All on Board! Mit der MS Dudelsack ans Ende des Regenbogens
"British Originals" mit der MS Europa 2 vom 10. bis 19.09.2018
Dublin – Douglas (Isle of Man) – Belfast – Portree (Skye) – Ullapool – Kirkwall – Newhaven (Edinburgh) – Hamburg
16.09.2018 Kirkwall / Orkney Islands / Großbritannien
„Ein Heiliger mit grünen Haaren“
Gegen 8 Uhr an diesem Morgen erreichte die Europa 2 ihren Liegeplatz an der Hatston Pier in Kirkwall, der Hauptstadt der Orkney Islands. Dieser Platz war zum Glück kurzfristig frei geworden, denn eigentlich hätten wir hier tendern sollen und das wäre an diesem Morgen aufgrund des starken Winds nicht möglich gewesen. Wegen des übermäßigen Whiskykonsums am Vortags verließ ich verhältnismäßig spät meine Koje und wir suchten wir uns erst kurz vor 11 Uhr einen Platz in der Sansibar am Fenster. Obwohl es ja nicht so wirklich meinem Geschmack entspricht, entschied ich mich dennoch wie mein Gatte für das englische Frühstück – auf dieser Kreuzfahrt war das ja geradezu Pflicht. Das Rührei, die Tomate und die Würstl waren dann auch sogar sehr gut, der gebratene Speck und v.a. die Bohnen werden aber nie meine Freunde werden. Draußen stürmte es so stark, dass man die Tische und Stühle aus dem Außenbereich der Sansibar weg gebracht hatte und wir konnten zwei Crewmitglieder dabei beobachten, wie sie einen der massiven Stehtische festschraubten. Dieser hatte sich zuvor selbständig gemacht und war vom Wind über das Außendeck geweht worden.
Eine Stunde später begaben wir uns ein Deck höher zur Poolbar auf einen Cappuccino. Dort trafen wir auch Lyudmil, dem wir einen Datenstick mit den Fotos vom Ausflug einen Tag zuvor übergaben, und besprachen unsere weiteren Pläne. Auch wenn es immer wieder kräftige Regenschauer gab wollten wir unbedingt an Land gehen und die Stadt ein bisschen erkunden.
Kirkwall mit seinen ca. 7045 Einwohnern liegt auf der Insel Mainland, der größten der Orkneys. Dieser aus ca. 70 Inseln bestehende Archipel gehört zu Schottland und liegt zwischen dem 85. und 59. Grad nördlicher Breite. Wir wollten hier lediglich einen kleinen Rundgang machen und die örtlichen Attraktionen in Augenschein nehmen. Und natürlich sollte das „Testen der regionalen Spezialitäten“ nicht zu kurz kommen. Vom gruseligen Wetter wollten wir uns dabei auf keinen Fall aufhalten lassen.
Um 12.45 Uhr gingen wir von Bord und fuhren mit dem von der lokalen Agentur organisierten und natürlich kostenlosen Shuttlebus vom Hafen ins Stadtzentrum zur Touristeninformation (Fahrzeit ca. 5 Minuten). Von dort aus gingen wir zuerst einmal Richtung Harbour Street und schlenderten von dort aus durch die schmalen Straßen, wo wir die schönen Gebäude und kleinen Geschäfte bewunderten. Leider war das Wetter für einen längeren Spaziergang zu schlecht und so steuerten wir, nachdem wir den obligatorischen Magneten erstanden hatten, bald die St.-Magnus-Kathedrale an. Leider meldete sich meine Blase und ich sah mich leider dazu gezwungen, eine öffentlich Toilette aufzusuchen. Diese „Örtlichkeiten“, die man zumeist schon von der Weite riechen kann, sind mir eigentlich ein Graus, aber es half alles nichts, der Druck war zu groß. Am Ende war ich mehr als erleichtert – der Raum für die Damen war sehr sauber, es gab weiches (!!) Toilettenpapier und der typische Geruch fehlte komplett. Das hatte ich jetzt nicht erwartet. Wow! Deshalb bekommt Kirkwall von mir die Auszeichnung „Best öffentliches Scheißhaus ever“ verliehen (bisheriger Spitzenreiter war übrigens Road Town, Tortola, British Virgin Islands).
Die Kathedrale von Kirkwall, die dem Heiligen St. Magnus geweiht ist, ist ein prächtiger Bau aus einem Gemisch aus nordwesteuropäischen, romanisch-normannischen und frühen gotischen Stilen. Wir ließen uns viel Zeit bei unserem Gang durch das Gebäude aus rotem und gelbem Sandstein (Baubeginn 1137) und bewunderten ausgiebig die vielen kleinen Details. Als wir wieder ins Freie traten stellten wir verwundert fest, dass sich die Sonne durch die dunklen Wolken gekämpft hatte. Das waren gute Voraussetzungen für unseren nächsten Programmpunkt: Bishops's and Earl's Palaces, gleich gegenüber der Kathedrale. Leider zog aber nach kurzer Zeit bereits der nächste Regenschauer über uns hinweg, was meine Lust auf alte Steine arg trübte. Bevor wir gänzlich durchnässt waren, beschlossen wir unseren Ausflug in die Vergangenheit der Orkneys abzubrechen. Gerade in diesem Moment sah ich einen Regenbogen über den Häusern von Kirkwall am Himmel. Das war ein Zeichen! Mir war sofort klar, was es bedeutete - wir sollten uns auf die Suche nach dem Topf voll Gold machen! Und genau das taten wir auch.
Nach einem kurzen Fußmarsch fanden wir das „Auld Motorhoose“ und nachdem wir den Gastraum betreten hatten wusste ich, dass wir hier richtig waren. Die nette Dame hinter dem Tresen konnte uns dann auch tatsächlich weiter helfen. Okay, das was dann am Ende vor uns stand war zwar kein Topf mit Gold, sondern zwei Gläser mit Swannay Scapa Special Pale Ale, aber wir hätten in diesem Moment gar nicht glücklicher sein können. Das Bier schmeckte wirklich hervorragend und das Pub machte einen gemütlichen Eindruck. Wir kamen auch schnell mit Einheimischen ins Gespräch, auch wenn die anfangs etwas schwer zu verstehen waren, aber das wurde mit jedem Schluck vom flüssigen Gold besser. Mit Freude stellten wir fest, dass das Auld Motorhoose die perfekte Kneipe für uns war: nette Leute, gute Musik und verdammt süffiges Bier. Hier würde sich auch unser Freund Flo wohl fühlen. Der Laden füllte sich immer mehr und plötzlich hörte ich eine vertraute Sprache. Ich begutachtete neugierig das Paar, das sich nicht weit von uns entfernt an einen Tisch setzte. Die beiden kamen eindeutig aus Deutschland. Der Mann holte dann direkt neben mir am Tresen die Getränke und fiel aus allen Wolken als er mitbekam, dass wir auch deutsch sprachen. Er hatte uns doch tatsächlich für Einheimische gehalten. (Darüber werde ich mich den Rest meines Lebens amüsieren!) Natürlich wollte er wissen, ob wir unseren Urlaub in Kirkwall verbringen würden und konnte es dann kaum glauben, dass wir – wie übrigens auch er und seine Frau – Passagiere auf der Europa 2 waren. Manchmal täuscht eben der erste Eindruck! Nach dieser Begegnung war meine Laune so richtig gut und wir genossen den weiteren Nachmittag in vollen Zügen. Dabei machten wir auch noch die Bekanntschaft eines netten Kerls mit grünem Irokesenschnitt und nur einem Auge, der uns neugierig ausfragte und uns dann auch noch Kneipenempfehlungen für den nächsten Hafen gab. Leider und für mein Empfinden viel zu früh mussten wir uns dann vom Auld Motorhoose und unserem neuen einäugigen Kumpel verabschieden. Und nachdem Gerald noch herzlich geknuddelt wurde verließen wir die Kneipe und gingen wieder zur Touristeninformation.
Mit dem letzten Shuttlebus fuhren wir zurück in den Hafen, wo ich noch ein paar Fotos von der Europa 2 machte. Als wir pünktlich zum Landgangende um 17.30 Uhr über die Gangway an Bord gingen witzelte ich noch rum, dass sie nun eigentlich die Schotten dicht machen könnten, weil wir ja nun da wären. Und tatsächlich, als mein Gatte seine Karte eingescannt hatte, ertönte der Ruf „All on Board!“ Ich brach vor Lachen fast zusammen!
Da wir ziemlich hungrig waren gingen wir ohne Umwege gleich in die Sansibar auf einen Cappuccino und eine leckere Trüffel-Pizza. Von dort aus verfolgten wir auch das Ablegen um 18 Uhr und kehrten dann in unsere Suite zurück, um uns für das Abendessen umzuziehen. Gegen 18.40 Uhr ergatterten wir im Yacht Club einen tollen Platz im am Fenster. Da es doch relativ frisch war, saßen keine Leute im Außenbereich und so hatten wir einen traumhaften Ausblick auf die Heckwelle. Da schmeckte mir natürlich mein Dry-aged-Rinderfilet vom Grill mit Kartoffelbällchen besonders gut. Als „Nachspeise“ gönnte ich mir noch ein paar Leckereien vom kalten Buffet (Königskrabbenbeine und so) und dann war mein Magen voll und ich mit der Küche zufrieden.
Nach unserem lustigen Landgang waren sowohl Gerald als auch ich ziemlich müde und mein Gatte zog sich dann auch nach einem doppelten Espresso an der Poolbar in unsere Kabine zurück. Ich entschloss mich, noch ein bisschen zu bleiben, mir ein paar Notizen für diesen Bericht zu machen, Leute zu beobachten und meinen Cocktail-Horizont zu erweitern. Getestet wurde ein „Vodkerol“ (Vodka, Aperol, Maracujasirup, Limettensaft und Orangenzeste) und dieser kam auch sofort auf meine Liste für Drinks an warmen Tagen. Feines Zeug! Es wurde noch ein wunderschöner Abend mit tollen Gesprächen und lustigen Erlebnissen an der Bar, der mit lateinamerikanischen Rhythmen von einem Teil der Bordband Ozeania unter dem Motto „Bossa Nova“ ab 20.30 Uhr begleitet wurde. Zu späterer Stunde zog es mich noch auf einen Absacker in die Sansibar, wo der Spaß mit meinen Kölner Freunden weiter ging. (Stichpunkte zu diesem Abend: Erst Arktis, dann Antarktis. Auf den Philippinen waren Familien von Crewmitgliedern an Bord, teilweise hatten die Väter Ihre Kinder noch gar nicht gesehen. Cong macht sich auf die Suche nach Gästen.) Als ich endlich in meine Koje fiel, war ich rundum glücklich und mein Kopf war voll mit vielen schönen Erinnerungen …
Wetter: sehr wechselhaft bei Temperaturen bis ca. 14°C
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17.09.2018 Newhaven (Edinburgh) / Schottland / Großbritannien
„Dùn Èideann“
An diesem Morgen bequemte ich mich erst gegen 9.30 Uhr aus dem Bett und begutachtete vom Balkon aus die Umgebung. Die Europa 2 lag seit ca. 8 Uhr vor Newhaven auf Reede und von hier aus wollten wir später ins Zentrum der schottischen Hauptstadt Edinburgh fahren. Aber zuerst einmal stand ein spätes Frühstück in der Bar mit den gekreuzten Säbeln auf dem Programm. Eine „Sansibar“ Currywurst mit Pommes Frites schien uns die ideale Grundlage für den Landgang zu sein.
Edinburgh, die zweitgrößte Stadt Schottlands, hat ca. 493000 Einwohner und liegt an der Ostküste des Landes. Da es in dieser Stadt so viele Sehenswürdigkeiten gibt, dass man wahrscheinlich mindestens eine Woche braucht, um alleine die wichtigsten davon abzuklappern, hatten wir uns dazu entschlossen, uns einfach bei einem kleinen Spaziergang einen ersten Eindruck zu verschaffen. Gegebenenfalls mussten wir eben noch einmal hier her kommen.
Um 12 Uhr fuhren wir mit dem Tender an Land in den Stadtteil Newhaven, inspizierten erst einmal die Gastronomie in der Nähe des Anlegers und warteten dann auf unseren Transfer ins Stadtzentrum. Dummerweise standen wir vor dem falschen Bus, worauf uns aber ein sehr netter Busfahrer aufmerksam machte. Da hätten wir eigentlich auch selber bei genauer Betrachtung darauf kommen können. Und so fuhren wir dann um 12.30 Uhr nicht fälschlicherweise zur Royal Yacht Britannia, sondern wie geplant Richtung Old Town. Auf der ca. 30 Minuten dauernden Fahrt konnten wir von der Weite einen kurzen Blick auf die Nautica von Oceania Cruises werfen, die im Hafen lag und mir fiel außerdem die hohe Kneipendichte und die vielen Kebab-Läden auf. (Nette Anekdote am Rande: Mann zu seiner Frau, dem Dialekt nach aus dem Ruhrpott „Was machst du denn so viele Fotos? Da nehmen wir welche von zu Hause, da sieht es genauso aus.“)
Der Shuttlebus hielt in der Nähe der Princes Street, doch die bekannte Einkaufsstraße ließen wir links bzw. rechts liegen und gingen über die North Bridge in die Old Town. Die wunderschönen alten Gebäude und der Blick auf die Burg waren wirklich beeindruckend, auch wenn nach den eher kleinen Destinationen der letzten Tage die Menschenmassen etwas befremdlich auf mich wirkten. In einem Souvenir-Shop bei der Brücke über die Bahngleise erstand ich den obligatorischen Magneten und ein Armband und ein Stück weiter zog uns dann ein Schnapsladen nahezu magisch an. „The Gin Company“ war das reinste Paradies und wir konnten es nicht lassen und mussten einfach zwei „Gin-to-go“ kaufen. Beim Bezahlen sprach der nette junge Mann Gerald an und am Ende verstanden wir sogar, was er wollte. Ihm war die Assassins Creed-Jacke meines Gatten aufgefallen und die beiden mussten dann natürlich über ihre gemeinsamen Lieblingsspiele erst einmal fachsimpeln. Ich mag die Schotten!
Anschließend spazierten wir die Royal Mile entlang und genossen einfach nur das Treiben um uns herum. Wahnsinn! Das muss man einfach erlebt haben! Viele Touristen, Dudelsackspieler und andere Künstler, sogar Yoda höchstpersönlich schwebte hier herum. Dazu die prächtigen Bauten wie z.B. die St. Giles Cathedral – ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst sehen sollte.
Nachdem wir die Altstadt ausgiebig bewundert hatten fuhren wir mit dem Shuttlebus wieder zurück nach Newhaven. Es standen schließlich noch zwei Punkte auf unserer To-do-Liste und darum wollten wir uns nun kümmern.
Kaum waren wir aus dem Bus gestiegen steuerte mein Gatte dann auch zielsicher das Restaurant „The Fishmarket“ an, wo er eine Portion Fish and Chips zum Mitnehmen erstand (No, no, no – YES!), sich dann an einen der Tische vor dem Lokal setzte und sich mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht über sein Essen her machte. Ich selber hatte diese britische Spezialität noch nie probiert und war ebenfalls begeistert, als mir Gerald ein bisschen was davon abdrückte.
Das letzte Ziel unseres heutigen Landgangs lag nicht weit entfernt am Fishmarket Square gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. In freudiger Erwartung auf weitere lokale Spezialitäten in gepflegter Atmosphäre betraten wir das „Harbour Inn“ und wurden wieder einmal nicht enttäuscht. Nachdem wir uns an der Theke ein Bier organisiert hatten (für mich gab es zusätzlich noch ein T-Shirt), fanden wir ein gemütliches Plätzchen im hinteren Teil des Pubs und ließen den Tag noch einmal Revue passieren mit dem Fazit: Edinburgh – jederzeit wieder! Als Gerald eine weitere Runde Gerstensaft holte entdeckte er an der Bar das „Cheese Board“, das es im Harbour Inn jeden Montag gab, und so kamen wir sogar noch in den Genuss von ein paar leckeren Käsesorten. Ein echt netter Laden! Uns fiel auch wieder einmal auf, wie unterschiedlich die Gäste waren. Neben dem Mann im Anzug stand die Hausfrau mit ihren Einkaufstüten und beide unterhielten sich angeregt mit einem Kerl, der perfekt zu den Leuten auf unserer Norma-Wiese passen würde. Klassenunterschiede schienen hier keine Rolle zu spielen und das gefiel mir sehr gut. Auch eine andere Sache wurde mir beim Rauchen vor dem Pub wieder bewusst und zwar die unglaubliche Freundlichkeit der Schotten. Wie bereits in Kirkwall und auch Portree wurde ich von Passanten und Nachbarn gegrüßt als würde ich mit diesen Menschen jeden Samstag zusammen am Stammtisch saufen. Hier fühlte ich mich definitiv wohl!
Um 17.30 Uhr verabschiedeten wir uns vom Harbour Inn und dem riesigen „Lammhund“ (war entweder das eine oder das andere oder eine Kombination aus beidem, so genau konnte man das nicht erkennen), der vor dem Pub lag, und spazierten gemütlich Richtung Tenderboot. Dort angekommen konnte ich mir den Kommentar „Heute sind wir nicht die letzten!“ natürlich nicht verkneifen, worauf der anwesende Offizier grinsend „Aber fast!“ erwiderte. Lachend setzten wir uns ins Boot und dann ging es schon in rasanter Fahrt zurück zur Europa 2.
Zurück an Bord gingen wir auf unsere Kabine, wo Gerald ein wenig ruhen wollte und ich es mir mit einer Tasse Kaffee auf dem Balkon gemütlich machte. Auch wenn es ein wenig frisch war, so genoss ich dennoch den Ausblick und das Wechselspiel zwischen Sonne und dunklen Wolken. Als sich die Europa 2 von der schottischen Hauptstadt Edinburgh gegen 19 Uhr verabschiedete machten wir uns auf den Weg ins Weltmeere, wo wir uns ein letztes Mal ein mehrgängiges Menü in gehobener Atmosphäre gönnen wollten. Als Gruß aus der Küche wurde uns ein sehr leckeres Krustentierbällchen serviert, dem ich „Kresse á la créme“ mit sautierten Pfifferlingen, Melba Toast und Sauce Gribiche von der Tageskarte folgen ließ. Nach einer kleinen Erfrischung (Sorbet „Saint-Tropez“) genoss ich noch einmal die Spezialität des Hauses – das totgekuschelte piemontesische Rinderfilet. Ich liebe dieses Gericht! Gerald konnte natürlich dem (vom Hotel Direktor angekündigten) frischen schottischen Hummer von den Orkney Inseln mit Safranrisotto, Spinat und Mango-Chili-Buttersauce nicht widerstehen. Auch er war am Ende sehr zufrieden mit seiner Wahl und langsam aber sicher stellte sich mir die Frage, ob wir uns jemals wieder an „normales“ Essen würden gewöhnen können.
Nach unserem hervorragenden Dinner gingen wir zu Lyudmil ins Collins, wo ich u.a. den finnischen Gin Koskue testete. Feines Zeug und kein Vergleich zum getreidelastigen Whisky aus derselben Fabrik. Auch unsere „Freunde“ aus München leisteten uns mal wieder Gesellschaft und Madame beeindruckte uns erneut mit ihrer Intelligenz und einem Oberteil, das aussah wie eine Tischdecke. Beim Thema „Dosenweißwürste in der Sansibar“ gingen zwar die Meinungen auseinander, was aber unserer guten Laune keinen Abbruch tat. Durch ihren Hinweis, dass bei ihnen der Hund die Wursthaut bekommt, schoss sich Miss Tegernheim dann selber ins Aus und wir waren alles andere als traurig als die beiden das Collins wieder verließen. Um 23 Uhr gab es noch ein „Late Night Special“, das ich im Bordprogramm tatsächlich überlesen hatte. Ein Teil der Bordband machte gemeinsam mit Pianist Frank Tischer feinste Livemusik beim „Smokers-Delight Konzert“. Einfach nur der Hammer! Ohne Verstärker und technischen Schnickschnack spielten und sangen die Musiker in chilliger Wohnzimmeratmosphäre so gefühlvoll, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann.
Nach diesem Highlight zog sich Gerald in seine Koje zurück, während es mich noch in die Sansibar auf einen Absacker zog. Eigentlich wollte ich mich nicht all zu lange aufhalten, aber wie so oft wurde es dann noch so richtig amüsant mit zwei netten Herren aus Bielefeld und Hannover, die nicht gerade leise über den Manager von „Artistika of the Sea“ ablästerten, und dank der Decke von der netten Dame aus der Owner Suite war mir am Ende auch nicht mehr kalt. (Ich hätte auch eine eigene bekommen, aber die wollte ich genauso wenig wie das Jackett des netten Hannoveraners.) Ein wirklich schöner Abschluss für einen erneut unvergesslichen Tag auf dieser Kreuzfahrt.
Wetter: wechselhaft mit Sonne und Wolken bei Temperaturen bis ca. 19°C
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18.09.2018 Seetag mit Kurs auf Hamburg / Deutschland
„Chemtrails“
Diesen Tag würden wir komplett auf See verbringen und da zudem die Uhren in der Nacht eine Stunde vor gestellt worden waren, stand ich erst spät auf und wahrscheinlich auch nur deshalb, weil sich eine gewisse Leere in meinem Magen breit gemacht hatte. Dagegen half dann auch nur das späte Frühstück in der Sansibar, die wir gegen 11.30 Uhr ansteuerten. Bei Weißwürsten, Brezen, Händlmaier-Senf, Weißbier und einer Kanne Earl Grey erläuterte ich meinem Gatten meine Pläne für die kommenden Stunden, blätterte ein bisschen in der aktuellen Tageszeitung und füllte unseren Fragebogen zur Kreuzfahrt aus (der dafür „geborgte“ Kugelschreiber wanderte natürlich in meine Handtasche). Um 13.30 Uhr begaben wir uns ein Deck höher in den Yacht Club, um dort die nächste „Kleinigkeit“ zu essen – bei Gerald gab es Spanferkel und bei mir Rinderrücken-Churrasco mit Spätzle und Spinat. Gekrönt wurde unser Mittagsmahl dann noch durch ein Eis. So lässt es sich leben, nur leider explodiert man wohl irgendwann. (Notiz am Rande: Die Karaffe mit Baileys muss irgendwo ein Loch haben. Außerdem kann man Kinderschokoladeeis wunderbar in Eierlikör ertränken.) Später machen wir es uns an der Poolbar bei einem Espresso bequem und quatschten ein bisschen mit der Crew („Ihr fahrts aber scho länger mit uns?“). Den unangenehmen, aber leider unvermeidlichen Teil der Kreuzfahrt schoben wir weit weg von uns und genossen lieber die entspannte Stimmung, während das Schiff leicht schwankend durch die bewegte See fuhr. Den Lacher des Tages lieferte dann mein Gatte, der doch tatsächlich seinen Bartkamm anstatt der Bordkarte eingesteckt hatte.
Von 15 bis 17 Uhr war (wie bereits von 11 bis 13 Uhr) „offene Brücke“ und genau diese steuerten wir am Nachmittag dann auch an. Im Vergleich zu unserem Besuch im vergangenen Jahr waren deutlich mehr Passagiere gekommen, um den Arbeitsplatz von Kapitän Christian van Zwamen zu begutachten und einige Leute stellten dann auch ein paar verdammt dumme Fragen (ja, das geht tatsächlich, auch auf der E2). Mit Entsetzten musste ich feststellen, dass die „schäbige“ Teeküche immer noch nicht ersetzt worden war. Das Teil passt so überhaupt nicht auf dieses stylische Schiff, aber sie erfüllt wohl ihren Zweck – u.a. als Ablagemöglichkeit für zwei riesige Kaviardosen. Nachdem wir uns in aller Ruhe umgesehen und ausgiebig den sehr interessanten Geschichten des Kapitäns gelauscht hatten, gingen wir auf Deck 4 zur Rezeption, wo wir unseren Fragebogen abgaben und noch ein paar Kleinigkeiten klären konnten. Laut den beiden netten Mädels gibt es an Bord wohl keine Ausnüchterungszelle und Alufolie für einen Hut zum Schutz gegen Chemtrails wird gerne organisiert (Die halten uns nun wahrscheinlich für komplett irre!).
Wieder zurück in unserer geliebten Suite half nun kein Jammern und Verzögern mehr, die Koffer mussten gepackt werden. Der Seegang war im Laufe des Tages stärker geworden und und meine Laune wurde immer schlechter wie am Ende jeder Kreuzfahrt. Um 18 Uhr hatten wir bis auf ein paar Kleinigkeiten und das Handgepäck alle unsere Sachen in den Koffern verstaut und beschlossen, den Abend mit einem Drink in der Sansibar zu beginnen.
Dort angekommen bedankten uns erst einmal bei Sebastian für den tollen Service während unserer Reise („Soll ich schon mal die Vaseline holen?“) und ich konnte einfach nicht widerstehen und bestellte mir eine letzte Trüffel-Pizza. Außerdem tauchten noch ein paar Crewmitglieder mit kleinen Häppchen auf. Wer auf diesem Schiff verhungert ist definitiv selber schuld! Nach einer Stunde zogen wir weiter in den Yacht Club, um ein letztes Mal das Abendbuffet zu plündern. Neben ein paar Jakobsmuscheln vom Grill wanderten u.a. noch eine kleinere Auswahl an Käse, ein Schälchen mit Scheiben vom Elchrücken auf Rotkohl sowie die obligatorischen Chili-Garnelen, für die immer Platz ist, in meinen Magen. Dann war ich voll bis zum Anschlag und fing jetzt schon an, den Küchenchef und seine Mannschaft zu vermissen.
Gemütlich schlenderten wir nach unserem Abendmahl auf Deck 4 ins Collins, um dort den letzten Abend ausklingen zu lassen. Zum Abschluss dieser Kreuzfahrt wollte ich meinen Gin-Horizont noch ein wenig erweitern und nach ausgiebigem Studium der umfangreichen Barkarte entschied ich mich für einen Darnley's View mit Fentimans. Ich war begeistert und zwar nicht nur vom Gin, sondern auch vom kleinen Exkurs in die schottische Geschichte, die es von Lyudmil noch gratis dazu gab. Die nette Kölnerin vom Flug nach Dublin gesellte sich auch eine ganze Weile zu uns, erzählte uns von ihren insgesamt 14 Kreuzfahrten mit der Hanseatic und gab uns wertvolle Tipps zum Thema Expeditionen. Ist schon irgendwie lustig, dass sich diese gebildete und offensichtlich vermögende Dame lieber mit uns als mit den Münchnern unterhalten wollte. Harrharr!
Als uns Lyudmil unsere letzten Drinks des Abends mixte wurde er dabei neugierig von einem älteren Ehepaar beobachtet, das mittlerweile neben uns an der Bar Platz genommen hatte. Sie kannten den „Royal Navy Fog Cutter“ bis dahin noch nicht und wollten neben den genauen Zutaten (Schnaps, Schnaps und noch mehr Schnaps, sowie Zitronensaft, Orangensaft und Mandelsirup) auch noch wissen, ob dieser Drink häufig nachgefragt werde. Unser Lieblingsbarchef musste gestehen, dass nur wenige Leute danach fragen würden, also eigentlich nur die Familie Lehner. Ich fiel vor lauter lachen fast vom Stuhl und war ziemlich erstaunt, als sich die beiden auch zwei Gläser bestellten und zwar zum Mitnehmen. Sie wollten noch ein bisschen auf ihrer Veranda sitzen und die Sterne bewundern, sagten sie. Ob die noch irgendwas außer Nebel sehen konnten, werden wir wohl nie erfahren.
Leider mussten wir uns am Ende dann von Lyudmil verabschieden, was mich richtig traurig machte. Die Gespräche mit ihm werde ich bis zu unserer nächsten Kreuzfahrt wirklich vermissen.
Wieder zurück in unserer Suite ging es der von Hapag-Lloyd gestifteten Flasche Champagner an den Kragen und nachdem wir unsere Koffer vor der Tür platziert hatten, setzte ich mich noch auf die Veranda. Nach all den wunderschönen Erlebnissen der vergangenen Tage war ich unbeschreiblich glücklich und angesichts des Endes dieser Kreuzfahrt auch zugleich traurig. Und während die Europa 2 an einem Leuchtturm vorbei in die Elbe fuhr prostete ich dem Mond zu und lies mich dann mit einem Lächeln im Gesicht und einer Träne im Auge in meine Koje fallen.
Wetter: bewölkt bei Temperaturen bis ca. 19°C
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19.09.2018 Hamburg / Deutschland
„And a part of me will stay here“
Als ich gegen 6 Uhr wach wurde hatte die Europa 2 ihr Ziel, den Hamburger Hafen, bereits erreicht und ein traumhafter Sonnenaufgang lockte mich auf den Balkon. Nachdem ich einige Fotos gemacht hatte, verzog ich mich erst einmal ins Bad und begann dann die restlichen Habseligkeiten im Handgepäck zu verstauen.
Während Gerald uns vor dem Kreuzfahrtterminal Altona ein Taxi organisierte machte ich noch ein letztes Foto von der Europa 2 und dann ließen wir uns zum InterCity Hotel Hamburg-Altona fahren, das wir im Vorfeld gebucht hatten und bereits vom Vorjahr kannten. Hier wollten wir die kommende Nacht verbringen, bevor wir am nächsten Tag mit dem Zug nach Hause fahren würden. Wie erwartet war es kein Problem, unsere Koffer im Hotel abzugeben und die Formalitäten zu erledigen (Check-in erst ab 14 Uhr). Danach kümmerten wir uns um das Problem des verschollenen Zugtickets, was eigentlich gar kein Problem war, da uns der nette Mitarbeiter im Reisezentrum das Ticket neu ausdruckte, und tranken dann erst mal einen Kaffee. Später trafen wir uns noch mit meiner langjährigen Facebookfreundin Sylvia und hatten viel Spaß im Außenbereich der Gaststätte Möller bei ca. 30°C im Schatten. Nachdem wir dann am späten Nachmittag unser Gepäck ins Zimmer gebracht hatten ließen wir den Abend auf der Hotelterrasse gemütlich ausklingen.
Fazit:
Die MS Europa 2 und Ihre Crew überzeugten uns auch auf unserer dritten Fahrt. Natürlich findet man immer etwas zu kritisieren, aber auf diesem Schiff muss man dafür verdammt lange suchen. Der Service war wie gewohnt sehr aufmerksam, ohne aufdringlich zu wirken und all unsere Wünsche wurden zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Besonders für das leibliche Wohl wurde sehr gut gesorgt und wieder einmal durften wir eine kulinarische Reise auf höchstem Niveau erleben.
Das Durchschnittsalter der Passagiere war dieses Mal arg hoch und daher war die Stimmung teilweise vielleicht nicht ganz so ausgelassen. Dennoch war es eine lustige Fahrt und wir hatten so manche nette und v.a. informative Unterhaltung mit unseren Mitreisenden (auch wenn ich auf die ein oder andere Begegnung hätte verzichten können).
Unser besonderes Augenmerk lag dieses Mal auf der Route. Einmal im Leben Großbritannien umrunden, auf der Isle of Skye die Nase in den Wind halten – das war ein uralter Traum von mir und nun war er Wirklichkeit geworden und es hätte gar nicht schöner sein können! Jede einzelne Destination hatte ihren ganz besonderen Charme und ist definitiv einen erneuten Besuch wert. Die größte Überraschung der Fahrt war für mich Belfast. Ich hatte ein völlig falsches Bild dieser wunderschönen Stadt mit ihren sympathischen Einwohnern in meinem Kopf. Aber genau deshalb machen wir ja auch Kreuzfahrten: Neues entdecken und alte Vorurteile überwinden!
Dies war nun schon unsere 15. Kreuzfahrt und jede davon hatte ihre ganz besonderen Momente und Highlights, aber am Ende dieser Reise waren Gerald und ich uns einig: Die Kreuzfahrt ans Ende des Regenbogens war definitiv die schönste von allen.
In diesem Sinne: Torf und Malz, Gott erhalt's!
Am Ende meines Berichts möchte ich mich bei Kapitän Christian van Zwamen und der restlichen Crew der MS Europa 2 für diese unvergessliche Kreuzfahrt bedanken. Besonders erwähnen möchte ich hier den Barchef vom Collins, unseren lieben Freund Lyudmil – ich freue mich schon sehr auf hoffentlich viele lustige und informative Gespräche auf unserer nächsten gemeinsamen Fahrt.
Mein Dank gilt natürlich auch besonders meiner Mutter fürs Wohnungshüten.
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Und ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich mich wieder melden... wenn wir wissen, wo das Wetter her kommt...
Und nicht vergessen: „A dream is all we need!“
© Sabine Lehner 2019


