All on Board!
Mit der MS Dudelsack ans Ende des Regenbogens
"British Originals" mit der MS Europa 2 vom 10. bis 19.09.2018
Dublin – Douglas (Isle of Man) – Belfast – Portree (Skye) – Ullapool – Kirkwall – Newhaven (Edinburgh) – Hamburg
Dieser Reisebericht beinhaltet meine persönlichen Erlebnisse und Gedanken während unserer Irland/Schottland-Kreuzfahrt mit der MS Europa 2. Wer technische Details bzw. landeskundliche Informationen sucht möchte bitte die einschlägigen Internetseiten aufsuchen.
Vorfreude
Was macht man, wenn man an einem Feiertag – in diesem Fall war es der Vatertag 2017 – viel zu früh wach ist? Man bucht einfach mal schnell eine Kreuzfahrt! Eigentlich ging das Gespräch lediglich um potentiell interessante Routen für 2018 und es endete schließlich mit der Aufforderung: „Buch jetzt endlich!!!!“ durch meinen Mann Gerald. Unsere spontane Wahl war auf „British Originals“ mit der MS Europa 2 gefallen und wir hatten uns wieder die Suite 675 gesichert, die im Oktober 2017 an Westeuropas Küsten auch unser Zuhause werden sollte. Schottland und besonders die Insel Skye stand schon lange auf meiner Wunschliste und vielleicht würde ich es nun endlich einmal schaffen, diesen Traum wahr werden zu lassen.
Unsere Kreuzfahrt zu den „Highlights Westeuropas“ war dann auch trotz einiger Schönheitsfehler der Hammer und dann kam auch schon das Jahr 2018, das hauptsächlich dadurch gekennzeichnet war, dass nichts nach Plan verlief. Aber irgendwie schaffte ich es durch alle Katastrophen – immer mit dem Gedanken an die Europa 2 und Schottland – und am Ende eines heißen Sommers war es dann auch endlich an der Zeit, die Koffer mit warmen Sachen zu packen.
10.09.2018 Dublin / Irland
„Herzlich willkommen zu Hause!“
Wir hatten die Anreise zu unserem Starthafen Dublin über Hapag-Lloyd gebucht und unseren Transfer zum Flughafen München übernahm mal wieder die Firma AirportLiner. Unser netter Fahrer stand dann auch pünktlich um 11.30 Uhr vor unserer Haustüre und brachte uns sicher an unser Ziel. Wir hatten zu Hause bereits den Online Check-in gemacht und konnten so auch gleich unser Gepäck abgeben und weiter zur Sicherheitskontrolle. Wir mussten natürlich unsere Stiefel ausziehen (war klar) und Gerald kam dann noch in den fragwürdigen Genuss einer sehr intensiven Abfummel-Aktion. Sein Sack scheint demnach ungefährlich zu sein. Im Gegensatz zu den letzten Wanderungen quer durch den Flughafen erreichten wir schnell unser Abflugsgate und dort entdeckte ich auch gleich eine Dame in den wohlbekannten Farben Orange und Blau. Obwohl sie im ersten Moment wohl offensichtlich von meiner Tarnhose etwas irritiert war, begrüßte uns die Mitarbeiterin von Hapag-Lloyd freundlich und wir erfuhren, dass sie uns bis nach Dublin begleiten würde. Ich hatte es also tatsächlich geschafft – die Kreuzfahrt konnte quasi beginnen! Unser Flug LH2520 mit einer A320-200 startete mit etwas Verspätung (geplant 15 Uhr) und wir erfuhren, dass wir aufgrund starken Gegenwinds auch nicht zur vorgesehenen Uhrzeit (16.25 Uhr Ortszeit) landen würden. War mir aber egal, wir waren unterwegs und das Schiff würde ja auch auf uns warten. Wir hatten Plätze in der letzten Reihe und es stellte sich heraus, dass die nette Dame aus Köln mit dem teuren Schmuck neben mir ebenfalls mit der Europa 2 fahren würde. Nach einem ereignislosen Flug erreichten wir schließlich Dublin, die Hauptstadt von Irland, und nach einer gefühlten Ewigkeit (mit kleinen Panikattacken) fanden wir auch unsere Koffer. Nach einer kleineren Wartezeit (auf die restlichen Passagiere und den Bus), die ich für meine erste Kippe auf irischem Boden nutzte, wurden wir dann zu unserem Bus geführt. Beim Verstauen des Gepäcks vernahmen wir plötzlich einen vertrauten Dialekt und entdeckten dann auch die dazu gehörenden und bekannten Gesichter. Es waren die Besitzer eines namhaften Hotels in Regensburg, die bei unserem Anblick genauso erfreut schienen wie wir... oder so.
Kurz nach 17.35 Uhr saßen wir schließlich im Bus und erhielten auf der Fahrt zum Hafen von der örtlichen Reiseleiterin einige sehr interessante Informationen über Dublin und die Republik Irland (u.a. über den Dublin Tunnel, durch den wir auch fuhren). Keine halbe Stunde später war es dann endlich so weit – vor uns lag die Europa 2, unser Traumschiff!
Während unsere Mitreisenden mehr oder weniger zügig Richtung Schiff gingen, musste ich erst einmal in Ruhe Fotos machen (u.a. auch von der Prinsendam) und ein paar Worte mit Shore Excursion Manager Sascha Richter wechseln. Ein netter junger Mann von der Crew führte uns schließlich, nachdem wir uns als Passagiere geoutet hatten (sein leicht verunsicherter Blick war einfach süß), an Bord und ich kann definitiv nicht in Worte fassen, wie verdammt glücklich ich in diesem Moment war. Endlich wieder zu Hause! Wir steuerten einen der Stehtische im Foyer an und wurden auch gleich mit einem Glas Champagner versorgt. So mag ich das!
Da an dem Check-in-Schalter für Deck 6 gerade keiner anstand oder besser gesagt man schon auf uns wartet, weil wir wohl die letzten waren, erledigten wir schnell die Formalitäten (Bordkarten und Reisepässe einscannen; letztere wurden einbehalten) und reservierten anschließend auch gleich Plätze für einen Abend im französischen Spezialitätenrestaurant Tarragon. Nachdem das Wichtigste nun erledigt war ließ ich mir noch ein Glas Champagner aufdrängen, erkundigte mich, wann die Rettungsübung statt finden würde, und lauschte den Begrüßungsmelodien des Pianisten Frank Tischer. Da uns nicht mehr viel Zeit blieb bequemten wir uns bald Richtung Aufzug, wo wir auf unseren alten Freund Erik (aka „die Glatze“, Bar Manager) trafen, der uns überschwänglich begrüßte. Ich dachte für einen Moment, er würde mir um den Hals fallen. Nun war ich so richtig angekommen!
Der Weg zu unserer heißgeliebten Suite 675 war uns ja von unserer letzten Kreuzfahrt gut bekannt und kaum waren wir dort angekommen ertönte auch schon das Signal zur obligatorischen Sicherheitsübung. Mit angelegter Rettungsweste begaben wir uns zu unserer Sammelstation auf dem Pooldeck, wo wir Helga und Roberto trafen, die wir ein Jahr zuvor auf der Europa 2 kennengelernt hatten. Unsere gemeinsame Freude über das Wiedersehen wurde von ein paar vermutlich Ersttätern argwöhnisch beobachtet. Tja Leute, die komische Frau in der Tarnhose ist mittlerweile an Bord bekannt!
Da sich langsam der große Hunger in meinem Magen breit machte, gingen wir nur noch kurz zurück auf unsere Suite, um uns frisch zu machen und vernünftige Klamotten anzuziehen. Unsere Wahl für das Abendessen war auf das Buffetrestaurant Yacht Club gefallen, doch bevor wir uns auf den Weg dort hin machen konnten, musste noch eine Kleinigkeit erledigt werden. Wir waren im Vorfeld unserer Kreuzfahrt auf die glorreiche Idee gekommen, dass es an der Zeit war, unser Revier an Bord zu markieren und zwar in Form eines Namensschilds. Peter Funk von „Key and more“ im Alex-Center in Regensburg hatte uns dieses angefertigt (Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle!) und wir wollten es nun dezent an unserem Briefkasten mit Hilfe eines Magneten anbringen. Die Idee war gut, doch leider scheiterten wir bei der Ausführung. Die Rückwand beim Briefkasten war nicht wie vermutet aus Stahl, sondern wohl aus Messing. Sch... ade! Aber egal, wir fanden unsere Idee immer noch toll und legten das Schild einfach unten in die kleine Vertiefung, da war es ja auch noch zu sehen – solange keine Post es verdeckte.
Im Yacht Club angekommen wurden wir wie gewohnt freundlich mit einem Aperitif begrüßt und fanden auch schnell einen freien Tisch. Ich gönnte mir als Vorspeise ein paar Chili-Garnelen und Königskrabbenbeine vom kalten Buffet, als Hauptgang eine Portion Calamari vom Grill mit Paprika-Karotffeln und sozusagen als Nachspeise noch ein bisschen Elch-Salami. Das sollte für den Anfang reichen. Nach dem wirklich leckeren Essen setzten wir uns zunächst mal an die Poolbar (auf unseren Stammplatz), tranken einen Espresso und lauschten begeistert der kleinen Besetzung der Bordband „Ozeania“.
Um 22 Uhr hieß es dann Leinen los und die Europa 2 verließ den Hafen von Dublin. Etwa eine halbe Stunde später siegte bei meinem Gatten die Müdigkeit, es war ja auch ein langer Tag gewesen, und ich begleitete ihn zu unserer Suite, wo uns beinahe der Schlag traf. An unserer Kabinentür hing doch tatsächlich schön auffällig sichtbar unser Namensschild! Eine unserer Stewardessen (Eve und Grace) musste es dort platziert haben. Tja, von uns hatte keiner daran gedacht, dass die Türe einen Metallkern haben könnte. Danke Mädels!
Da ich noch keine Lust auf mein Bett verspürte, machte ich mich alleine auf den Weg in die Sansibar zur „Welcome Club Night“ mit DJ SQ, den wir von unserer ersten Kreuzfahrt mit der Europa 2 kannten. Da die Nacht noch relativ warm war suchte ich mir einen Platz an der Bar im Außenbereich, wo ich schnell mit einem Ehepaar aus Köln ins Gespräch kam und auch meine Sitznachbarin aus dem Flugzeug wieder traf. Gegen Mitternacht wurden wie gewohnt ein paar „Snacks“ gereicht und ich konnte einem Stück Flammkuchen natürlich nicht widerstehen. Aber auch für mich war irgendwann dann Ende im Gelände und ich zog mich glücklich und mit der Welt zufrieden in meine Koje zurück.
Wetter: wolkig bei Temperaturen bis ca. 17°C (Dublin)
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11.09.2018 Douglas / Isle of Man / Großbritannien
„Bikertreffen in der Irischen See“
Ich war an diesem Morgen bereits kurz nach 7 Uhr wach, voller Tatendrang und nach einer schnellen Dusche begann ich, die Pläne für den Tag zu konkretisieren. Die Europa 2 würde vor Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man, auf Reede liegen. Die 572 km² große Insel in der Irischen See ist als autonomer Kronbesitz direkt der britischen Krone unterstellt und ist wie z.B. auch Guernsey, wo wir im vergangenen Jahr gewesen waren, kein Mitglied der Europäischen Union. Douglas mit seinen ca. 28000 Einwohner liegt an der gleichnamigen Bucht und ist der wichtigste Fährhafen der Insel. Bereits vom Schiff aus konnte man die prächtigen viktorianischen Gebäude an der Hafenpromenade erkennen und genau das sollte auch unser späteres Ziel werden.
Kurz nach 8 Uhr machten wir uns auf den Weg in den Yacht Club, um den Tag mit Lachs, Bündnerfleisch und allerhand anderen Köstlichkeiten vom Buffet sowie einem Egg Benedict zu beginnen. Mir war bereits am Abend zuvor aufgefallen, dass das Durchschnittsalter an Bord wohl noch ein bisschen höher als bei unserer letzten Fahrt lag und beim Frühstück verstärkte sich dieser Eindruck noch. Ich hatte das Gefühl, als würde ein leichter Verwesungsgeruch in der Luft liegen, allerdings konnte ich im Gegensatz zu unserer Nordlandfahrt mit der Costa Pacifica 2011 keinerlei Scheintote oder gar Mumien entdecken. Also alles gut! Nachdem wir unsere Mägen gefüllt hatten, machten wir es uns bei einem Espresso (und einer Kippe für mich) an der Poolbar bequem und besprachen den weiteren Tagesablauf. Während sich Gerald dann den ausliegenden Tageszeitungen widmete spazierte ich ein bisschen herum und machte Fotos. Anschließend holten wir unsere Sachen für den Landgang und fuhren um 10 Uhr mit einem Tenderboot auf festen Boden.
Nachdem wir das Hafenterminal verlassen hatten spazierten wir gemütlich die Promenade entlang und wurden bereits nach wenigen Metern vom Bordpianisten Frank Tischer angesprochen. Ich hatte mich bereits bei der Einschiffung am Vortag ein bisschen gewundert, weil er uns gar so vertraut gegrüßt hatte, und nun erfuhren wir auch den Grund dafür. Er meinte nämlich, uns von einem Harley-Treffen zu kennen. Hahahahaha! Das musste wohl an Geralds Bart liegen! Mein Gatte und eine Harley... waren wir jetzt echt schon so weit?? Nachdem wir Frank leider enttäuschen mussten, was seiner Freundlichkeit aber keinen Abbruch tat, schlenderten wir weiter. Leider versteckte sich die Sonne hinter dunklen Wolken, aber es regnete zumindest nicht. Ich kann mir gut vorstellen, wie schön es hier im Sommer ist: das Meer, die vielen Pflanzen und dazu die imposanten Gebäude entlang der Bucht. Leider ist der Konsum von Alkohol an der Promenade verboten und die können einem bis zu 500 Pfund (!!) bei Zuwiderhandlung abknöpfen. Wir hatten aber eh keine Wegzehrung dabei und bewunderten lieber nüchtern unsere Europa 2 und die riesigen Möwen. Nachdem wir bis zum Strand spaziert waren und ich meinen perfekten Stein gefunden hatte, traten wir den Rückweg an und zwar an der Sir Norman Wisdom-Statue vorbei und dann durch die Einkaufsstraße, die parallel zur Promenade verlief. In einem kleinen Laden erstand Gerald eine Mütze mit dem Logo des Isle of Man TT-Rennens, das der Insel Berühmtheit eingebracht hat. Was uns der nette junge Mann in dem Geschäft allerdings neben dem Preis noch so erzählte, werden wir wohl nie erfahren. Er sprach leider keine uns bekannte Sprache (evtl. Swahili??). Wir fanden in einem Souvenir-Laden auch noch einen schönen Magnet für unseren Kühlschrank und ein paar Ansichtskarten. Am Ende unseren Rundgangs gönnten wir uns einen „Iced Latte“ im Costa Coffee-Shop im Sea Terminal. Auch wenn ich nur einen kleinen Eindruck von Douglas bekommen hatte, so gefiel mir die Stadt vom ersten Meter an sehr gut und ich würde gerne wieder einmal dort hin reisen, das nächste Mal aber lieber im Frühjahr oder Sommer und vielleicht sogar zu einer der zahlreichen Motorsportveranstaltungen auf der Insel.
In rasanter Fahrt ging es dann mit dem Tender wieder zurück auf unser Schiff, wo wir schnell unsere Jacken in die Suite brachten und uns dann auch gleich auf den Weg in den Yacht Club machten, wo wir mit einem freundlichen „Guten Tag, Familie Lehner!“ begrüßt wurden. Nach einem Blick auf die Tageskarte entschlossen wir uns für ein paar Jakobsmuscheln vom Grill (Hammer!!!) mit Maisgemüse. Ich gönnte mir danach noch die Pasta des Tages „Riccitelle in Trüffelrahmsauce mit Spargel“, während sich mein Gatte lediglich nur noch einen Salat holen wollte. Als er sich grinsend wieder zu mir setzte musste ich lauthals lachen. Sein „Salat“ bestand aus Schweinerippchen!! Nun ja, so was kann passieren.
Da der Fußmarsch am Vormittag für meinen Gatten doch recht lang gewesen war, entschlossen wir uns, einen ruhigen Nachmittag einzulegen und begannen diesen nach dem Mittagessen an Poolbar. Während sich Gerald wieder den Tageszeitungen widmete, machte ich nach einem Cappuccino einen kleinen Verdauungsspaziergang über die Außendecks. Das Wetter war im Laufe des Tages immer besser geworden und ich genoss die Sonne und den Ausblick auf die schönen Häuser am Ufer. Da sich nicht all zu viele Leute auf dem Pooldeck aufhielten konnten wir uns auch in Ruhe noch mit Lyudmil unterhalten, der hier nachmittags Dienst hatte. Kurz nach 15 Uhr wechselten wir die Örtlichkeit und suchten uns ein Plätzchen im Belvedere am Bug der Europa 2, um dort ein paar Tassen Oolong zu genießen, ab 16 Uhr mit Livemusik von unserem Harley-Freund Frank.
Wir verließen die Café Lounge gerade wieder und hörten im Hintergrund noch leise die Pianomusik als plötzlich ein lautes, röhrendes Geräusch das Schiff erzittern ließ. Ich schickte schnell ein Stoßgebet zum Himmel, dass nur wir diesen Ruf aus den Tiefen der Hölle vernommen hatten, und zog lachend meinen Gatten in Richtung unserer Suite.
Für den Start in den Abend hatte ich mir etwas Besonderes aus dem Tagesprogramm ausgesucht – die Vernissage „SeaEscapes“. Bei einem Glas Champagner wurde die Ausstellung in der Galerie auf Deck 9 um 18 Uhr durch die Kunstexpertin Andrea Berger eröffnet. Die Werke von Künstlern wie Gerhard Richter (!!), Lyonel Feininger oder Georg Küttinger rund um das Thema Schiff und Wasser waren ebenso faszinierend wie die Erklärungen durch Frau Berger vom Thole Rotermund Kunsthandel, der auf Papierarbeiten des deutschen Expressionismus und der Klassischen Moderne spezialisiert ist. Und auch wenn vielleicht ein paar böse Zungen behaupten werden, wir wären lediglich wegen des Gratis-Champagners zur Vernissage gegangen – das war definitiv nicht der Fall!
Dem Kunstgenuss folgten die Gaumenfreuden und zwar im Restaurant Weltmeere, für das abends keine Reservierung notwendig ist. Wir wurden wie gewohnt freundlichst begrüßt und zu unserem Tisch gebracht. Da wir die Speisekarten (Standard- und wechselnde Tageskarte) bereits online auf unserem bordeigenen Tablet studiert hatten, ging die Auswahl der Gerichte sehr schnell. Nach einem Gruß aus der Küche (Taubenbrust – sehr fein!) gab es bei mir ein klassisches Beef Tatar. Es folgte die obligatorische Erfrischung in Form eines Sorbets – selbstverständlich „Saint-Tropez“, also mit Champagner und Wodka – und als Hauptgang ließ ich mir die Spezialität des Hauses, Tranche vom zartgereiften Piemontesischen Rinderfilet mit Ragout vom Ochsenschwanz, Tomaten-Auberginenkompott und getrüffeltem Kartoffelschaum, munden. Beim Anblick meines Tellers fielen mir fast die Augen aus dem Kopf, die Menge an Trüffel auf dem Fleisch war beinahe dekadent verschwenderisch. Ein Traum!
Nach diesem perfekten Dinner begaben wir uns zügig auf Deck 9, wo ab 22 Uhr die große „Captain's Welcome und Poolparty unter den Sternen“ stattfinden würde. Wir hofften, dass unser „Stammplatz“ vom letzten Jahr noch frei war und wurden nicht enttäuscht. So muss das sein! Wer uns an Bord sucht, weiß mittlerweile wo er uns finden kann. Der Service war wie gewohnt perfekt und wir wurden von den aufmerksamen Kellnern mit Champagner und Gin Tonic bis zum Abwinken versorgt. Bereits gegen 21.30 Uhr hatte die Europa 2 ihren Platz vor der Isle of Man verlassen und Kurs auf Belfast gesetzt. Um 22.15 Uhr war es dann soweit und Kapitän Christian van Zwamen trat auf die Bühne und stellte uns seine Offiziere vor. Dann spielte die Bordband Ozeania bekannte Hits aus den letzten Jahrzehnten und viele Passagiere schwangen das Tanzbein. Leider war die Stimmung nicht ganz so ausgelassen wie auf unseren letzten Reisen, was uns aber nicht wirklich störte. Am Ende der Party stellten wir uns noch ein bisschen an die Bar und ließen dort diesen schönen Tag ausklingen. Vielen Dank an dieser Stelle an Sebastian! („Heute ist alles frei!!!“)
Wetter: bewölkt, nachmittags sonnig bei Temperaturen bis ca. 15°C
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12.09.2018 Belfast / Nordirland / Großbritannien
„We have struck an iceberg and sinking“
Trotz einer kurzen Nacht war ich bereits um 6.20 Uhr auf den Beinen, um ein erstes Foto auf dem Balkon zu machen. Vor uns lang ein langer Tag mit hoffentlich vielen, schönen Erlebnissen. Die Europa 2 erreichte an diesem Morgen überpünktlich gegen 8 Uhr den Hafen von Belfast, der Hauptstadt von Nordirland. Die nach Dublin zweitgrößte Stadt der irischen Insel hat ca. 336000 Einwohner und ist bekannt für ihren großen Hafen und die lange Tradition im Schiffbau. Das wohl berühmteste hier entstandene Schiff, die Titanic, sollte das große Thema unseres Vormittags werden. Aber zunächst genossen wir ein kleines Frühstück im Yacht Club, bevor wir dann kurz vor 9 Uhr von Bord gingen. Wir hatten bereits im Vorfeld der Kreuzfahrt online unsere Ausflüge gebucht und heute stand der erste davon auf dem Programm und zwar „Panoramafahrt mit Titanic-Erlebniszentrum“ (Wunschausflug von Gerald). Mit dem Bus fuhren wir zuerst einmal durch die Stadt und erhielten von unserer netten, örtlichen Reiseleiterin viele interessante Informationen zur Geschichte von Belfast und den Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbei kamen. Besonderes beeindruckend war die sogenannte Friedenslinie, die die Wohngebiete pro-irischer Republikaner von denen der pro-britischen Unionisten trennt. Wir legten auch einen kurzen Halt ein, den ich dazu nutze, um uns und v.a. unseren Freund Flo auf der Mauer zu verewigen. Der Gedanke an all das Leid, das der „Nordirlandkonflikt“ (ich hasse das Wort Konflikt in diesem Zusammenhang) verursacht hatte, machte mich traurig. Welche Konsequenzen würde der bevorstehende Brexit auf den fragilen Frieden haben?
Am Ende unserer Rundfahrt erreichten wir gegen 10 Uhr das imposante Gebäude der „Titanic Belfast“. In dem 2012 eröffneten Erlebniszentrum sind zahlreiche Exponate und Rekonstruktionen zu bestaunen und man taucht interaktiv in die Geschichte des berühmten Schiffs ein. Am Eingang erhielten wir Audioguides und konnten uns individuell ohne Zeitdruck durch die Ausstellung bewegen. Auch wenn ich durch zahlreiche Dokumentationen bereits vieles über die Titanic wusste (und nein, den komischen Film habe ich nie gesehen), so war ich wirklich beeindruckt von der Umsetzung dieses Themas. Natürlich hatte ich auch Graphiken und Bilder der Kabinen auf dem Schiff gesehen, aber als ich dann vor einer der 3. Klasse stand, wurden mir die Ausmaße erst so richtig bewusst und ich musste an unseren begehbaren Kleiderschrank auf der Europa 2 denken. Am Ende unseres Rundgangs stöberten wir noch ein bisschen im Souvenirshop und machten einen kurzen Abstecher zur Nomadic, einem ehemaligen Tenderboot der White Star Line, die u.a. dazu eingesetzt wurde, um Passagiere, Post und Nachschub vom Hafen Cherbourg zur Titanic, Olympic und Britannic zu transportieren. Bevor wir wieder in unseren Bus stiegen setzten wir uns noch kurz vor dem Erlebniszentrum in die Sonne und beobachteten einige Schulklassen (Nicht nur die Uniformen unterschieden die irischen Schüler von den deutschen!). Wir hatten diesen Ausflug auf Geralds ausdrücklichen Wunsch gebucht, mein Interesse an der Geschichte der Titanic war nicht sonderlich groß gewesen, dennoch war ich mit unserer Wahl sehr zufrieden. „Titanic Belfast“ ist wirklich einen Besuch wert! Um 12.15 Uhr waren die Ausflugsteilnehmer wieder vollzählig und wir setzten unsere Stadtrundfahrt inklusive weiterer Erzählungen unserer Reiseleiterin fort, die schließlich am Rathaus von Belfast, der City Hall, endete. Hier bestand die Möglichkeit, die Stadt individuell weiter zu erkunden. Wir wollten dies erst am Nachmittag machen und fuhren deshalb mit dem Bus zur Europa 2 zurück.
Wir hatten gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit während des Ausflugs vergangen war. Wieder zurück an Bord mussten wir uns beeilen, um noch zum Mittagessen ins asiatische Spezialitätenrestaurant Elements gehen zu können, das bis 14 Uhr geöffnet war. Am Ende überzogen wir eine halbe Stunde, worüber aber keiner böse war. Für mich gab es als Vorspeise die Spezialität des Hauses „Som Tam“ (Karotten- und Papayastreifen mit Hummer in Tamarindendressing) und als Hauptgang Jakobsmuscheln und Tintenfisch aus dem Wok mit frischem grünen Pfeffer, Minze, Limette und gegrilltem Klebreis. Beides sehr gut und es wurde weder am Hummer noch an den Jakobsmuscheln gespart.
Um 15 Uhr gingen wir wieder an Land, um mit dem (kostenlosen) Shuttlebus zum „Visit Belfast Welcome Center“ zu fahren. Von hier aus wollten wir ein bisschen die Stadt erkunden und gingen zunächst einmal über die Straße, um die imposante City Hall zu bewundern. Dann spazierten wir gemütlich weiter bis zum Europa Hotel, das ich unbedingt sehen und fotografieren wollte. Kein anderes Hotel in Europa war so oft das Ziel von Bombenanschlägen gewesen wie dieses und hat es dadurch sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit und zwar der „Crown Liquor Saloon“, eines der traditionsreichsten und schönsten Pubs Irlands. Wir widerstanden der Versuchung hier einzukehren und setzen unseren Rundgang fort. Nachdem wir in einem Buchladen und einem Souvenirshop ein paar Kleinigkeiten erstanden hatten, war es dann aber doch an der Zeit, zum gemütlichen Teil des Landgangs überzugehen. Wir hatten auch bereits auf dem Weg zum Europa Hotel eine geeignete Örtlichkeit ausgemacht und die steuerten wir nun an. Das „Rusty Saddle“ in Howard Street machte von Außen einen netten Eindruck, der beim Betreten noch verstärkt wurde. Die Inneneinrichtung gefiel mir sehr gut und unser Platz an der Theke war perfekt. Während wir uns ein Guinness schmecken ließen versuchten wir, den Gesprächen um uns herum zu folgen. Das war gar nicht so einfach, denn eigentlich verstand ich lediglich einzelne Wörter. Was zur Hölle war das denn nun schon wieder für eine Sprache??? Wir hatten auf alle Fälle unseren Spaß und wurden auch den 10-Pfund-Schein von der Isle of Man los, auch wenn weder unsere nette Bedienung noch ihr Kollege wirklich wussten, ob sie den akzeptieren dürfen oder nicht. Als wir das „Rusty Saddle“ wieder verließen war der Laden knallvoll und der Kerl, dem Gerald seinen Platz überließ, klatschte breit grinsend mit ihm ab als wären die beiden alte Kumpels. Wir wollten den Shuttlebus um 19 Uhr nehmen und staunten nicht schlecht als der nette Fahrer uns das Europa 2-Schild von der Windschutzscheibe in die Hand drückte und mir mein Telefon abnahm, um ein Foto von uns zu machen. Ich mag die Nordiren!
Ich hatte im Laufe meines Lebens immer wieder mal von Belfast gehört und in meinem Kopf war das Bild einer tristen Industriestadt entstanden. An diesem Tag aber musste ich feststellen, dass ich völlig falsch lag. Die Stadt mit ihren prächtigen alten und und neuen Gebäuden ist wunderschön, ich würde sagen, dass Tradition und Moderne sich hier perfekt verbunden haben. Belfast ist definitiv viel mehr als Schiffsbau und Bürgerkrieg und dank der Menschen mit ihrer freundlichen und offenen Art habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt.
Wieder zurück im Hafen (Fahrzeit ca. 15 Minuten) machte ich noch ein paar Fotos von der Europa 2 bevor wir auf unsere Kabine gingen, um uns für Abendessen umzuziehen. Wir hatten uns für den Yacht Club entschieden und das war eine gute Wahl! Es gab Beef Tatar und ich ließ mir natürlich großzügig Trüffel darüber hobeln. Feini! Dann noch ein Törtchen vom Räucherlachs-Tatar mit Ingwermousse und Guke und als Hauptgang Streifen vom Rinderfilet mit Speckknödeln und Bratkartoffeln. Am Ende war ich rundum zufrieden, genauso wie Gerald mit seiner Schweinshaxe. Wir hatten uns zu einem Ehepaar an den Tisch gesetzt, das zwar viel redete, aber ganz nett war, auch wenn die Frau nicht gerade mit ihrer Intelligenz überzeugte (aber dafür hatte ihre Mutter ein Weingut).
Nach einem schnellen Espresso am Pool gingen wir zu Lyudmil ins Collins, wo wir ein bisschen mit einem Ehepaar aus München plauderten (was für Angeber!) und später zogen wir weiter in die Sansibar. Auf einen Besuch des Artistikfestivals „Artistika of the Sea“ im Theater verzichteten wir, das ist nicht wirklich unser Ding. Wir hatten viel Spaß, auch wenn uns DJ SQ anfangs nicht mit seiner Musikauswahl begeistern konnte. Zu späterer Stunde, als viele Gäste heimgeschimmelt waren, wurde es aber noch richtig gut und man versorgte uns natürlich auch noch mit Häppchen (Flammkuchen rulez) bevor wir müde ins unsere Koje schwankten.
Wetter: sonnig bei Temperaturen bis ca. 15°C
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Fortsetzung

