekam Gerald riesengroße Augen und fing an zu sabbern. Und Herrn Grubers Erklärungen zum Thema Presslufthummer werden wir definitiv niemals vergessen! Ich wäre alleine schon bei dem Wort beinahe vom Barhocker gefallen.
Leider war das Wetter im Laufe des Vormittags immer schlechter geworden und nach 13 Uhr begann es zu regnen, was meiner guten Laune aber keinen Abbruch tat. Da wir ja erst spät gefrühstückt hatten, entschlossen wir uns auf das Mittagessen zu verzichten und uns statt dessen lieber am frühen Nachmittag eine Kleinigkeit in der Sansibar zu gönnen. Geralds Wahl fiel auf ein Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und ich entschied mich für die von Lyudmil wärmstens empfohlene Trüffel-Pizza „Sansibar Style“. Ein Traum! Wahnsinn! Beim Anblick der Menge an Trüffel auf der Pizza und wenn man bedachte, wie viel von der treueren Knolle ich in den vergangenen Tagen bereits verspeist hatte, drängte sich mir der Verdacht auf, dass es bei der Trüffelbestellung für diese Kreuzfahrt zu einem kleinen Fehler bei der Menge gekommen war – so ein zusätzlicher Nuller oder etwas in dieser Art. Anders ließ sich der verschwenderische Umgang nicht erklären. (Oder sie wollten mich einfach mal wieder mit etwas Neuem anfixen.)
Gegen 15 Uhr beschlossen wir, uns ein bisschen die Beine zu vertreten und gingen daher ein Deck höher, um bei Toni an der Poolbar einen Espresso zu trinken und die lustigen Wasserspiele zu beobachten. Aufgrund der etwas unruhiger gewordenen See schaukelte sich das Wasser in Pool ziemlich auf und musste dann sogar abgelassen werden. Eine halbe Stunde später zogen wir weiter auf Deck 4 hinunter, wo ich meine Postkarten an der Rezeption abgab. Da wir nun schon mal hier waren, bot es sich natürlich an, einen Drink an der Pianobar zu ordern. Gerald entschied sich für eine Apotheke (einfach nur noch gruselig) und ich hatte Lust auf was Gesundes – nämlich eine Bloody Mary. Kurz nach uns erschien auch Toni und wir fühlten uns ein bisschen verfolgt. Während der Seegang immer mehr zu nahm hatten wir viel Spaß. Einer der Barkeeper kannte uns sogar noch von unserer letzten Kreuzfahrt mit der Europa 2 und auch Lyudmil sorgte für Erheiterung als er vorbei ging. („Ah, eine Bloody Mary“ - „Woher willst du das wissen?“ - „Eine Virgin Mary kannst du doch gar nicht machen.“)
Kurz nach 19 Uhr war es Zeit für das Abendessen und unsere Wahl war erneut auf das Weltmeere gefallen. Dummerweise waren meine Stiefel nicht wirklich für ein schwankendes Schiff geeignet und es war gar nicht so einfach, unfallfrei zu unserem Tisch zu wackeln. Kaum dort angekommen fiel ich ich dann auch beinahe vom Stuhl – vor Lachen! Wir wurden nämlich grinsend gefragt, ob wir gerne ein Weißbier als Aperitif hätten. Unser kleiner Frühschoppen hatte sich wohl rum gesprochen. Wir verneinten die Frage allerdings und orderten lieber unser Abendmahl. Ich hatte mich für Jakobsmuscheln als Vorspeise, gefolgt von Spargel mit gebackenem Risotto und Parmesan sowie rosa gebratene Piemonteser Hochrippe mit Sauce Westmoreland, jungem Gemüse und Brückenpfeiler-Kartoffeln als Hauptgang entschieden. Ein Sorbet „Saint-Tropez“ als Erfrischung zwischendurch durfte natürlich auch nicht fehlen. Wie nicht anders erwartet mundete alles vorzüglich. Die Kellner allerdings hatten so einige Probleme beim Servieren, da der Seegang immer mehr zugenommen hatte. Mein Respekt war ihnen sicher, ich war schon froh, halbwegs gerade und ohne Schäden anzurichten nach dem Essen aus dem Restaurant wieder herauszukommen.
Nachdem ich „schnell“ in der Kabine die Schuhe gewechselt hatte (Ich liebe meine Turnschuhe!), machten wir es uns im Collins an der Bar gemütlich, wo wir uns mit einem Paar aus München amüsierten. Wir erfuhren auch, dass das Konzert „Über das Meer“ von Anna Depenbusch vom Theater ins Belvedere verlegt werden musste, da dort das Piano am Boden festgeschraubt war. Eigentlich wollte ich ursprünglich dort hin gehen, aber ich genoss letztendlich doch lieber die Gespräche und den Spaß mit Lyudmil an der Bar. Ich sag nur „finnischer Whisky“. Den muss man probiert haben! Da wir am nächsten Morgen wegen unseres Ausflugs früh raus mussten, beendeten wir den Abend zeitig und ließen uns glücklich in den Schlaf schaukeln.
Wetter: regnerisch bei Temperaturen bis ca. 15°C
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14.09.2018 Portree / Isle of Skye / Großbritannien
„Flora und die Seeadler“
Um 7.30 Uhr war ich auf den Beinen und voller Vorfreude. Die Europa 2 würde an diesem Tag von 8 bis 24 Uhr vor Portree auf Reede liegen. Die Isle of Skye, die sogenannte „Insel des Nebels“, war seit meiner Jugend eines meiner großen Traumziele gewesen und nun hatte ich es also tatsächlich geschafft. Die Insel mit einer Größe von ca. 1656 km² ist die größte der Inneren Hebriden und liegt unmittelbar vor der Westküste des schottischen Festlands im Atlantik.
Nach einem schnellen Frühstück im Yacht Club fuhren wir mit dem Tender um 9 Uhr an Land nach Portree, dem Hauptort der Insel. Hier leben ca. 2400 der insgesamt 10000 Bewohner der Isle of Skye. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin hatten wir hier den Ausflug „Nördliche Landschafts-Panorama-Fahrt“ gebucht und nach kurzer Wartezeit konnten wir dann auch schon in unseren Bus steigen, wo wir mit umfangreichem Informationsmaterial und Highland Spring Mineralwasser versorgt wurden. Unser örtlicher Reiseleiter Chris war mir auf Anhieb sympathisch und er sprach auch sehr gut zu verstehendes Englisch (in Schottland geboren, aber bei London aufgewachsen). Bei Bedarf hätte auch eine Dame vom Schiff die Ausführungen von Chris übersetzt, aber bei uns bestand kein Bedarf. Unsere Rundfahrt führte uns zunächst entlang der Ostküste der Halbinsel Trotternish Richtung Norden. Wir erhielten viele interessante Informationen u.a. zur Geschichte und Geographie der Insel und ich war fasziniert von den den kleinen Häusern, vielen Schafen und der kargen Landschaft. Genau so hatte ich mir Skye immer vorgestellte. Nicht einmal das Wetter wollte mir diesen Tag verderben und nach dem Nieselregen in der Früh vertrieb nun die Sonne die dunklen Wolken und strahlte am Ende mit mir um die Wette. Vorbei an der bekannten Felsformation „Old Man of Storr“ fuhren wir zum „Kilt Rock“, wo wir einen längeren Halt einlegten (zuvor hatten wir bereits einen kurzen Stopp) und ich massig Zeit hatte, zahlreiche Fotos von dem berühmten Felsen und dem Wasserfall „Mealt Fall“ zu machen. Dummerweise wurde ich dort von einem einheimischen Vieh, das aussah wie eine Wespe, in die Hand gestochen. Das tat zwar höllisch weh, konnte mir meine gute Laune aber keinesfalls verderben.
Anschließend ging es weiter zum Museum of Island Life, wo eindrucksvoll in kleinen Häusern gezeigt wird, wie die Menschen hier vor hundert Jahren gelebt hatten. Hier stand uns eine knappe Stunde Zeit zu Verfügung, um uns in aller Ruhe die alten Werkzeuge, Kleider etc. und vielen Schautafeln mit Erklärungen anzusehen und einen Spaziergang zum Grab der schottischen Nationalheldin Flora MacDonald zu machen. Auf letzteren verzichte ich und hielt statt dessen lieber meine Nase in den Wind, der intensiv nach Salz und Torf roch, und ließ meinen Blick über das Meer schweifen. Ich hatte mir so oft vorgestellt, eines Tages einmal auf dieser Insel zu sein und nun war ich hier und es war noch viel schöner als in meinen Träumen. Es war einfach perfekt! (These are the moments that you keep inside your heart...)
Glücklich genoss ich die Rückfahrt entlang der Westküste von Trotternish und erfreute mich an dem herrlichen Ausblick. Kurz vor Uig, einem wichtigen Hafen auf Skye, von dem die Fähren zu den Äußeren Hebriden fahren, musste der Bus an einer engen Kurve zwei Mal rangieren, was besonders Gerald faszinierte – komische Hauptstraße oder so. Gegen 12.30 Uhr erreichten wir schließlich wieder Portree und wurden im „Ortszentrum“ abgesetzt. Wir entschlossen uns, den malerischen kleinen Ort ein wenig zu Fuß zu erkunden und erstanden in einem Souvenir-Laden den obligatorischen Magnet für unseren Kühlschrank und einen Ring für mich. Eigentlich wollte sich Gerald bei „Stuart's Fish and Chips“ eine Portion der bekannten britischen „Spezialität“ kaufen, aber die Schlange vor dem Verkaufsraum war uns dann doch zu lang. Dann sollte es eben flüssige Nahrung geben und nachdem die Bar beim Portree Hotel komplett überlaufen war fanden wir am Ende ein für uns perfektes Pub, das „Macnabs Inn“. Obwohl die Kneipe offensichtlich zum Royal Hotel gehören zu schien, trafen sich dort anscheinend auch gerne Einheimische und zwar nicht unbedingt die örtliche Elite. Wir machten es uns an der Bar bequem und auf die Frage nach einem lokalen Bier wurden uns mehrere Sorten ausführlich vorgestellt. Ich konnte sogar einen Teil der Ausführungen des Barkeepers verstehen und entschied mich für ein „Skye Red“, während Geralds Wahl auf ein „Skye Black“ fiel. Wir beide waren sehr zufrieden mit unserem jeweiligen Gerstensaft und hatten unseren Spaß beim Beobachten der Leute. Da war z.B. die kleine Touristengruppe, die nachdem sie die fragwürdigen Leute am Tresen entdeckt hatten, die Bar sofort wieder fluchtartig verließen, oder auch die beiden jungen Burschen, die nach zwei Schlucken ihr Bier fast voll stehen ließen und wieder verschwanden, was bei denen wohl völlig normal war. Gott sei Dank hatten wir für den Abend einen Tisch im Tarragon reserviert, sonst wäre die Gefahr groß gewesen, dass wir uns im Macnabs festgesaugt hätten (letzter Tender 23.20 Uhr oder so...). Nach zwei Gläsern von dem leckeren Bier machten wir uns auf den Weg zurück zum Hafen (ca. fünf Gehminuten). Eigentlich wollten wir in der Quay Street noch etwas zu Essen für meinen Gatten organisieren, aber auch hier war eine längere Schlange vor dem Fish and Chips-Laden. Dann müsste dieser Punkt auf Geralds To-do-Liste eben noch warten müssen – vor uns lagen ja glücklicherweise noch ein paar Häfen.
Während wir auf unser Tenderboot warten machte ich zahlreiche Fotos von der herrlichen Landschaft rund um die Bucht und hielt Ausschau nach den Seeadlern, von denen uns unser Reiseleiter Chris während des Ausflugs erzählt hatte. Aber leider konnte ich keinen entdecken.
Gegen 15.20 Uhr waren wir wieder an Bord, brachten unsere Jacken in die Kabine und gingen dann in die Sansibar, da sich mittlerweile auch bei mir der Hunger bemerkbar gemacht hatte. Gerald bestellte sich die legendäre Currywurst mit Pommes und bei mir musste es einfach noch einmal die Trüffel-Pizza sein. Anschließend spazierte ich noch über die Außendecks, um noch mehr Fotos zu machen. Ich konnte von dem herrlichen Ausblick einfach nicht genug bekommen. Das Wetter war sehr wechselhaft – blauem Himmel und Sonnenschein folgte schnell leichter Regen und umgekehrt. Nach einem schnellen Espresso bei Mario an der Poolbar ging ich kurz nach 17 Uhr wieder zurück in unser Zuhause am Heck, wo Gerald schon auf mich wartete. Auf dem Balkon wurde ich dann Zeuge eines wunderschönen Naturschauspiels. Als mal wieder ein kleiner Schauer über die Bucht zog entstand ein traumhafter Regenbogen (teilweise waren es sogar zwei). Ich war so überwältigt, dass ich Tränen in den Augen hatte. Ich hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt, jemals auf die Isle of Skye zu kommen und nun stand ich tatsächlich hier und es war so unglaublich schön wie ich es mir niemals hätte vorstellen können.
Vor dem Abendessen widmete ich mich noch ein bisschen meinem schottischen Krimi und machte mir ein paar Notizen für den Bericht, während Gerald leise vor sich hin schnarchte. Wir hatten ja für diesen Abend einen Tisch im französischen Spezialitätenrestaurant Tarragon reserviert und ich freute mich schon auf die Köstlichkeiten, die uns dort serviert werden würden. Bei unserer Buchung war kein Tisch für zwei Personen mehr frei gewesen und daher sollten wir nun an einem sogenannten Gesellschaftstisch sitzen, was uns aber nicht störte.
Gegen 19.15 Uhr machten wir uns auf den Weg auf Deck 4 und wurden im Tarragon wie erwartet freundlichst begrüßt und zu unserem Tisch gebracht, an dem bereits ein (übrigens sehr nettes) Paar aus Graz saß. Wir kannten natürlich die Speisekarte bereits (Tablet sei dank) und hatten daher unsere Wahl schnell getroffen. Hier zu essen ist immer ein Highlight der Kreuzfahrt und so sollte es auch dieses Mal sein. Nach einem Gruß aus der Küche, eine Jakobsmuschel (sehr schön präsentiert), testeten wir den Crique Salade (Kartoffel-Crêpe, Flusskrebse, Schnittlauch, Kräutersalat, Frenchdressing). Als Zwischengang hatten wir uns für die Spezialität des Hauses, das Steak Tatar du Chef entschieden und zwar am Wagen nach unseren Wünschen eigens zubereitet, was bei Gerald mit „allem und leicht scharf“ und bei mir „ohne Kapern und Sardellen, leicht scharf“ bedeutete. Dazu gab es Schwarzbrot. Es ist immer wieder faszinierend, wie unglaublich gut so ein unscheinbarer Batzen rohes Fleisch schmecken kann. Nach einer kleinen Erfrischung folgte die Krönung unseres Abendmahls – das Chateaubriand. Das Rinderfilet mit Sauce Béarnaise, Bohnen und Brückenpfeiler-Kartoffeln war ein Gedicht! Alleine schon zu beobachten, wie das Gericht vor unseren Augen zerteilt und angerichtet wurde, machte den Hauptgang zu etwas ganz Besonderem. Dazu noch der von mir ausgewählte Wein (Markowitsch Rosé, Jahrgang leider vergessen) und der herrliche Ausblick aus dem Fenster auf die felsige Küste – besser geht es nicht!
Nach diesem hervorragendem Dinner gingen wir ins Collins, wo uns Lyudmil schon erwartete. Wir hatten wie immer viel Spaß („Kann ich mal an Ihren alten Büchern riechen?“) und durften auch einen neuen Whisky testen (Lagavulin).
Später zog es mich noch auf einen Absacker in die Sansibar, wo ich es mir im Außenbereich unter einem Heizstrahler gemütlich machte und über mein Leben nachdachte. All die vielen Tiefschläge, Verluste und traumatischen Erlebnisse der vergangen Jahre waren in diesem Moment so weit weg und ich war einfach nur unbeschreiblich glücklich. Ich beobachte dann noch kurz ein paar Möwen und ein Fischerboot, das an uns vorbei fuhr, und fiel dann nach einem letzten Blick in den Sternenhimmel in meine Koje. Auch wenn wir Kulturbanausen Flora MacDonalds letzte Ruhestätte nicht besucht und lediglich einen Bussard anstatt der Seeadler gesehen hatten, so war dieser Tag einfach perfekt und wird mir ewig im Gedächtnis bleiben.
Wetter: wechselhaft mit vielen sonnigen Abschnitten bei Temperaturen bis ca. 12°C
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15.09.2018 Ullapool / Schottland / Großbritannien
„Die hohe Kunst der Whisky-Destillation“
Gegen 7.30 Uhr erreichte die Europa 2 den schottischen Ferienort Ullapool, während ich noch von der rauen Natur und den netten Menschen auf der Isle of Skye träumte. Wir würden in dem kleinen Hafen am Nordufer des Loch Broom bis 18 Uhr auf Reede liegen. Da wir für den Vormittag keinerlei Pläne hatten standen wir erst spät auf und gingen dann gegen 10 Uhr in den Yacht Club für ein ausgiebiges Frühstück inklusive Egg Benedict, Lachs, Krabben, Bündner Fleisch, gebratenen Nudeln und Tomatensaft. Danach machten wir es uns bei einem Espresso an der Poolbar bequem und amüsierten uns über die lustigen Geschichten von Lyudmil (Hühnersuppe in Vietnam mit ganzem, ungerupftem Huhn!!). Nach einem kleinen Rundgang über die Außendecks wurde es dann auch schon Zeit, die Sachen für den Landausflug zu packen. Da wir bei unseren Recherchen zu Ullapool mit seinen gerade mal 1540 Einwohnern (2015) nichts wirklich für uns Interessantes gefunden hatten und ich mich sowieso auf dieser Kreuzfahrt intensiv mit dem Thema Whisky befassen wollte, bot sich der Ausflug „Besuch der Glen Ord Destillerie und Spaziergang zu den Measach-Wasserfällen“ natürlich geradezu an.
Wir fuhren mit dem Tender um 12.40 Uhr an Land, wo bereits unsere Reiseleiterin Ulrike auf uns wartete. Im Bus wurden wir von anderen Teilnehmern fröhlich mit „Herzlich willkommen im Alkoholiker-Shuttle“ begrüßt – das verhieß schon mal viel Spaß für die kommenden 4,5 Stunden. Von unserer Reiseleiterin Ulrike erhielt jeder eine Flasche Highland Spring, also leider keinen Whisky, sondern lediglich ein Vorprodukt davon, wie Shore Excursion Manager Sascha Richter anmerkte. Als wir los fuhren hatten wir die Gelegenheit, die Metropole Ullapool zu bewundern und erfuhren, dass es hier sogar einen Supermarkt gibt. Ich war beeindruckt und mir drängte sich der Gedanke auf, dass hier nicht nur der Hund verreckt ist, sondern dass sich nicht mal die ältesten Bewohner mehr daran erinnern können, wann das passiert ist. Aber mal Scherz beiseite, das kleine Örtchen machte einen netten Eindruck und ist für Urlauber, die Ruhe und Natur suchen, sicher ideal. Unsere etwas über eine Stunde dauernde Fahrt über die A835 führte uns zunächst bis ans Ende des Loch Broom und dann weiter durch eine wunderschöne, karge Landschaft. Während Ulrike von Schottland im Allgemeinen und dieser Region im Speziellen erzählte, erfreute ich mich am Anblick der tiefhängenden Regenwolken und vielen Tiere (u.a. auch einige Greifvögel) und meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ich hatte das Glück, bereits viele Regionen Europas bestaunen zu dürfen, aber diese Gegend berührte mich in einer Weise, wie ich es noch nie erlebt hatte. Auch hier hatte der ungewöhnlich heiße Sommer seine Spuren hinterlassen wie wir eindrucksvoll an einem See, der extrem leer zu sein schien, erkennen konnten. Am Ende unserer Fahrt erreichten wir unser Ziel, das Dorf Muir Ord, etwa 15 km von Inverness entfernt. Hier befindet sich die im Jahr 1838 gegründete Whiskybrennerei Glen Ord.
Bevor die Führung durch die Brennerei begann verteilte unsere Reiseleiterin Voucher für den kleinen, aber feinen Shop und als ich unsere holen wollte, fragte sie mich doch tatsächlich mit abschätzendem Blick, ob ich denn überhaupt zu ihrer Gruppe gehören würde. Während ich noch nach geeigneten Worten suchte, sprang mir schon Sascha Richter zu Seite und erklärte nun der perplexen Ulrike, dass wir selbstverständlich dazu gehören würden und sah sie dabei ziemlich böse an. Der Punkt ging dann wohl an uns! Der Rundgang durch die Produktions- und Schauräume war dann sehr interessant und wir erhielten vom örtlichen Führer viele interessante Informationen rund um die Herstellung von Whisky. Die Erklärungen waren auf Englisch und wurden dann von Ulrike übersetzt, was das Ganze etwas in die Länge zog und beim Blick auf die Teilnehmer auch eigentlich nicht notwendig war. Ich hatte am Abend zuvor Lyudmil versprochen, möglichst viele Fotos während des Ausflugs zu machen, v.a. natürlich von der Brennerei, doch leider war es in den interessantesten Bereichen natürlich nicht erlaubt, Bilder zu machen. Ich ignorierte selbstverständlich die Verbotsschilder, doch leider wurde ich schnell von einem jungen Aufpasser erwischt und dieser Kerl klebte mir dann auch den Rest der Führung am Arsch, Sch... ade! Am Ende der Führung, die durch die zahlreichen lustigen Anekdoten recht kurzweilig war (Flasche Whisky unterm Rock), sollten wir auch noch in den Genuss einer Kostprobe aus der umfangreichen Produktpalette der Brennerei kommen. Leider drängte bereits die Zeit bzw. unsere Reiseleiterin Ulrike und zudem konnte ich aufgrund der vielen Leute in dem eher kleinen Bereich, in dem das Tasting statt fand, kaum etwas von den Erklärungen zu den insgesamt drei verschiedenen Whiskys (12, 15 und 18 Jahre alt) verstehen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Während ich noch kurz zur Toilette eilte, erstand Gerald noch schnell eine Kleinigkeit im Shop der Destillerie und dann wurden wir auch schon zum Bus gescheucht. Nun war ich wirklich muffig und hörte lieber Musik als die Erklärungen von Ulrike, während wir durch die wunderschöne schottische Landschaft wieder Richtung Loch Broom fuhren.
Auf unserem Ausflugsprogramm stand heute noch ein weiterer Punkt und so machten wir ca. 15 km vor Ullapool einen Halt bei den Measach-Wasserfällen in der Corrieshalloch-Schlucht. Hier bestand die Möglichkeit zu Fuß zu einer Hängebrücke zu wandern, von der aus man einen schönen Blick auf den über 40 m hohen Wasserfall hat. Während Gerald beim Bus wartete, wagte ich den Abstieg in die Schlucht, den ich aber leider kurz vorm Ziel abbrechen musste, nachdem ich einen heftigen Stich im rechten Knie verspürte. Man kann halt nicht alles haben.
Um 17.20 Uhr erreichten wir schließlich wieder den Hafen der Metropole Ullapool, wo bereits der letzte Tender auf uns wartete. Während der Fahrt wurden wir von einem älteren Ehepaar angesprochen und nach unserer Herkunft gefragt, da ihnen unser Dialekt so vertraut vorkam. Es stellte sich heraus, dass die beiden auch aus unserer Heimatstadt Regensburg kamen und gar nicht mal so weit von uns entfernt wohnten. (Er kam mir auch irgendwie bekannt vor. Alex-Center? Arberhütte?)
Wieder an Bord wurden wir mit einem Glas Whisky begrüßt, den ich aber aus Zeitmangel gar nicht richtig genießen konnte. Wir hatten nämlich um 18 Uhr einen wichtigen Termin und für den musste ich mich noch vorbeireiten. Deshalb eilten wir auch schnell in unsere Kabine, um uns frisch zu machen und umzuziehen. Leider verpassten wir dadurch den Großteil der Veranstaltung „Schottische Klänge“ im Foyer, bei der u.a. ein Musiker aus Ullapool Dudelsack spielte. Obwohl wir eigentlich in Eile waren, ließen wir uns trotzdem noch ein Glas Whisky aufschwatzen und ich musste mich dann natürlich auch noch mit dem netten Schotten fotografieren lassen. Plötzlich trat Kreuzfahrtdirektorin Stefanie Lämmerhirt zur mir und dem Schnuckelchen mit dem Dudelsack und ich traute meinen Ohren kaum. Hatte sie ihn jetzt tatsächlich gefragt, ob sie... Neeeeiiiiin! Das konnte nicht sein! Oder doch? Ich hatte mich nicht verhört und beobachtete schockiert und interessiert zugleich, wie Frau Lämmerhirt einen neugierigen Blick unter den Kilt wagte und nach einem kleinen Aufschrei sich kichernd abwandte. Eines der größten Geheimnisse der Geschichte war nun dank unserer mutigen Kreuzfahrtdirektorin gelüftet!
Wir waren natürlich die letzten Teilnehmer, die mit etwas Verspätung in den Club 2 zum Seminar „Scotch Whisky – vom Single Malt zu Blended Malt zu Blended Scotch. Eine überraschende Entdeckungsreise in die Welt des uisge beatha“ eintrafen. In den kommenden eineinhalb Stunden versuchte uns der „Spirituosen-Botschafter“ und gelernte Diplom-Chemiker Jürgen Deibel in die Geheimnisse des Lebenswassers der Schotten einzuweihen. Der Vortrag über die Herstellung, charakteristischen Unterschiede und vieles mehr rund um das Thema Whisky durch unseren Experten war sehr kurzweilig und neben der Theorie kam auch die Praxis nicht zu kurz. Auf unserer faszinierenden Geschmacksreise durften wir die folgenden Sorten testen: Ballantine's Finest (Früchte, Honig, lässt sich trinken), The Macallan Select Oak (Hammergeruch nach Orange, nach Tornado Sherry), Bunnahabhain (Birne, toller Nachgeschmack), The Glenlivet Nadurra (angenehmer Geruch, Explosion beim Trinken), Highland Park Svein (Geruch angenehm, Geschmack schrecklich, Nachgeschmack besser) und Laphroaig Quarter Cask (Geruch eine Mischung aus Zahnarzt und Notaufnahme, aber Gerald mag ihn). Herr Deibel ist nicht nur eine Koryphäe beim Thema Whisky, er schaffte es auch, sein Wissen einem absoluten Laien verständlich darzulegen und durch kleine Anekdoten den Vortrag aufzulockern.
Nach dem Seminar gingen wir ins Collins, wo ich eigentlich nur schnell eine rauchen wollte. Lyudmil hatte uns schon erwartet und bereits zwei Flaschen Whisky für uns zur Verkostung bereit gestellt. Langsam aber sicher machte ich mir Gedanken über eine Lebertransplantation! (Glenfiddich: brennt ganz unten; Cragganmore 12: brennt oben und unten und ist böse)
Bevor der Alkohol endgültig das Kommando über mein Denken und Handeln übernehmen konnte, gingen wir gegen 20 Uhr schnell in den Yacht Club, um unsere Mägen mit etwas fester Nahrung zu füllen. Es gab an diesem Abend Lachs in Hülle und Fülle. Ob gebeizte schottische Wildlachse oder als Salat – das Angebot war unglaublich und ich fühlte mich wie im Paradies.
Eine knappe Stunde später machten wir es uns erneut an der Bar im Collins bequem und erzählten Lyudmil ausführlich von unserem Ausflug in die Whiskybrennerei Glen Ord. Dabei kam neben dem Fotografierverbot auch der in unseren Augen zu straffe Zeitplan zu Sprache. Wir bemerkten dabei nicht, dass sich eine Dame von der Touristik (Ausflugsbüro) hinter uns gestellt hatte und unseren Erzählungen interessiert lauschte. Sie sprach uns dann auch darauf an und wollte genauestens wissen, was uns konkret gefallen bzw. missfallen hatte. Ich denke, sie konnte unser „Problem“ nachvollziehen. Der Ausflug an sich war wirklich schön und informativ gewesen, wir hätten uns nur etwas mehr Zeit am Ende der Führung durch die Destillerie gewünscht. Für einen Costa-Ausflug wäre es ja okay gewesen, aber bei Hapag-Lloyd hat man natürlich etwas andere Ansprüche. Später gesellte sich auch noch Herr Deibel zu uns und erstaunte uns wieder mit seinem enormen Wissen. Dazu gab es auch noch einen weiteren Whisky zum Probieren, nämlich einen Dalwhinnie 15. Wie er geschmeckt hat kann ich leider nicht mehr sagen, ich war da wohl schon nicht mehr ganz Herrin meiner Sinne. Und so versank dann der Rest der Nacht auch im torfgeschwängerten Nebel.
Wetter: wechselhaft bei Temperaturen bis ca. 14°C
(3)
Fortsetzung


