„Feuer und Wasser“ mit der MS Europa 2 vom 10.10. bis 23.10.2019
Bilbao – Gijón - A Coruña - Leixões - Praia da Vitória - Ponta Delgada – Funchal - Cádiz – Lissabon
Bilbao – Gijón - A Coruña - Leixões - Praia da Vitória - Ponta Delgada – Funchal - Cádiz – Lissabon
19.10.2019 – Funchal / Madeira / Portugal
„Taxi!“
Gegen 8 Uhr legte die Europa 2 an diesem Morgen in Funchal (ca. 112000 Einwohner) auf der portugiesischen Insel Madeira an - leider wegen einer Großveranstaltung in der Stadt (ETU Sprint Triathlon European Cup Final) am Cruise Terminal und nicht wie gehofft beim CR7 Museum. Aber diese Kleinigkeit trübte unsere Freude auf die kommenden Stunden nicht wirklich. Wir hatten so viele schöne und lustige Erinnerungen an diese Stadt und die wollten wir bei einem gemütlichen Spaziergang wieder auffrischen und hofften natürlich, auch ein paar neue Erfahrungen hinzufügen zu können.
Wir begannen unseren Tag mit einem Omelette und einer Kanne Earl Grey im Außenbereich der Sansibar und planten unseren Landgang. Dummerweise vergaßen wir dabei ein wichtiges Detail, was wir aber erst später merken sollten. (Notiz am Rande: Die Klassikversion von Despacito vom vergangenen Abend war irgendwie besser als das Original) Hotel Manager Josef Gruber gesellte sich auch eine Weile zu uns und wir unterhielten uns ein bisschen über Gott und die Welt bzw. Madeira.
Bevor wir gegen 12 Uhr an Land gingen musste ich noch eine Kleinigkeit an der Rezeption erledigen. Da wir unsere Kreuzfahrten mittlerweile ohne unseren Freund Jens machen, darf mir dieser neuerdings eine kleine Aufgabe mit auf die Reise geben. Nachdem ich im vergangenen Jahr bereits die Frage nach einer Ausnüchterungszelle an Bord klären konnte, sollte ich dieses Mal herausfinden, ob es Kondome mit der Aufschrift „Europa 2“ auf der Verpackung auf dem Schiff gibt. Nach einem kurzen Moment der Irritation verneinten die Damen an der Rezeption meine zugegeben verrückte Frage mit großem Gelächter und spätestens nach dieser Aktion hielt mich wohl die komplette Crew für total irre. War mir aber egal!
Vom Terminal aus spazierten wir zuerst einmal gemütlich zum „Praça do Mar“, wo sich die Statue des bekannten portugiesischen Fußballspielers Cristiano Ronaldo befindet. Während wir ein paar Fotos machten, fiel uns plötzlich wieder ein, dass wir etwas wichtiges auf dem Schiff vergessen hatten, nämlich die Akku-Flex! Verdammt!! Dann durfte er eben seine Eier behalten.
Nach einem Glas Madeira, das wie gewohnt aufs Haus ging, und nachdem wir hoch und heilig versprochen hatten wieder zu kommen, spazierten wir weiter. Auf meiner To-do-Liste stand noch ein ganz wichtiger Punkt und schließlich wurde ich in einem weiteren Souvenirshop auch endlich fündig und erstand für mein Patenkind Annika die versprochene Handtasche.
Natürlich wurde es am Ende dann doch zeitlich etwas knapp und wir fuhren mit dem Taxi zurück zum Schiff (inkl. kleiner Stadtrundfahrt aufgrund der vielen Absperrungen wegen des Triathlons), wo wir gerade noch pünktlich, allerdings nicht als die letzten an Bord gingen.
Das Ablegen um 18 Uhr genossen wir von unserem Balkon aus und freuten uns über diesen lustigen Tag, den wir in Funchal verbracht hatten. Wir beschlossen, den Abend ruhig und gemütlich bei einem kleinen Snack und ein oder zwei Gin Tonics ausklingen zu lassen. So war jedenfalls der Plan, aber bekanntlich kommt es meistens anders als man denkt.
Wetter: sonnig bei Temperaturen bis 26°C
(3)
20.10.2019 – Seetag mit Kurs auf Cádiz / Spanien
„Im Motor“ oder „Irgendwie bin ich nüchtern auch besoffen“
Als wir an diesem letzten Seetag gegen Mittag aus unserer Koje krochen wurde uns bewusst, dass wir zwar noch feiern konnten wie die Jungen, aber wir konnten auch nicht verleugnen, dass wir mittlerweile alt geworden waren. Verdammt! Der übermäßige Alkoholkonsum und die lange Partynacht machte sich in jeder Zelle meines Körpers bemerkbar. Aber egal, schön war es!! Nach einer schnellen Dusche gingen wir zum Essen in den Yacht Club und langsam kam wieder Leben in meine müden Knochen.
Um 13.55 Uhr hatten wir dann einen wichtigen Termin für den wir uns mit den anderen Teilnehmern auf Deck 3 vor den Aufzügen beim Hospital trafen. Pünktlich wurden wir dort von Chief Engineer Hagen Franke zur Maschinenraumführung abgeholt und zunächst in den Kontrollraum geführt, wo er uns ca. eine Stunde lang einen sehr informativen und auch lustigen Vortag hielt und wir natürlich auch dumme Fragen stellen durften. Irgendwie war das alles viel ausführlicher und interessanter als ich es mir vorstellt hatte (Bakterien werden übrigens seekrank!).
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir in unserer Suite bzw. auf dem Balkon. Es war sonnig und warm, nur ab und zu regnete es leicht. Ich hörte ein wenig Musik, schrieb wirres Zeug in mein Reisetagebuch und genoss den Blick auf die Heckwelle.
Um 18.30 Uhr waren wir zum traditionellen Club-Cocktail des Hapag-Lloyd Cruises Club eingeladen und waren natürlich überpünktlich im Theater. Für die musikalische Umrahmung war unser Fußball-Kumpel Konstantinos zuständig und es wurden leckere Häppchen (u.a. Jakobsmuscheln) und natürlich Champagner gereicht. Kapitän Jörn Gottschalk begrüßte die Clubmitglieder und brachte uns mit seinen lockeren Spüchen immer wieder zum Lachen (zu Konstantinos bzgl. dessen Namen „Habe ich das jetzt richtig gesagt???“). Außerdem informierte er und Cruise Sales Managerin Ariane Trettin uns über aktuelle Neuigkeiten und bevorstehende Club-Reisen. Am Ende der Veranstaltung hatte man auch noch die Möglichkeit, sich mit dem Chef fotografieren zu lassen.
Wir waren erst nach unserer Kreuzfahrt 2018 dem Hapag-Lloyd Cruises Club beigetreten und fragen uns heute, warum wir das nicht schon viel eher gemacht hatten. Im Gegensatz zur Mitgliedschaft in Clubprogrammen vieler anderer Reedereien muss man hier einen jährlichen Beitrag zahlen, allerdings hat man dafür auch einige Vergünstigungen und sammelt Punkte, die man dann in Bordguthaben umwandeln (und versaufen) kann.
Der Abend stand dann unter dem Motto „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden...“ (Oscar Wilde) Da dazu hin und wieder auch Kaviar gehört, wurde die luxuriöse Spezialität erneut in allen Restaurants serviert. Wir suchten uns einen Platz im Yacht Club und während ich mir meine Portion Fischeier schmecken ließ, meinte ich ohne groß darüber nachzudenken zu meinem Gatten, dass der Kaviar auf dieser Reise sehr gut schmecken würde. Gerald stimmte mir zu und plötzlich mussten wir beide an eine ganz bestimmte Situation auf unserer ersten Kreuzfahrt mit der Europa 2 denken. Damals meinte die Dame am Nebentisch im Tarragon über den servierten Kaviar, dass sie schon besseren gehabt hätte. Wir konnten das damals nicht so wirklich nachvollziehen und fühlten uns ein bisschen komisch in dieser für uns völlig neuen dekadenten Welt. Nun waren wir offensichtlich auch ein Teil davon. Verrückt!
Nachdem ich mich mal wieder völlig überfressen hatte gingen wir ins Collins, wo wir den Abend gemütlich ausklingen lassen wollten. Lyudmil erzählte uns augenzwinkernd, dass jemand aus der Sansibar in der vergangenen Nacht bei ihm eine Flasche Jägermeister geholt hatte, weil die Nachfrage wohl ungewöhnlich hoch gewesen war. Also wir konnten uns so überhaupt nicht vorstellen, welche Gäste da wohl daran beteiligt gewesen waren. Muhahahaha! Für weitere Erheiterung und ungläubige Blicke an der Bar sorgte später auch noch der ganz spezielle Wunsch einer Passagierin, die ein Cola ohne Kohlensäure bestellte. Da auf diesem Schiff (fast) nichts unmöglich ist, füllte Lyudmil also Cola in eine Karaffe und rührte mit einem Löffel die Blubberbläschen heraus. Dabei erzählte er uns von einer Dame vor mehreren Jahren auf der MS Deutschland, die unbedingt ein körperwarmes Bier wollte und unseren Lieblingsbarkeeper fast zur Verzweiflung brachte, da die Temperatur bei keinem seiner Versuche zu passen schien. Am Ende servierte er ihr das gewünschte Getränk mit einem Thermometer (eigentlich zur Kontrolle der Geschirrspüler) darin und sie war mit dem 37°C warmen Bier endlich zufrieden. Es gibt echt seltsame Leute, da sind wir im Vergleich dazu ja schon fast normal, aber nur fast! Auch an diesem Abend war der Gast glücklich und wir hatten wieder einmal einen lustigen Abend an der Bar verbracht.
Wetter: wechselhaft bei Temperaturen bis 18°C
(3)
21.10.2019 – Cádiz / Spanien
„Uptown Funk“
Während eines traumhaften Sonnenaufgangs lief die Europa 2 an diesem Morgen in den Hafen von Cádiz in der Autonomen Region Andalusien ein, was ich von unserem Balkon aus verfolgte.
Um 10 Uhr packten wir unsere Sachen und gingen zunächst einmal in den Yacht Club, um uns für den Landgang zu stärken. Nach ein paar Shrimps, Lachs, Roastbeef und einem Egg Benedict plauderte ich noch ein bisschen mit Frau O. aus einer der Owner Suiten, die sich nicht an meinem Landgangoutfit (schwarzes Unterhemd, Tarnhose) zu stören schien. Anschließend besprachen wir noch kurz bei einem Espresso an der Poolbar die Pläne für den Tag und ich machte zahlreiche Fotos von den anderen Schiffen, die mit uns im Hafen lagen. (Mein Schiff 2, ein Segelschiff, einige Kriegsschiffe, die wohl Teil eines NATO-Manövers waren und die Oasis of the Seas im Trockendock).
Cádiz ist eine wirklich schöne Stadt, nur waren mir hier schon fast zu viele hektische Leute unterwegs. Die Erinnerungen an die Azoren waren wohl noch zu frisch. Es war dann wirklich reiner Zufall, dass wir auf unserem Rundgang schließlich bei der „Bar-Cafetería Molero's“ landeten, wo wir 2015 mit unserem Freund Jens eine schöne Zeit verbracht hatten. Es ging natürlich gar nicht anders und wir mussten uns einfach an einen Tisch im Außenbereich setzen. Ich lächelte den Kellner freundlich an und bestellte auf Spanisch zwei Gläser Weißwein für uns, die auch schnell gebracht wurden. Während wir unseren Traubensaft genossen wurden wir dabei von einem muffig schauenden, offensichtlich deutschen Touristen an einem der anderen Tische beobachtet. Er wollte wohl auch etwas bestellen, wurde aber vom Kellner komplett ignoriert. Nach einiger Zeit stand er brummend auf und suchte sich wahrscheinlich ein anderes Lokal, wo man ihn dann auch hoffentlich beachtete. Nur komisch, dass der „böse“ Kellner zu uns sehr freundlich war. Lag wohl an meinem hervorragenden Spanisch. Hahahaha!
Nachdem wir gezahlt hatten spazierten wir weiter, erstanden in einem Souvenirladen einen Anker und beschlossen schließlich, uns im „Muelle Uno“ an der Hafenpromenade noch einen überzulegen. Die Stühle im Außenbereich waren unerwartet sehr bequem und der Service äußerst aufmerksam. Wir beobachteten das Treiben um uns herum (u.a. die „illegalen“ Sandhaufen, die an uns vorbeigefahren wurden – siehe 2015), verzichteten auf den Erwerb einer exklusiven Uhr, die uns ein schwarzer Mann anbot und ich war etwas verwundert, dass ausnahmsweise keine bekannten Gesichter vom Schiff an uns vorbei kamen. Der nette Kellner half mir sogar noch, meine grottigen Sprachkenntnisse zu verbessern, als wir noch eine weitere Runde Wein bestellten und Gerald konnte es wie schon in Funchal nicht lassen, eine Taube anzulocken. Ob die uns das Teil wohl an Bord auf den Grill packen würden?
Um das Hafengelände wieder betreten zu dürfen, mussten wir unsere Bordkarten vorzeigen. Sowohl wir als auch unsere Karten wurden von einem Security-Mann, der uns anscheinend schon zum Eingang für die Mein-Schiff 2-Passagiere schicken wollte, argwöhnisch begutachtet, letztendlich durften wir aber doch passieren. Während sich mein Gatte dann in den Schatten setzte machte ich gefühlte 1000 Fotos vom besten Kreuzfahrtschiff der Welt und war unendlich glücklich, dass es uns möglich war, mit diesem Schiff zu fahren.
Wieder an Bord gingen wir zunächst kurz in unsere Suite und machten es uns dann an der Poolbar bequem. Mein Gatte entschied sich, eine knusprige Vanillewaffel zu testen und ich holte mir aus dem Yacht Club eine Kugel Amarena-Kirsch-Eis, die ich natürlich in Baileys ertränken musste. So lässt sich das Leben genießen!
Während Gerald sich später auf unsere Suite zurück zog, spazierte ich ein bisschen über die Außendecks, erfreute mich am tollen Ausblick auf die Stadt und genoss dann die Sonne auf unserem Balkon.
Später am Nachmittag machte ich erneut einen kleinen Rundgang, bestellte mir anschließend an der Poolbar einen Aperol Spritz und ließ diese Kreuzfahrt Revue passieren. Wir waren nun schon fast am Ende angelangt und hatten so viele unbeschreiblich tolle Momente erlebt und so viel Schönes gesehen. Aber wieder einmal hatten wir es nicht ins Spa geschafft und im Pool war ich auch nicht gewesen. Wo war die Zeit nur hin? Eigentlich waren zwei Wochen auch viel zu kurz für eine Kreuzfahrt, auch wenn meine Leber und meine Waage da wahrscheinlich anderer Meinung waren. Bevor ich mich zu sehr in Gedanken verlor beobachtete ich dann doch lieber das muntere Treiben um mich herum. Das Pooldeck war mittlerweile gut gefüllt und ich amüsierte mich sowohl über einen Kerl mit Aida-Schlappen als auch über den Versicherungsvertreter und seine muffige Frau, die sich gegenseitig anschwiegen. Letztere gehörten wahrscheinlich zu den Passagieren, die sich beschwert hatten, dass auf dieser Fahrt keine richtige Stimmung aufgekommen war. Das konnten wir mal so gar nicht bestätigen, wir hatten definitiv unseren Spaß gehabt. Wenn man Party machen will sollte man auch mal auf andere Leute zu gehen und nicht nur mit hängenden Mundwinkeln in seinen Drink starren. Nur so als kleiner Tipp!
Nachdem sich Gerald und auch ich für den Abend in Schale geworfen hatten beschlossen wir, uns das Ablegen um 19 Uhr vom Außenbereich der Sansibar aus anzusehen. Mit einem Bellini in der Hand genoss ich bei herrlichem Wetter ein letztes Mal die Auslaufhymne „We are the sun“ und winkte grinsend zur Mein Schiff 2 rüber.
Vor uns lag noch ein langer Abend und unser nächstes Ziel war der Yacht Club. Ich startete mein Mahl mit einer „Paella-Probierportion mit allem“ und holte mir dann an der Grillstation ein Wagyu Rib Eye Steak mit grünem Spargel. Ein Traum!! Ich war im siebten Rinderhimmel und lobte mal wieder die Küche in höchsten Tönen. Als Nachspeise gönnte ich mir noch einen marinierten Calamari-Salat und erfreute mich beim Essen am Anblick des „Motormuskels“. (Musste dieser Maschinenwartungskerl unbedingt so ein enges Shirt tragen???). Anschließend bestellten wir uns an der Poolbar einen Espresso und ich hätte mich beim Rauchen beinahe mit dem Schlagzeuger der Bordband verratscht. Auf dem Weg Richtung Collins blieben wir dann bei Konstantinos im Foyer hängen und beschlossen, uns einen Wodkerol und eine Apotheke an der Pianobar zu gönnen. Natürlich spielte unser Freund „Way way“ für mich und ein paar Erinnerungsfotos mussten wir natürlich auch machen.
Um 22 Uhr fand im Theater die große Verabschiedung durch den Kapitän inklusive Ziehung der Gewinner der Verlosung statt. Wir waren frühzeitig vor Ort und ergatterten zwei Plätze in der ersten Reihe. Leider wurden unsere Losnummern nicht gezogen, aber dafür war die Ansprache von Kapitän Jörn Gottschalk informativ und lustig. Wir würden am Ende auf dieser Kreuzfahrt insgesamt 5298 km zurückgelegt haben, was in etwa der Strecke von Flensburg nach Kuwait entspricht („Es könnten Mautgebühren anfallen, darauf hat mich Google hingewiesen!“) und es war insgesamt eine relativ ruhige Fahrt mit maximal 4 Meter hohen Wellen („Wenn Sie hinterher im Golfclub sagen, es waren 10 Meter hohe Wellen, dann ist das aber auch okay!“).
Im Anschluss folgte die schnellste Show, die es auf der Europa 2 bisher zu sehen gegeben hatte: The Rollerboys „Uptown Funk“ und nun sollte auch klar sein, warum ich unbedingt auf einen Platz in der ersten Reihe wollte. Die Jungs legten sich so richtig ins Zeug und am Ende war auch Gerald begeistert und mir fehlen bis heute die Worte, um die Show zu beschreiben! Die haben es einfach drauf! Nach dem Auftritt konnte ich es natürlich nicht lassen, noch ein Foto mit den Rollerboys machen zu lassen und ich sparte natürlich nicht mit Lob für die grandiose Show. (Die bekommen definitiv mit, was in der ersten Reihe passiert!!!!)
Wir gingen dann noch auf einen Absacker zu Lyudmil ins Collins. Leider war das dortige „Smokers-Delight Konzert“ im Gegensatz zu unserer letzten Reise eher langweilig (Oder kam uns das nach der rasanten Show im Theater nur so vor?) und Gerald zog sich bald in seine Koje zurück. Ich ließ es mir selbstverständlich nicht nehmen, noch einen Sprung zur After-Show-Party in die Sansibar zu gehen und wie erwartet hatte ich noch viel Spaß. (Sex on the Beach? Das ist der Lieblingscocktail von meiner Mama!“ Muhahaha!)
Als ich es irgendwann zu sehr später Stunde endlich in meine Koje geschafft hatte, wurde aus dem Wetterleuchten, dass ich zuvor von Deck 8 aus bewundert hatte, ein fettes Gewitter und während es draußen krachte schlief ich mit Musik im Kopf und einen zufriedenen Grinsen im Gesicht ein.
Wetter: sonnig bei Temperaturen bis 20°C
(2)
22.10.2019 – Lissabon / Portugal
„Ein Familientreffen der exklusiven Art“
Wie oft hatte ich auf dieser Kreuzfahrt nun schon festgestellt, dass es eigentlich gar nicht mehr besser geht? Und wie oft hatte sich herausgestellt, dass das Leben bzw. Hapag-Lloyd immer noch einen drauf setzen kann? Nun, dieser Tag sollte die Krönung werden!
Wir hatten in der Nacht eine Stunde geschenkt bekommen und daher war ich auch schon um 9 Uhr bereit für die nächsten Schandtaten. Mein Gatte brauchte allerdings noch ein bisschen Ruhe, aber ich konnte ihn schließlich gegen 10 Uhr zu einem Frühstück im Yacht Club überreden. Anschließend gingen wir in die Sansibar, wo wir Pläne für den weiteren Tag schmiedeten und unsere Fragebögen ausfüllten, die wir dann auch gleich zur Rezeption brachten. Da wir nun schon mal auf Deck 4 waren, bestellten wir beim Foto Shop unser Bild mit dem Kapitän und statteten der Boutique einen Besuch ab. Bereits auf unserer Kreuzfahrt 2018 hatte ich die Armbänder mit den Ankern im Schaufenster bewundert und nun wollte ich diese endlich mal aus der Nähe betrachten. Da ich mich am Ende nicht entscheiden konnte, erstand Gerald zwei Stück für mich und ich war glücklich. Happy wife, happy life!
Zurück in unserer Suite war die Zeit für den unangenehmen Teil einer Kreuzfahrt gekommen – die Koffer mussten wieder gepackt werden. Meine Laune wäre nun normalerweise in den Keller gerutscht, aber dank der noch vor uns liegenden Ereignisse war ich bester Stimmung und freute mich auf die kommenden Stunden.
Ab ca. 12.45 Uhr begann die Einfahrt nach Lissabon auf dem Tejo, die als eine der schönsten Hafeneinfahrten Europas gilt. Die interessantesten Punkte entlang der Strecke wurden von unserem Experten Dr. Ralph Quadflieg von der Brücke aus live kommentiert und über die Lautsprecher in den Suiten und öffentlichen Bereichen übertragen. Ich verfolgte die Passage hauptsächlich vom Bug auf Deck 9 aus, wo sich auch viele andere Passagiere eingefunden hatten. Es war relativ windig und frisch, aber dafür strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel und ich konnte viele schöne Fotos machen, u.a. natürlich von der berühmten Ponte 25 de Abril und der Christusstatue.
Als ich aus der Ferne beim Terminal de Cruzeiros de Santa Apolónia zwei Schiffe liegen sah machte mein Herz einen kleinen Sprung. Ich wusste ja, wer dort schon auf uns wartete und konnte gar nicht glauben, dass ich bei diesem seltenen Ereignis tatsächlich live dabei sein durfte. Die Europa und die Hanseatic inspiration, die erst am 11.10. getauft worden war und sich auf Jungfernfahrt befand, waren bereits am Tag zuvor in der portugiesischen Hauptstadt angekommen und mit der Europa 2 würden nun zum ersten Mal drei Schiffe der Hapag-Lloyd-Flotte gleichzeitig an einem Terminal liegen.
Das Anlegemanöver gegen 14 Uhr, bei dem es einige Probleme zu geben schien, beobachtete ich von unserem Balkon aus – wenn mein Blick nicht gerade am Hintern des Personal Trainers ein Deck tiefer hängen blieb. Netter Anblick! Letztendlich schafften es unsere Jungs aber gemeinsam mit den Portugiesen an Land, das Schiff festzumachen und wir machten uns bereit für den „Landgang“. Es bestand die Möglichkeit, den anderen beiden Schiffen einen Besuch abzustatten und das wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. So eine Gelegenheit hat man ja schließlich nicht alle Tage! Uns interessierte natürlich die Hanseatic inspiration, mit der wir im kommenden Jahr Geralds große Geburtstagskreuzfahrt machen wollten. Zudem war das Schiff ja brandneu und daher gab es noch nicht all zu viele Fotos von Bord im Internet und wir wollten uns gerne unser eigenes Bild machen. Natürlich wollten wir auch die Europa besuchen. Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass wir irgendwann mal mit „Muddi“, wie das Schiff liebevoll genannt wird, fahren würden, aber gesehen haben sollte man sie schon mal, wenn sich schon die Gelegenheit ergibt.
Nachdem wir uns von der Inspiration wieder verabschiedet hatten stand als nächstes die Europa auf dem Programm. Als wir an Bord gingen fühlte ich mich wie in eine andere Epoche versetzt. Das Schiff wirkte im Inneren auf den ersten Blick wie ein Grand Hotel aus längst vergangenen Zeiten. Während ich mich mit großen Augen umsah und den Charme des Schiffs auf mich wirken ließ, brachte mir ein aufmerksamer Kellner ein Glas Champagner. Mit meiner Tarnhose schien auch hier keiner ein Problem zu haben, trotzdem glaube ich nicht, dass ich für eine längere Reise auf die Europa passen würde. Aber das konnte ich mir auf der Europa 2 ja anfangs auch nicht vorstellen... Wir setzten uns eine Weile ins Foyer und gingen dann auf Besichtigungstour. Das Schiff war frisch renoviert, dennoch merkte man „Muddi“ ihr Alter schon an. Alte Hardware ist und bleibt einfach alte Hardware, egal wie viele Euros man auch investiert. Am Ende landeten wir, wie sollte es auch anders sein, in der Sansibar. Ich musste mir eingestehen, dass es mir hier fast besser gefiel als in „unserer“. Es war irgendwie gemütlicher. Bei einem weiteren Glas Champagner zogen wir Bilanz und besprachen den weiteren Plan. Ich wäre ja gerne noch ein wenig sitzen geblieben und hätte dem Barkeeper noch das ein oder andere Gratisgläschen abgeluchst, aber wir mussten ja noch unser Zeug fertig packen und da war dann ja auch noch das große Highlight am Abend, für das ich fit sein wollte.
Nach einer kleinen nächtlichen Stadtrundfahrt erreichten wir gegen 23 Uhr wieder unser Terminal. Gerald zog sich gleich auf unsere Suite zurück während ich noch ein wenig im Foyer blieb, wo den Konzertbesuchern eine „kleine“ Stärkung und natürlich Champagner gereicht wurde. Ich plauderte ein wenig mit anderen Passagieren und ein paar Crewmitgliedern und ließ mir nicht nur einmal mein Glas wieder auffüllen. Ich konnte gar nicht glauben, was ich in den vergangenen Stunden und Tagen alles erlebt hatte und war sehr dankbar dafür. Als sich die Rollerboys auf den Weg in ihre Kabinen machten und mir Ciaran zum Abschied ein Küsschen quer durch das Foyer zu warf, war mir klar, dass diese unbeschreiblich schöne Zeit nun langsam aber sicher zu Ende ging. Ich ging noch kurz ins Collins, um zu meinem Lieblingsbarkeeper „Auf Wiedersehen“ zu sagen und hätte beinahe angefangen zu heulen als Lyudmil fragte, ob er mich zum Abschied in den Arm nehmen darf. Irgendwann werden wir uns wiedersehen...
Zurück in unserer Suite packte ich die restlichen Sachen in die Koffer, stellte diese dann vor unsere Türe und öffnete die von Hapag-Lloyd spendierte Flasche Champagner. Die Europa legte um Mitternacht ab und ich erfreute mich noch ein bisschen an einer kleinen Crewparty, die auf der Pier stattfand. Dann war es auch bei mir an der Zeit, in meine Koje zu klettern und mit dem Kopf voller Musik schlief ich ein.
Wetter: sonnig bei Temperaturen bis 19°C
(2)
23.10.2019 – Lissabon / Portugal
„Zurück in die Realität“
Um 6.30 Uhr stand ich mit gemischten Gefühlen auf und nach einer schnellen Dusche verstaute ich meine restlichen Sachen im Handgepäck. Gerald hatte mittlerweile die Abschlussrechnung aus dem Briefkasten geholt und wir beide mussten laut los lachen als wir folgendes lasen: „Ich habe eine Menge Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ (George Best) Obwohl wir uns die vergangenen zwei Wochen in keinster Weise eingeschränkt hatten war der Endbetrag dann doch verhältnismäßig gering, da hatten wir schon mehr in weniger Tagen durchgebracht.
Nachdem wir uns von unserer geliebten Suite 675 verabschiedet hatten regelten wir zunächst das Finanzielle und gingen dann in den Yacht Club, um noch eine Kleinigkeit zu essen. Kurz nach 9 Uhr setzten wir uns an die Pianobar im Foyer, um auf unseren Aufruf zur Ausschiffung zu warten. Und dann war es so weit... ob wir nun wollten oder nicht, wir mussten uns von der der Europa 2 und ihrer wundervollen Crew verabschieden. Sowohl Kapitän Jörn Gottschalk als auch Hotel Manager Josef Gruber waren da und ich konnte mich noch einmal bei ihnen für die vielen schönen Momente an Bord bedanken.
Nachdem ich mir eine Träne aus dem Auge gewischt hatte identifizierten wir unsere Koffer und suchten uns einen Platz im Bus. Da unser Flug erst am frühen Nachmittag gehen würde stand zuvor noch eine Stadtrundfahrt auf dem Programm, auf die ich noch weniger Lust hatte als auf die in Bilbao zwei Wochen zuvor. Aber egal, ich würde es überleben. Die Reiseleiterin war nett und erzählte uns viel über Lissabon, wobei meine Gedanken immer häufiger abschweiften und ich es schließlich aufgab, ihr zuzuhören. Es gab zwei Stopps während der Fahrt, einmal bei einem Café, wo wir einen Espresso tranken, und einen weiteren bei der Praça dos Restauradores. Dort spazierten wir ein bisschen planlos herum und beobachteten ein paar Bauarbeiter. (Notiz am Rande: Offensichtlich wird in Portugal auch auf Baustellen die Landessprache gesprochen.) Als wir uns wieder Richtung Bus wandten traf mich fast der Schlag als die Rollerboys winkend an uns vorbei gingen. Die saßen nicht in unserem Bus und Lissabon ist so groß... Hörte das denn nie auf, dass ich permanent über die Jungs stolperte?
Gegen 12.40 Uhr erreichten wir schließlich den Flughafen. Nachdem wir unser Gepäck aufgegeben und den Sicherheitscheck hinter uns gebracht hatten machten wir uns auf die Suche nach unserem Abflugsgate bzw. versuchten herauszubekommen, welches es denn nun genau war, da weder auf unseren Bordingpässen noch auf den Anzeigetafeln genaue Informationen dazu zu finden waren. Nachdem wir ein wenig durch das Flughafengebäude geirrt waren (und uns das definitiv letzte Mal von den Rollerboys verabschiedet hatten) erhielten wir endlich die gewünschte Information und mussten natürlich den halben Weg wieder zurück. Am Gate angekommen hieß es erst einmal waren... und warten... Als unser Flug schließlich mit einiger Verspätung aufgerufen wurde dankte ich Hapag-Lloyd in aller Stille für das gebuchte „Priority Bording“ und ging grinsend an ein paar dümmlich schauenden Leuten vorbei. Das Flugzeug (A320) war ziemlich voll (ich leider nicht) und neben mir saß ein extrem nach Knoblauch müffelnder Italiener. Ich hab auch schon immer das Glück! Mit 25 Minuten Verspätung starteten wir Richtung Heimat und der Flug verlief bis auf ein paar kleinere Turbulenzen ereignislos.
Nach der Landung in München um 18.40 Uhr mussten wir erst einmal eine gefühlte Ewigkeit durchs Terminal laufen bis wir nach einer längeren Wartezeit endlich unsere Koffer in Empfang nehmen konnten. Unser AiportLiner-Fahrer wartete schon sehnsüchtig auf uns und beim Einsteigen in den Wagen konnte ich auch das letzte Rätsel dieser Kreuzfahrt lösen – das verschollene Portugiesisch-Wörterbuch kam nämlich urplötzlich in der Tasche meines Parkas wieder zum Vorschein. Die Zeit bis nach Regensburg verging schnell, wohl weil ich in Gedanken immer noch an Bord war und versuchte, die Realität noch ein Weilchen auszublenden. Als wir schließlich in unserer Wohnung angekommen waren, war ich nicht nur müde und kaputt, sondern auch dankbar und unendlich glücklich.
Fazit:
„Es gibt keine Steigerung von perfekt.“ Mit diesem Satz im Hinterkopf war ich in das Flugzeug nach Bilbao gestiegen. Besser als unsere „Kreuzfahrt ans Ende des Regenbogens“ - das war unmöglich! Doch ich hatte mich getäuscht.
Mir fehlen teilweise noch immer die Worte, um all die wunderschönen Erlebnisse und Momente zu beschreiben. Neben den Azoren, die sogar noch beeindruckender waren als erwartet, waren es v.a. die Menschen an Land und besonders an Bord, die diese Fahrt zu einer ganz besonderen Erfahrung gemacht haben. Von jeder einzelnen Reise, die ich in meinem Leben schon machen durfte, konnte ich etwas mitnehmen. Manchmal einen Stein oder eine Muschel und immer ein paar schöne Erinnerungen. Doch diese Kreuzfahrt hat wie keine zuvor mein Leben bereichert und auch teilweise nachhaltig verändert. Dafür bin ich unendlich dankbar! Und nun weiß ich auch, dass man „perfekt“ tatsächlich noch steigern kann!
Am Ende meines Berichts möchte ich mich bei Kapitän Jörn Gottschalk und der restlichen Crew der MS Europa 2 für diese unvergessliche Kreuzfahrt bedanken. Ein Dankeschön geht auch an die Rollerboys für die tolle Zeit und an Daniel Lelchuck für die netten Gespräche.
Mein Dank gilt natürlich auch besonders meiner Mutter fürs Wohnungshüten.
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Und ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich mich wieder melden...
Und nicht vergessen: „A dream is all we need!“
© Sabine Lehner 2020












