Sangria, Gin und andere Köstlichkeiten (1)


oder auch: Keinen Plan und immer leicht einen sitzen

Hinweis

Dieser Reisebericht beinhaltet meine persönlichen Erlebnisse und Gedanken während unserer Kreuzfahrt entlang Westeuropas Küsten im April und Mai 2015 mit der Costa Luminosa. Wer technische Details bzw. landeskundliche Informationen sucht möchte bitte die einschlägigen Internetseiten aufsuchen.

Vorfreude

Wie mittlerweile fast jedes Frühjahr stand auch im Mai 2014 wieder die Frage im Raum, wo uns denn im folgenden Jahr unsere große Reise hinführen sollte. Mein Mann Gerald hatte eine weitere Karibik- und Transatlantikfahrt im Sinn, während es mich eher in Europas hohen Norden zog. Doch das Studium des Costa-Katalogs machte keinen von uns beiden glücklich – entweder passte die Route nicht oder das Schiff. Dann also eben etwas ganz anderes! Und wir wurden tatsächlich fündig – „Facettenreiches Westeuropa“ von Savona nach Stockholm mit der Costa Luminosa. Auf dem Weg würden für uns interessante neue Orte liegen sowie auch ein paar bekannte Destinationen, die wir aber gerne wieder besuchen wollten. Und so war es mal wieder Zeit für einen Besuch im Reisebüro unseres Vertrauens, gemeinsam mit unserem Freund Jens, der uns auf dieser Reise begleiten würde. 



29./30.04.2015 Tag der Abfahrt + Savona / Italien

Den Transfer zum Busbahnhof München-Fröttmaning hatten wir wie üblich beim Flughafentransfer Rosenmeier gebucht. Kurz vor 23 Uhr war unser sehr netter Fahrer dann auch vor der Haustüre. Wohl dank der guten Gespräche während der Fahrt hätte er uns beinahe zum Flughafen gefahren. Um 0.20 erreichten wir aber dann doch Fröttmaning (die Allianz-Arena dunkel in tiefer Trauer wegen des Ausscheidens im Pokal). Die Wartezeit auf den Bus (über Costa gebucht, wird von PA-Touristik bzw. deren Subunternehmer durchgeführt) überbrückten wir mit einem leckeren „Prost“ und einem netten Plausch mit unseren Mitreisenden. Mit leichter Verspätung ging es dann im Bus der Firma Müller aus Riedstadt um ca. 1.20 Uhr los Richtung Savona. Anders als gewohnt wählten die freundlichen Busfahrer Wolfgang und Lorenz die Route über den San Bernadino (anstatt über den Brenner). Gerald und ich hatten geniale Plätze ganz vorne rechts (es war ein „normaler“ Reisebus, kein Doppeldecker) und es gab einiges zu lachen mit den Fahrern. Die Fahrt verlief problemlos, auch wenn ich irgendwann beim zwischenzeitlichen Aufwachen doch einen leichten Schock bekam – es schneite tatsächlich! Ganz böse Erinnerungen!
Als wir endlich das Meer sehen konnten schaffte es auch die Sonne durch die Wolken und ich war glücklich. Wir konnten sogar einen letzten Blick auf die Concordia in der Ferne werfen.
Um 11 Uhr erreichten wir schließlich Savona und verabschiedeten uns von den Mitfahrern, die auf die Favolosa einschiffen wollten (bei den meisten Kandidaten lag ich mit meiner Einschätzung richtig^^) bevor wir Luminosa-Passagiere ins Hafenterminal gehen durften. Wir tauschten erst einmal unsere Einschiffungsnummer 6 gegen die 1 (bzw. die 3 für Jens) und die Zeit bis zur Einschiffung um 12 Uhr verging dann auch wie im Flug. Natürlich gab es bei der Einschiffung mal wieder das übliche Problem: anstatt zu warten bis die eigene Nummer aufgerufen wird stellt man sich einfach mal gleich an und blockiert dann natürlich den Weg für die Leute, deren Nummer gerade dran ist. Da muss man sich mit der Nummer 1 blöd anreden lassen, wenn man einen mit Nummer 3 zur Seite schiebt (sogar 7er wurden gesichtet als die 1er dran waren). Aber letztendlich schafften wir es durch das neue Terminal zum Schiff und waren nun endlich wieder im großen, weißen Zuhause. 


Unsere Kabine 6421 am Heck fanden wir sehr schnell (waren ja nicht das erste Mal auf der Luminosa^^). Dort angekommen holten wir nur unsere Bordkarten und gingen dann gleich weiter auf Deck 9 ins Buffetrestaurant Andromeda, um eine Kleinigkeit zu essen. Die „Bestückung“ der einzelnen Buffets wurde etwas verändert, ich hatte im Internet bereits davon gelesen und wir fanden uns schnell zurecht. Anschließend gingen wir an die Poolbar am Heck, um einen Cappuccino zu trinken und zogen dann weiter zur Bar am zentralen Pool auf einen Spritz. Nach einem kleinen Rundgang durchs Schiff war erst mal Pause auf der Kabine angesagt. 



Die Rettungsübung begann mit Verspätung und die Durchsagen waren auf Italienisch, Französisch, Englisch und Russisch – also den „Hauptsprachen“ an Bord. Da werden sich die deutschen Dauernörgler gefreut haben. Das Ablegen kurz vor 17 Uhr (anstatt 16.30 Uhr) verfolgte ich von den oberen Außendecks aus. Endlich ging es los! Darauf hatte ich fast ein Jahr gewartet!


Den Abend begannen wir mit einem Drink an der Bar im Atrium Supernova, von uns wie üblich Mittelbar genannt. (Tequila Sunrise steht übrigens immer noch nicht auf der Karte, man/frau bekommt ihn aber trotzdem^^). Danach machten wir uns auf den Weg ins Restaurant Taurus zu unserem Tisch Nummer 121. (Das Restaurant, die Tischnummer und die jeweilige Sitzung steht übrigens jetzt auf der Bordkarte. Muss man auch erst mal wissen bzw. im „Diario di bordo“ lesen.^^) Das Essen selbst war sehr lecker und der Service klappte auch schon am ersten Abend sehr gut. Vollgefressen und kaputt von der Anreise war bei mir nicht mehr viel los und nach einem Cocktail an der mittleren Poolbar zogen wir uns auf unsere Kabine zurück und nachdem ich noch ein paar Seiten gelesen hatte fiel ich bald in einen tiefen Schaf.

Temperaturen bis 20°C, Sonne und Wolken
Im Hafen: Costa Favolosa
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01.05.2015 La Seyne-sur-Mer (Toulon) / Frankreich

Gegen 8.00 Uhr erreichten wir den Hafen von La Seyne-sur-Mer, einem Vorort von Toulon im Süden Frankreichs. Für uns eine der „neuen“ Destinationen dieser Kreuzfahrt. Toulon ist der Heimathafen der französischen Marine im Mittelmeer und ich hatte mich schon im Vorfeld darauf gefreut, den ein oder anderen Blick auf ein paar Kriegsschiffe werfen zu können, speziell auf den Flugzeugträger Charles de Gaulle, das Flaggschiff der französischen Marine. Leider war diese ein paar Wochen vor unserer Reise in den Indischen Ozean geschickt worden, um von dort aus den Einsatz gegen die Kopfabschneider (ISIS, IS oder wie auch immer sich diese Barbaren nennen) zu unterstützen.
Nach dem Frühstück organisierten wir uns Tickets für den Shuttlebus nach Toulon, die 10 km wollten und konnten wir natürlich nicht zu Fuß laufen. Wir hatten nichts besonderes vor und spazierten einfach gemütlich am Hafen entlang. Dabei entdeckten wir u.a. einen Fischer, der seine Beute direkt vom Schiff aus verkaufte. Natürlich mussten wir auch einen Blick in einen Souvenir-Shop werfen und dann war es Zeit, die lokalen Spezialitäten zu testen. Wir suchten uns also ein Plätzchen vor einem Café („Brasserie La Gitane“) und bestellten Rosé für alle. Der Wein mundete wirklich vorzüglich! Unser Platz stellte sich als perfekt heraus – man saß quasi in der ersten Reihe bei der Parade der Rugby-Kinder, die anlässlich eines Turniers durch die Stadt zogen. Das war definitiv besser als die Demo am 1. Mai in Izmir ein Jahr zuvor, die wir glücklicherweise nur von der Weite gesehen hatten. Ein paar Penner hatten es sich auch in der Nähe gemütlich gemacht und unterhielten uns unfreiwillig. (Französische Penner haben anstatt Ratten einen Hasen!!) Zu guter Letzt wurden wir noch von einem anderen Gast, einem sehr netten Elsässer, angesprochen. Er genoss seinen Ruhestand hier am Mittelmeer und erzählte uns einige interessante Geschichten (Jägermeister gibt es in Frankreich wie ich vermutet hatte tatsächlich nicht – außer im Elsass; Jens ist unser Kerzenhalter). Wir hatten viel Spaß, auch wenn ich zwei Mal beinahe mit meinem Stuhl dank eines blöden Lochs im Boden umgefallen wäre. 



Gegen 14 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück zum Schiff und gingen erst mal auf Deck 9 ins Buffetrestaurant. Anschließend machten wir es uns an der hinteren Poolbar bequem und testeten den Cocktail des Tages. Grausam!!! („La Croisette“ mit Gin, Pernod und Grapefruitsaft) Später organisierten wir uns ein paar Häppchen und gingen damit auf die Kabine. Das Ablegen um 17 Uhr verfolgte ich von unserem Balkon aus, da mich das Wetter einfach nicht nach oben locken wollte.


Vor dem Abendessen gönnten wir uns einen schnellen Drink in der Bar Libra (Deck 2 vor dem Restaurant) und stellten fest, dass es sich bei dem Musiker, der uns mit netten Gitrarrenklängen und Gesang erfreute, tatsächlich – wie bereits am Vorabend vermutet – um Anderson aus Brasilien (Künstlername „Chocolate“) handelte, den wir bereits von der Deliziosa kannten.


Im Restaurant Taurus hatte man ein französisches Paar an unserem Nebentisch platziert – aufgeblasene Froschfresser! Die hatten nichts besseres zu tun als sich die ganze Zeit das Maul über uns zu zerreißen. Um das zu merken musste man nicht mal Französisch können. Aber wir ließen uns davon unsere gute Laune keinesfalls verderben.
Nach dem Essen gingen wir zunächst in die Grand Bar Elettra auf einen weiteren Cocktail des Tages, der immer noch genauso grausam schmeckte wie am Nachmittag. Anschließend gönnten wir uns noch einen Absacker an der mittleren Poolbar. Leider hatte ich keine Kamera dabei als ich mal kurz zum Rauchen raus ging – am Horizont waren zwischen den dunklen Wolken ein paar freie Streifen, durch die es in faszinierenden Rottönen (von Lachsrosa bis Fuchsia) schimmerte. Wahnsinn! Danach zogen wir uns auf unsere Kabine zurück, wo wir unsere Flasche Sekt vom CostaClub köpften. So ein Gläschen Nuttenbrause auf dem Balkon während man dem Rauschen des Meeres lauscht ist einfach herrlich!

Temperaturen bis 17°C, bewölkt, vereinzelte sonnige Momente
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02.05.2015 Barcelona / Spanien

Das Einparken im Hafen von Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, verfolgte ich ab 7.30 Uhr bei strahlend blauem Himmel vom Balkon aus. Da wir bereits am frühen Nachmittag wieder ablegen würden, wollten wir an diesem Morgen zeitig von Bord und nach einem schnellen Frühstück ging es um kurz nach 9 Uhr auch schon mit dem Shuttlebus zum World Trade Center.
Da Geralds Knie mal wieder ziemlich zwickte, verwarf ich meinen Plan zum Stadtstrand zu gehen und wir beschlossen, einfach nur einen kleinen Spaziergang am Hafen entlang zu machen. Das Wetter war einfach traumhaft und die Sonne tat so richtig gut.
Es war ja Samstag und was machen da die Regensburger? Richtig! Ins Einkaufszentrum gehen! Direkt im Meer liegt die „Rambla de Mar“ und genau dort hin zog es uns natürlich. Wir waren für spanische Verhältnisse wohl zu früh dran, jedenfalls waren bei unserer Ankunft die meisten Geschäfte noch geschlossen, was sich aber bald änderte. Das Einkaufszentrum gefiel uns sehr gut, da hätte man es durchaus länger aushalten können. Leider war es dann aber doch noch etwas zu früh für ein Bierchen. Dafür bekam Gerald ein Spielzeug (die Verkäuferin muss uns für total beknackt gehalten haben^^). Der Putzmann mit seiner Maschine war leider zu schnell, um ein Foto von ihm zu machen. 



Später lungerten wir noch ein bisschen beim WTC rum und machten uns dann auf den Weg zurück zum Schiff. Im Hafenterminal mussten wir natürlich erst einmal die Shops inspizieren bevor wir dann gegen Mittag wieder zurück an Bord gingen. (Gerald heißt ab sofort Igor^^)


Nachdem wir uns schnell Sommerklamotten angezogen hatten gingen wir ins Buffetrestaurant und im Anschluss an die hintere Poolbar. Das Ablegen und Umdrehen im Hafen (faszinierend, ich wäre wahrscheinlich mit Karacho gegen die anderen Schiffe gebumst^^) kurz nach 14 Uhr sah ich mir gemeinsam mit Gerald von den oberen Decks aus an. Dabei hätte mir auch beinahe eine fette Möwe auf den Kopf geschissen!!! Über Barcelona zogen langsam dunkle Wolken auf und es wurde diesig. Das war uns aber egal, wir fuhren Richtung Sonne! 


Um 15 Uhr gönnten wir uns ein 2. Mittagessen vom Grill. (Die Senfsauce ist echt erwähnenswert!) Leider spürte ich langsam wie meine Speckröllchen zu wachsen begannen. Ich musste mich entweder mehr bewegen oder die Nahrungsaufnahme begrenzen. Aber beim Gedanken an die leckeren Nachmittagshäppchen würde es wohl auf viele Spaziergänge hinauslaufen.
Wir machten es uns an der mittleren Poolbar bequem und während ich ein bisschen an meinem Bericht schrieb guckten die Herren Fußball auf dem großen Bildschirm. Dazu gab es viel zu Lachen beim Spiel „Herausforderung des Tages“ - ein übergewichtiger Kerl mit riesiger Wampe hatte durchaus seine Probleme mit dem Hula-hoop-Reifen. Brüll!! Zu meiner großen Enttäuschung hatte dann aber das Spiel: „Zielen Sie auf die Mitte“ nichts mit Pissen zu tun.
Nach der Bespaßung gingen wir (inkl. einiger Häppchen) auf unsere Kabine und ich genoss noch ein bisschen die Sonne auf unserem Balkon. Leider verdarb mir dann die Sportschau-Meldung, dass der Jahn Regensburg als erster Absteiger aus der 3. Liga nun fest stand, kurzzeitig die Laune. Dafür gab es dann beim Abendessen eine freudige Überraschung: Die Franzosen hatten sich anscheinend einen anderen Tisch geben lassen, jedenfalls waren sie nicht mehr da und das war gut so! Unsere Nachbarn auf der anderen Seite, ein Paar mit Kleinkind aus Hannover, waren übrigens sehr nett (sogar das Kind).
Später drehten wir eine Runde durch die Bord-Shops und steuerten dann die Piano Bar Antares an. Da uns die Musik dort aber nicht so zu sagte, zogen wir bald weiter in unsere neue Lieblingsbar Libra, wo wir kleben blieben und viel Spaß hatten. Die musikalische Unterhaltung dort traf unseren Geschmack. Da war zum einen unser „alter“ Freund Anderson und auch das Duo Smile überzeugte uns nach kürzester Zeit mit seinen „internationalen Hits“ (nach My Way waren sie natürlich meine Freunde). Eine große Überraschung wartete auch noch auf uns: Cathrine und Juan von der Deliziosa! Wir fühlten uns so richtig wohl und in Kellner Edgar fanden wir auch sehr schnell einen neuen Freund (Stichwort fisten^^). Wir gönnten uns diverse Cocktails (der Daily Special = „La Sevilliana“ mit Gin, Campari Bitter und Orangensaft mundete vorzüglich), einige Jägermeister und ließen uns sogar noch teuren Wodka (2x Rasberry, 1x Lemon) aufschwatzen. Lediglich die Russen, die ich immer beim Rauchen auf Deck 3 traf, waren mir anfangs etwas unheimlich – das sollte sich aber bald ändern.
Da wir den nächsten Tag komplett auf See verbringen würden und somit keinen Zeitdruck hatten ließen wir die Nacht in der Disco Altair ausklingen (und da war dann auch wieder das Stangenlied).

Temperaturen bis 24°C, Sonnenschein
Im Hafen: Costa Fascinosa, Viking Star, Silver Spirit
(2,5)

03.05.2015 Seetag

Was macht man jetzt so an einem Seetag? Nun, zuerst einmal ausschlafen, v.a. wenn die Nacht zuvor etwas länger war. Gegen 10 Uhr machten wir uns auf den Weg auf Deck 9 zum Frühstücken (Langschläferfrühstück gab es bis 11 Uhr) und sammelten dann Jens ein. Da ich ein paar Fragen an den deutschen Host Paul hatte, gingen wir später zu dessen Sprechstunde im Atrium. Paul beantwortete meine Fragen mehr als ausführlich und wir kamen sogar noch ein bisschen ins Quatschen über Kreuzfahrten im Allgemeinen und diverse Costa-Schiffe. Meine Vermutung, dass das Schiff nicht ausgebucht war, konnte er bestätigen. Statt der zugelassenen Passagierzahl von 2826 waren lediglich 1856 Passagiere an Bord! Deshalb kam uns das Schiff also teilweise so leer vor. Ist auf alle Fälle kein Nachteil.
Nach einem kleinen Zwischenstopp in der Grand Bar auf einen Spritz starteten wir das Projekt „Shopping“ und am Ende hatten wir neuen Familienzuwachs. Nette Geschichte am Rande: Die Verkäuferin erzählte uns, dass sie auch so einen süßen Kraken hätte und der würde bei ihr im Bett schlafen. Wir sind also nicht die einzigen Irren! Hahahaha!
Natürlich meldete sich dann ein kleines Hungergefühl und wir suchten uns ein Plätzchen am zentralen Pool und inspizierten die Fressstationen. Zu Geralds großer Freude gab es Sushi und er war erst einmal beschäftigt. 


Ich wollte mir die Cocktaildemonstration um 12.15 Uhr natürlich nicht entgehen lassen und stellte deshalb die Nahrungsaufnahme erst mal hinten an. Da am zentralen Pool nur sehr wenig los war konnte ich mir die Sache auch aus der ersten Reihe ansehen.
Zu meiner großen Verwunderung und Freude meldete sich mittags Kapitän Pietro Sinisi mit aktuellen Informationen zur genauen Position, Route, Geschwindigkeit, Luft- und Wassertemperatur etc. von der Brücke. Übersetzungen von den jeweiligen Gästebetreuern gab es natürlich auch. Das hatte ich noch auf keiner Kreuzfahrt erlebt, mir aber immer gewünscht. Gut gemacht! Diese Reise wurde immer besser!
Später schauten sich meine Männer ein bisschen Fußball an, planschten im Pool und Jens ließ sich von einer der Spa-Damen massieren, während ich über die Außendecks spazierte, Fotos machte und in der Sonne entspannte. Life could be worse! 


Nach ein paar Häppchen und einem bitter norwendigen Verdauungsspaziergang zog ich mich später auf unseren Balkon zurück und machte es mir mit einem Buch in der Sonne bequem. Wahrscheinlich wäre ich bis Sonnenuntergang dort gesessen, wenn nicht das Gala-Styling für den Abend noch auf dem Programm gestanden hätte.
Um 17.45 Uhr hatten wir eine Verabredung mit dem Kapitän im Theater zum Gold Pearl-Cocktail. Dieser lief wie üblich ab: Foto mit dem Chef machen lassen, Sekt und Häppchen genießen, der Band auf der Bühne zuhören und warten... (WTF?!?!?! Saß da tatsächlich ein Borg vor uns??^^) Und nach dem obligatorischen „Salute“ mit der Chefetage war die Show auch schon wieder vorbei. Eigentlich nichts, wo man unbedingt dabei sein muss – wenn es da nicht das Umsonst-Foto mit dem Kapitän gäbe. 


Zum „Cena di Gala di Benvenuto“ gab es bei Gerald „Insalata di gamberetti“ und als Hauptgang „Faraona arrosto“ und ich wählte „Sedanini mozzarella e pomodoro“ sowie „Costata di manzo cotta a fuoco lento“. Zum Abschluss teilten wir uns dann noch die „Selezione di formaggi italiani ed internazionali“.
Nach dem vorzüglichen Abendmahl stand ein Cocktail in der Bar Libra auf unserem Programm und da es wieder sehr lustig war, blieb dies auch unsere einzige Station an diesem Abend. Neben der guten Musik gab es für Gerald Oliven (Oliven sind wichtig! Sie machen den Stuhl geschmeidig!^^) und für mich ein Foto mit dem Comandante und dem Hotel Direktor Andrea Imarisio.
An dieser Stelle auch eine kleine Notiz an mich: Mai Tai mag ich auch nicht!!!
Gegen 1.30 Uhr beendeten wir diesen wunderschönen Tag und Gala-Abend und zogen uns mit einem Lächeln im Gesicht auf unsere Kabine zurück, wo schon ein Handtuchviecherl sehnsüchtig auf uns wartete.

Temperaturen bis 21°C, sonnig, aber windig
(3,5)

04.05.2015 Cádiz / Spanien

Gegen 8 Uhr legte die Luminosa an diesem Morgen im Hafen von Cádiz, der Hauptstadt der autonomen Region Andalusien, an. Da wir mal wieder keinen großartigen Plan hatten und erst abends wieder ablegen würden, war keine große Eile angesagt. Das Wetter war auch nicht berauschend, ziemlich wolkig und düster, und so gingen wir erst einmal gemütlich frühstücken. Neben einem riesigen Berg Salami gönnte ich mir ein Spiegelei und war dann so pappesatt, dass ich mich erst einmal bei einem leckeren Cappuccino an der hinteren Poolbar entspannen musste. Ein kleiner Spaziergang über die oberen Decks musste natürlich auch noch sein, schon um Fotos der anderen Schiffen, die mit uns im Hafen lagen, und von der Rettungsübung der Crew zu machen. Gegen Mittag, natürlich nach einer kleinen Stärkung im Buffetrestaurant, machten wir uns auf zu unserem kleinen, planlosen Stadtrundgang. Und wie bestellt verzogen sich auch die Wolken und die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Durch die Altstadt von Cádiz führen zahlreiche farbige Routen, bei denen man an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei kommt. Besonders gefielen mir die kleinen Gassen und gefliesten Hauseingänge. Ich wäre ja noch all zu gerne an den Playa la Caleta gegangen, aber Geralds Knie machte uns einen Strich durch die Rechnung. Dann eben nicht, müssen wir halt noch mal nach Cádiz fahren! 




Statt an den Stand zu gehen suchten wir uns also ein nettes Plätzchen, wo wir in Ruhe das örtliche Treiben bei einem Bierchen beobachten konnten. Der Freisitz der Bar „Molero's“ schien uns geeignet und stellte sich dann auch als hervorragende Wahl heraus. Es gab musikalische Unterhaltung von einem Straßenmusikanten (na ja...) und einen netten Plausch mit den „Zechprellern“ aus dem Land der Frühaufsteher (Passagiere der MSC Orchestra aus Sachsen-Anhalt mit wenig Kreuzfahrterfahrung). Der größte Lacher des Nachmittags war aber der illegale Sandhaufen, von dem die Polizei nicht sehr erfreut war. Nervig waren nur die aufdringlichen, bettelnden Zigeuner.
Nach unserem kleinen Umtrunk schlenderten wir gemütlich zurück zum Hafenterminal, wo ich mit Jens natürlich noch einen Abstecher in den Souvenir-Shop machen musste. (Nun wohnt der KKK-Mann aus Cádiz bei uns^^). 


Als wir gegen 16.30 Uhr wieder an Bord zurückgekehrt waren verschlechterte sich das Wetter schlagartig. Aber Hauptsache wir hatten Sonne und warm bei unserem Landgang. Passt!
Nach einem kurzen Besuch der Poolbars organisierten wir uns schnell noch ein paar Häppchen und dann war es auch schon an der Zeit, um zu duschen und sich seelisch auf das Abendprogramm vorzubereiten.
Nach dem Abendessen gab es im Restaurant noch eine kleine Show der Kellner inkl. Arschwackeln und dem Sack vom Udo. Und Jens dankte Igor, unserem Resteschwein, für seine aufopferungsvolle Unterstützung!
Danach steuerten wir natürlich erst einmal die Bar Libra an, wo wir uns mittlerweile so richtig wohl (zu Hause) fühlten. Einzig Detlef, der Preuße, nervte ein wenig. Dieser Kerl glaubte tatsächlich immer noch, dass der Berliner Flughafen irgendwann fertig wird. Hahahaha! Rosmarie und Roland, unsere Bekanntschaft vom Busbahnhof in München, schauten auch noch auf einen Sprung vorbei und mir fiel wieder einmal auf, wie sehr die beiden diese Reise genossen. Gerald war aufgrund des langen Fußmarschs am Nachmittag doch ziemlich kaputt und zog sich bald ins Betti zurück. Bei mir sah die Sache etwas anders aus, ich war top fit und dachte gar nicht an ein vorzeitiges Ende des Abends. Also spazierte ich erst einmal ohne großes Ziel vor Augen durch die öffentlichen Bereiche des Schiffs und landete schließlich vor der Piano Bar Antares, wo mich verrückte Brasilianer und andere Animatösen bespaßten. Der Durst trieb mich dann in die Antares und dort traf ich auf Paul, den deutschen Host, mit dem ich mich noch eine gefühlte Ewigkeit über Gott, die Welt und die Seefahrt unterhielt. Der Seegang war mittlerweile deutlich spürbar und ich erfuhr, dass der Kapitän bereits eine Änderung der Route in Betracht gezogen hatte. Soooo schlimm war es dann aber doch nicht, jedenfalls nach meinem Empfinden. Auf dem Weg Richtung Kabine gabelte ich später Jens an der Mittelbar auf und ich musste mit ihm dann noch auf einen kleinen Abstecher in die Disco. Das war mir aber so was von zuwider! Hat sich am Ende auch echt gelohnt, so lernte ich dort den netten Security-Mann aus Nepal kennen (Bram, seiner Familie ging es gut nach dem schrecklichen Erdbeben). Von ihm erfuhr ich einige interessante Dinge über die Sicherheit an Bord und z.B. dass die Mitarbeiter der Security alle bei der Polizei oder ähnlichen Behörden gearbeitet hatten. Die sind also wirklich vom Fach im Gegensatz zu dem, was im Alex-Center so als Sicherheitskraft herum läuft.
Irgendwann war auch für mich Schicht im Schacht und ich ließ mich sanft in den Schlaf schaukeln.

Temperaturen bis 21°C, abwechselnd bewölkt und sonnig
Im Hafen: Rotterdam, AIDAaura, Black Watch, MSC Orchestra, Allure otS im Trockendock
(2)

05.05.2015 Lissabon / Portugal

In der Nacht wurden die Uhren um eine Stunde zurück gestellt, was dann auch wohl der Grund war, warum ich trotz meiner nächtlichen Aktivitäten kurz nach 8 Uhr wach und halbwegs fit war. Die Luminosa war kurz zuvor in den Hafen von Lissabon, der Hauptstadt von Portugal, eingelaufen.
Nach einem kleinen Frühstück (inkl. eines Omelettes von Francis, dem Bayern-Fan) sammelten wir Jens ein und besprachen den Plan für den Tag. Der Plan war, dass wir keinen hatten. Einfach von Bord und treiben lassen.
Gegen 10.30 Uhr gingen wir an Land und spazierten Richtung Innenstadt. Im Gegensatz zu unserem letzten Besuch in Lissabon 2007 gab es keinen Shuttlebus, da wir und unsere Nachbarin, die Britannia von P&O, den altstadtnäheren Liegeplatz bekommen hatten, während die MSC Orchestra bei der „Ponte 25 de Abril“ lag. Zunächst inspizierten wir den Bahnhof (sehr schön) und gingen dann zur Catedral Sé Patriarcal, auch Igreja de Santa Maria Maior genannt, der Hauptkirche Lissabons. Von den Stufen der Kathedrale aus, wo sich Gerald erst einmal ausruhen musste, konnte man schöne Fotos von der berühmten Straßenbahn machen. Ich wäre ja gerne noch weiter zum Praça do Comércio gegangen, aber das Knie meines Gatten streikte mal wieder. War aber letztendlich auch nicht so schlimm, hatten wir ja 2007 bereits gesehen (und Jens war es egal^^). Zumindest hatte es Geralds Gesundheitszustand bisher erlaubt, unsere kleinen Spaziergänge zu machen. Das war das Wichtigste. (Tja Arschloch! Während DU im Bau sitzt rocken WIR Westeuropas Küsten!) 
 


Wir beschlossen, dass es nun an der Zeit für den kulinarischen Teil des Landgangs war und machten uns auf die Suche an einer geeigneten Location (wie es auf Neudeutsch heißt). Am Ende landeten wir in einer tollen kleinen Kneipe, dem „Maruto“. Die Einrichtung und Deko war sehr schön und das Super Bock und der Weißwein für Gerald mundeten.
Gemütlich schlenderten wir nach unserem kleinen Zwischenstopp zurück Richtung Schiff und wunderten uns immer wieder über die zahlreichen leeren Bierflaschen am Straßenrand. Gibt es in Portugal kein Flaschenpfand? Eine weitere Kuriosität fiel uns auch auf: Anstatt der Auto-Ankauf-Karten wurde hier Zahnarzt-Werbung an die geparkten Autos gesteckt.
Wieder an Bord schwammen die Männer eine Runde im Pool und ließen sich durchblubbern, während ich mir Spaghetti mit Muschelsauce aufschwatzen ließ und danach erst einmal eine Runde quer durchs Schiff drehen musste. Leider scheiterte ich beim Versuch zur Schiffsglocke zu gelangen an einem „Crew only“-Schild. Schade! Später gönnte ich mir einen Bahama Mama an der mittleren Poolbar und bereitete mich geistig auf den Fotomarathon beim Auslaufen vor. Da wir für diesen Abend um 19 Uhr einen Platz im Club-Restaurant gebucht hatten, hatte ich auch keinen Zeitdruck und wollte das Ablegen in Ruhe genießen. Und so stand ich pünktlich um 17 Uhr mit meiner Kamera bereit, um in der folgenden Stunde gefühlte 1000 Fotos von der Stadt, der Passage unter der „Ponte 25 de Abril“ durch und natürlich auch von der Christo Rei Statue zu machen. Erinnerungen an die Fahrt durch den Bosporus im vergangenen Jahr wurden wach und ich genoss den herrlichen Blick über die Stadt in vollen Zügen. Besonders gefielen mir die Informationen über die Lautsprecher – bitte, bitte Costa! Das will ich künftig öfter hören! 



Pünktlich um 19 Uhr fanden sich Gerald und ich im Club Luminosa für unser Hochzeitstag-Dinner ein und wir wurden (wieder einmal) nicht enttäuscht. Mein Gatte wählte als Vorspeise „Maine lobster Caesar Salad with Grana Padano and herb croutons“ und ich gönnte mir „Spanish air-cured ham with cherry tomato bruschetta“. Natürlich musste ich auch die Pasta testen und wählte „Fresh Garganelli pasta with clams, lemon zest and pistachio pesto“ - zum Reinwerfen!! Beim Hauptgang waren wir uns (wie immer im Club-Restaurant) einig: „“Surf and turf – Beef Tenderlion, shrimp and sea scalop“ mit jeweils Asparagus als Beilage. Ein Traum!! Auch wenn mir beim Bestellen bereits klar war, dass das alles mehr als genug war, so durfte doch die „Sicilian cannolo with pistachio cream“ als Nachspeise, die ich mir dann mit Gerald teilte, nicht fehlen. Das Essen im Club-Restaurant ist jedes Mal einfach ein kulinarischer Höhepunkt der Kreuzfahrt!




Glücklich und voll bis zum Kragen gingen wir nach unserem Mahl schnell zum zentralen Pool, wo wir uns das Ende des Champions League-Spiels Juventus Turin gegen Real Madrid ansahen und uns über die gute Leistung der Italiener freuten. Und mit großer Freude vernahmen wir, dass das Bayern-Spiel am kommenden Abend ebenfalls gezeigt werden sollte. Passt!
Im Anschluss gingen wir noch in die Libra und für Gerald war es dann Zeit fürs Bett. Ich spazierte noch ein bisschen durchs Schiff, machte einen kurzen Abstecher in die Grand Bar und traf schließlich auf Kristina, unsere russische Freundin (Wadim, ihr Gatte, war auch schon im Bett). Gemeinsam gingen wir noch auf einen Drink in die Mittelbar, blödelten mit dem Kreuzfahrtdirektor Francesco rum und sahen uns Kristinas interessante Handy-Fotos (Schlange!!) an. Dann war es auch für mich Zeit, mich in die Waagerechte zu begeben und schnell fiel ich in einen tiefen Schlaf (trotz des gigantischen Vollmonds^^).

Temperaturen bis 21°C, sonnig mit Wolken
Im Hafen: Britannia, MSC Orchestra, Funchal (am „anderen Ufer“, alle Kreuzfahrten für Sommer 2015 abgesagt)
(2,5)

Fortsetzung folgt...