Sangria, Gin und andere Köstlichkeiten (3)

12.05.2015 Kopenhagen / Dänemark

Ich war mal wieder um 7 Uhr wach und konnte so das Anlegen im Hafen von Kopenhagen, den wir gegen 7.40 Uhr erreichten, von unserem Balkon aus beobachten. Leider war das Wetter regnerisch, was keine guten Aussichten für unseren Ausflug verhieß.
Kopenhagen, die Hauptstadt sowie das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Dänemarks, war 2007 der Starthafen unserer Westeuropa-Tour gewesen. Leider hatte ich damals keine Gelegenheit gehabt die Stadt zu erkunden, da wir nach einem etwas längeren Aufenthalt am Hauptbahnhof gleich auf das Schiff gegangen waren (oder so^^).
Nachdem ich eine kleine Wegzehrung organisiert hatte gingen wir in die Grand Bar, wo um 8.30 Uhr der Treffpunkt für unseren Ausflug „Souvenir von Kopenhagen“ war. Wir erhielten von Paul einen „Regenschutz“ (Wir nennen so ein Teil ja eigentlich Mülltüte^^) und dann ging es auch schon los. Der Regen hörte natürlich auf als wir von Bord waren. Wenn Engel reisen...
Unser Führer war sehr nett und versorgte uns kompetent mit allen wichtigen Informationen zur Stadt. Nach einer kurzen Fahrt (mit Blick auf die Europa 2 <3) erreichten wir die kleine Meerjungfrau, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Wenn ich mich im Vorfeld besser informiert hätte, dann wäre ich beim Anblick der lediglich 125 cm kleinen Bronzefigur vielleicht nicht ganz so enttäuscht gewesen. Irgendwie hatte ich mir das Teil einfach größer vorgestellt.


Unser Ausflug führte uns als nächstes zum Schloss Amalienborg, der Stadtresidenz der dänischen Königin Margrethe II, vor der die Soldaten mit den typischen Bärenfellmützen Wache stehen. Wir konnten auch einen Blick auf die Königsyacht Dannebrog werfen (Baujahr 1932). Außerdem hatten wir die Gelegenheit einen Souvenir-Laden zu plündern und die dortige Toilette aufzusuchen, deren korrekte Benutzung einem sogar bildlich erklärt wird: hinsetzen und nicht auf die Klobrille stellen! Ist gar nicht so schwer!


Unsere Stadtrundfahrt führte uns an weiteren wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei wie z.B. dem Nyhavn mit seinen zahlreichen Cafés und Restaurants, dem Vergnügungs- und Erholungspark Tivoli, Schloss Christiansborg, das seit 1918 der Sitz des Paraments ist, und auch Schloss Rosenborg, der ehemaligen königlichen Sommerresidenz.


Laut Ausflugsbeschreibung sollten wir dann in ein Geschäft für das berühmte weiß-blaue, handbemalte Porzellan in der Innenstadt gebracht werden. Nicht unbedingt so mein Ding, aber wir hatten Glück – unser Führer begleitete uns lediglich in die Fußgängerzone und dort konnten wir alleine losziehen. Also parkte ich die Herren auf einer Bank und während mein Gatte nach freiem WLAN suchte inspizierte ich gründlich einen Souvenir-Laden und war am Ende stolze Besitzerin einer neuen Handtasche und mit der Welt zufrieden. So muss ein Ausflug ablaufen!
Über das Stadtviertel Christianshavn, wo sich die alternative Wohnsiedlung „Freistadt Christiania“ befindet, fuhren wir zurück zum Hafen und waren kurz nach 12 Uhr wieder an Bord.
Während des Mittagessens fing es dann auch erneut zu regnen an. Aber zumindest war es während unseres Ausflugs trocken. Danke Wettergott!
Nach dem Essen machten wir es uns an der Mittelbar bequem, um dort ein wenig zu lesen und die anderen Passagiere zu beobachten. Außerdem musste natürlich der Daily Special = The little Mermaid (die alt bekannte Soafalaugn^^) getestet werden. Fazit: Der erste schmeckt immer noch gruselig! Die tägliche Beschäftigungstherapie mit den grünen Nüssen durfte natürlich auch nicht fehlen. Da hat sich Costa echt was tolles einfallen lassen. Verdammte Nüsse!
Um 17.30 Uhr verabschiedete sich die Luminosa von Kopenhagen und setzt Kurs auf Warnemünde und wir gingen auf unsere Kabine zur täglichen Reinigung sowie Vorbereitung auf das spätere Programm (Den Heimscheißer drückte natürlich auch was^^).
Es war der italienische Abend und nach dem Essen gab es die übliche Show der Kellner, was mich natürlich daran erinnerte, dass wir uns langsam dem Ende der Kreuzfahrt näherten. Kein schöner Gedanke, aber ein paar Tage standen uns ja noch bevor.
Während meine Männer sich nach der Nahrungsaufnahme gleich auf den Weg zum zentralen Pool auf Deck 9 machen, ging ich kurz auf unsere Kabine, wo ich auf dem Balkon noch einen Blick auf die Öresundbrücke in der Ferne werfen und den tollen Sonnenuntergang bewundern konnte.


Ohne große Hoffnung gesellte ich mich dann zu Gerald und Jens (später kam auch noch Paul), um mir das 2. Halbfinal-Spiel meiner Bayern gegen Barcelona anzusehen. Leider reichte der 3:2-Sieg am Ende nicht und für den FCB war es das mit der Königsklasse für diese Saison. Mit ein paar Drinks spülten wir unsere Enttäuschung hinunter und zogen später weiter zur Bar beim Casino, wo es letztendlich doch noch ziemlich lustig (oder besser feucht-fröhlich) wurde.

Temperaturen bis 18°C, wolkig, teilweise Regen
Im Hafen: Europa 2
(3,5)

13.05.2015 Warnemünde / Deutschland

Gegen 8 Uhr begrüßte uns an diesem Morgen das Seebad Warnemünde (ein Stadtteil im Norden der Hansestadt Rostock in Mecklenburg-Vorpommern) mit dunklen Wolken. In diesem Teil (Dunkel-) Deutschlands war ich noch nie gewesen und ich war gespannt, was uns der Tag bringen würde. Die Aussichten waren zumindest wettermäßig nicht gerade berauschend, aber das konnte sich ja noch ändern. Unsere Luminosa war übrigens das erste Costa-Schiff, dass in diesem Jahr das Ostseebad anlief.
Nach einem kleinen Frühstück ohne meinen Gatten spazierte ich über die oberen Außendecks, genoss den Blick Richtung Strand und stellte erfreut fest, dass es der Wettergott mal wieder gut mit uns meinte und die Sonne die bösen Regenwolken vertrieb. Mit Jens lungerte ich dann ein bisschen an der mittleren Poolbar rum bevor sich mein Gatte zu uns gesellte. Der Hunger hatte ihn letztendlich doch aus dem Bett getrieben.
Gegen 13 Uhr gingen wir von Bord und wunderten uns als erstes über das unmotivierte, muffige Sicherheitspersonal. Willkommen in Deutschland!
Mein großes Ziel für diesen Tag war natürlich der Strand und da ich nicht wollte, dass das Knie von Gerald mir erneut einen Strich durch meine Pläne machte, spendierte ich uns ein Taxi, das uns bis zum Leuchtturm brachte. Letztendlich eine gute Entscheidung. Nicht-Gehbehinderte schaffen die Strecke (am Alten Strom entlang) aber locker zu Fuß.
Neben dem 37 m hohen Leuchtturm aus dem Jahr 1897 befindet sich der Teepot, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Warnemünde, der wegen seiner besonderen Dachkonstruktion unter Denkmalschutz steht. Das Bauwerk aus dem Jahr 1968 direkt an der Strandpromenade beherbergt neben Gastronomie auch eine Boutique und einen Souvenir-Laden (YES!).


Als allererstes zog es mich natürlich an den Strand. Herrlich! Der Wind pfiff uns nur so um die Ohren und wir bekamen auch noch ein kostenloses Gesichtspeeling. Den feinen Sand fand ich sogar noch nach unserer Rückkehr in diversen Kleidungsstücken. Meinen größten Respekt hatten die Kitesurfer, ich würde mich das niemals trauen, ich hatte ja schon mit beiden Beinen am Boden Angst, weg geweht zu werden.


Nachdem wir eine Zeit lang am Strand entlang spaziert waren und natürlich ein paar Muscheln eingesteckt hatten, gingen wir zurück Richtung Leuchtturm und besuchten auf Geralds Wunsch hin das Informationszentrum der Seenotretter. Die kleine Ausstellung mit historischer Rettungsausrüstung und Seenotkreuzer-Modellen war sehr interessant und kann kostenlos besichtigt werden (eine kleine Spende ist natürlich gerne gesehen). Im Anschluss inspizierten wir den Souvenir-Laden im Teepot und natürlich den Leuchtturm etwas genauer und dann war es definitiv Zeit für ein paar lokale Spezialitäten. Wir hatten bei unserer Wahl mal wieder ein glückliches Händchen – die „Lotsenstube“ war perfekt für unsere Bedürfnisse. Das kleine Restaurant mit lediglich 16 Sitzplätzen bietet neben leckeren Bieren auch eine kleine, aber feine Speisekarte und ist liebevoll mit allerhand Sammelstücken aus der Seefahrt und aus der DDR dekoriert. Der Chef erzählte uns interessante Geschichten, während wir Rostocker Pils, Kümmel (nur die Herren, der Gesichtsausdruck von Jens war herrlich) und Matjes-Brötchen (nur Gerald) genossen. Außerdem durften wir uns auch noch als Dolmetscher beweisen und bei der Kommunikation mit Russen und Italienern vom Schiff helfen. Ein wirklich gelungener Nachmittag!
Auf der Westseite des „Alten Stroms“, der Flaniermeile Warnemündes mit zahlreichen Geschäften, Restaurants und Cafés, schlenderten wir gemütlich wieder zurück Richtung Kreuzfahrthafen. Natürlich mussten wir auf dem Weg auch noch ein bisschen shoppen und Gerald brauchte eine Wegzehrung in Form eines Butterfisch-Brötchens.


Auf dem Freigelände vor Pier7 und der Manufakturen-Scheune legten wir eine kurze Pause ein und bewunderten die Sandskulpturen-Ausstellung, die dieses Jahr den Titel „Imposant – Die FKK-Geschichte“ trägt. Und der Ausdruck „imposant“ beschrieb perfekt, was wir zu sehen bekamen, ich sag nur „Sand-Schniedel“. Harrharr!
Um 17.30 Uhr waren wir zurück an Bord und gingen gleich in unsere Kabine, denn eine Stunde später war es schon wieder Zeit für das Abendessen. (Wer Hühnerfleisch-Terrine anstatt norwegischem Graved Lachs wählt ist selber schuld. Pressfleisch!^^)
Nach dem Essen gönnten wir uns einen Drink an der Bar Libra (wobei ich mich an den mysteriösen Cocktail des Tages: Flying Sleight beim besten Willen nicht mehr erinnern kann^^) bevor die Herren Richtung zentralem Pool zogen und ich mir auf unserem Balkon das Ablegen um 20.30 Uhr (geplant war 20 Uhr) ansah und den Ausblick auf den Strand von der Seeseite her bewunderte.


Es war wieder einmal Fußball-Abend angesagt und wir drückten natürlich Juventus Turin ganz fest die Daumen. Eine nette chinesische Kellnerin versorgte uns dabei mit Gin Tonic und Panzersperren und sogar der Comandante höchst persönlich grüßte uns schon von der Weite. Gekrönt wurde dieser schöne Tag am Ende dann noch vom Spielergebnis - das 1:1 reichte Turin nämlich für den Einzug ins Champions League-Finale (und Drecks-Real war draußen^^).
Nach dem Spiel gönnten wir uns noch einen (oder mehrere^^) Absacker an der Casino Bar und wunderten uns über die extrem gute Laune unseres „Stinkstiefels“ (Assistant Bar Manager). Irgendjemand musste dem was ins Futter gepackt haben.

Temperaturen bis 15°C, bewölkt, sehr windig
(2,5)

15.05.2015 Seetag

Unser letzter Tag auf See stand für mich unter dem Motto „Entspannung pur“ und ich begann ihn damit, mich erst einmal richtig auszuschlafen. Als ich mich am Vormittag endlich aus dem Bett bequemte zog mich das herrlich Wetter gleich auf den Balkon, wo ich es mir gemütlich machte, ein bisschen Musik hörte und über das Leben nach dachte. Der strahlend blaue Himmel, die ruhige Ostsee und unsere Heckwelle... herrlich! („Feels like life for you today is only perfect. Seems like
sorrow and shame never was really there. These are the moments that you keep inside your heart to guide you then the day you fail again.“)
Leider konnte ich nicht ewig dort sitzen bleiben und den wunderbaren Ausblick genießen, denn es gab noch etwas wichtiges zu erledigen – ein Mitbringsel für mein Patenkind Annika organisieren. Im Bordshop wurde ich schnell fündig und hoffte, dass ich der Kleinen (und evtl. auch ihrer Mutter) mit meinen Geschenken eine kleine Freunde machen würde. Gerald war mittlerweile auch bereit für Aktivitäten außerhalb des Bettes und so gingen wir gemeinsam auf Deck 9 zur Nahrungsaufnahme. Es gab Rippchen – die besten, die ich jemals gegessen hatte – in einer göttlichen Sauce. Am liebsten hätte ich meinen Teller ausgeleckt... Moment! Habe ich ja! Und nicht nur ein Mal!
Mal wieder voll bis zum Kragen musste ich nach dem Essen erst einmal ein paar Runden über die Außendecks drehen. Das Wetter war einfach traumhaft und so legte ich auch einen kleinen Zwischenstopp auf einer Liege ein und genoss dort die Sonne. Später machte ich es mir dann mit einem Buch auf unserem Balkon gemütlich und beschloss, dass ich für immer hier bleiben würde. Kaum zu glauben, dass es tatsächlich nur 12°C waren, an windgeschützen Stellen in der Sonne konnte man es locker in Sommerklamotten aushalten.



Am Abend war ein letztes Mal „Gala“ angesagt und das „Cena di Gala di Arrivederci“ war wie erwartet superlecker. Als Vorspeise wählte ich genauso wie Gerald „Asparagi in padella con prosciutto crudo“ auf die als Hauptgang „Filetto di manzo alla griglia“ folgte. Ja, ich musste mir selber eingestehen, ich war mittlerweile süchtig nach manzo. Auch mein Gatte war sehr zufrieden mit seinem Spanferkel, lediglich Jens sah nicht wirklich glücklich aus. Warum bestellt er sich auch Crepes mit Käse und Pilzen, wenn er gar keine Lust darauf hat. Der lernt es nie. Ich gab ihm natürlich nichts von meiner Kuh ab. Am Ende teilen ich mir mit Gerald noch die „Selezione di formaggi italiani ed internazionali“ (süßer Povolone, Fontal, Gorgonzola). Nach dem Essen folgte der obligatorische Auflauf der Verantwortlichen (alle Köche waren eindeutig übergewichtig, was für die Qualität des Essens spricht^^) und natürlich dufte auch die Zuckerbome nicht fehlen.





Später gingen wir in die Libra und da wurde es dann so richtig lustig. Für Gerald gab es natürlich seine geliebten Oliven und Fidel, der Barchef, nötigte uns zum Konsum alkohoischer Getränke. Nur der Cocktail des Tages: Diamond Fizz (Gin, Zirtonensaft, Prosecco) wollte den Herren so gar nicht munden. Das gab Gesichtsentgleisungen vom Feinsten. Wir machten zahlreiche Fotos u.a. mit Paul, Edgar, dem Animationsteam und sogar mit dem stinkigen Assistant Bar Manager, dem wohl wieder jemand etwas ins Futter gemischt hatte. Zu späterer Stunde kam Wadim zu uns und brachte mir ein Geschenk: eine kleine Flasche Finlandia, in Russland abgefüllt, wobei sich mir die Frage stellte, wie viele Fläschchen die eigentlich an Bord geschmuggelt hatten. Später ging ich noch einen Sprung in die Disko, aber irgendwann musste auch dieser wunderschöne Abend ein Ende haben, da in aller Früh mein Wecker für den absoluten Höhepunkt der Reise klingeln würde.



Temperaturen bis 12°C, sonnig
(3)

15.05.2015 Stockholm / Schweden

Schon seit Langem stand Stockholm auf der Liste der Orte, die ich unbedingt einmal sehen wollte. Besonders die Fahrt durch den Schärengarten, der aus ca. 30.000 Inseln und Inselchen besteht, stellte ich mir wunderschön vor und stand deshalb bereits um 6 Uhr mit meiner Kamera bereit, um diesen ganz besonderen Teil der Reise ausgiebig genießen zu können. Die Sonne kämpfte sich gerade durch die Wolken und so weit das Auge reichte waren da überall kleinere und größere bewaldete Felsen im Meer. Ich war sprachlos! Unsere Fahrt durch diesen Irrgarten sollte noch bis 9 Uhr so weiter gehen und ich konnte mich an dem Anblick, der sich mir von unserem Balkon aus bot, gar nicht satt sehen. Begleitet wurden wir von ca. vier Millionen Möwen, was natürlich unseren Geier sehr erfreute.


Stockholm, die Hauptstadt Schwedens und größte Stadt Skandinaviens, besitzt zwei Hafenbereiche, in denen Kreuzfahrtschiffe normalerweise anlegen - Stadsgården und Frihamn. Letzterer befindet sich recht weit vom touristischem Zentrum entfernt und genau hier war natürlich der Platz von unserer Luminosa.
Kurz vor 9 Uhr gingen wir für ein schnelles Frühstück auf Deck 9, um dann pünktlich um 9.30 Uhr beim Treffpunkt für unseren Ausflug zu sein. Jedenfalls waren Gerald und ich in der Grand Bar, von Jens fehlte jede Spur. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit gewartet hatten und er auch telefonisch nicht erreichbar war, mussten wir am Ende ohne ihn von Bord gehen. (Ich brauche wohl nicht erwähnen, wie sauer ich war!!! Die ganze Nacht feiern und in der Früh nicht aus dem Bett kommen...) Dafür begleitete uns Paul, was auch nicht schlecht war.
Bereits Wochen vor der Kreuzfahrt hatten wir auf Geralds großen Wunsch hin den Ausflug „Stadtbesichtigung, Vasa-Museum und Rathaus“ gebucht und ich war schon ganz gespannt, was uns erwarten würde. Unsere Führerin Silke war auf alle Fälle ein Volltreffer – kompetent und mit einem Augenzwinkern brachte sie uns die Geschichte Stockholms näher und wusste uns sowohl im Museum als auch im Rathaus mit der ein oder anderen lustigen Geschichte zu erheitern. Uns störte es auch überhaupt nicht, dass wir uns den Bus mit einer russischsprachigen Gruppe teilen mussten. Die waren ja jetzt schließlich unsere Freunde.
Als erstes fuhren wir auf die Insel Djurgården, auf der sich zahlreiche Museen befinden, u.a. das imposante Nordische Museum, das ABBA-Museum und eben auch das Vasa-Museum, das wir ansteuerten.
Als wir das im Jahr 1990 eröffnete Museum betraten blieb mir fast die Spucke weg: In der riesigen, dunklen Halle mit Spezialklimatisierung stand ein gigantisches hölzernes Kriegsschiff. Ich hatte mich im Vorfeld nur oberflächlich informiert und war einfach überwältigt von diesem Anblick.


Im Zentrum des Museums steht das fast vollständig erhaltene Kriegsschiff Vasa, das bereits auf seiner Jungfernfahrt 1628 auf tragische Weise gesunken war (die zwei Kanonendecks, die vom König selbst in Auftrag gegeben worden waren, waren dem Schiff letztendlich zum Verhängnis geworden). Anfang der 50er Jahre machte es sich der private Wrackforscher Anders Franzén zur Lebensaufgabe, das Schiff zu suchen und 1956 wurde er schließlich fündig (Königsholz und Würmer und so). Genau 333 Jahre nach dem Unglück wurde das Wrack schließlich am 24.04.1961 aus dem Wasser geborgen. 1990 wurde das Museum eröffnet und neben dem Schiff selber mit seinen hunderten geschnitzter Skulpturen befinden sich dort noch auf drei Hauptgalerien, die die Vasa in unterschiedlichen Höhen umgeben, zahlreiche Ausstellungsstücke zum Bau und der Bergung des Schiffs, sowie zum Leben an Bord (inkl. Skelette).
Beim Verlassen des Museums wurde uns wieder bewusst, warum wir uns für die Buchung eines Ausflugs über Costa entschieden hatten – die Schlage an der Kasse schien endlos. Hier hätten wir uns bei einem Besuch auf eigene Faust niemals angestellt und am Ende wirklich etwas verpasst.
Unsere zweite Station des Tages war das Stadshuset, das Rathaus von Stockholm. Es wurde zwischen 1911 und 1923 nach den Plänen des Architekten Ragnar Östberg erbaut und ist eines der wichtigsten Beispiele für den Stil der schwedischen Nationalromantik. Das Rathaus ist nicht nur Sitz der Stadtregierung, sondern auch international bekannt wegen des jährlich stattfindenden Festessens anlässlich der Verleihung der Nobelpreise in der „Blauen Halle“ (die gar nicht blau ist^^). Besonders interessant fand ich, dass der Architekt für die Gestaltung der große Treppe seine Frau zu Rate gezogen hatte, um den optimalen Abstand der Stufen für Damen im Abendkleid zu finden. Feine Sache! Endlich mal ein Mann, der mit denkt!


Zum Tanz bittet man im Anschluss an das festliche Nobelpreis-Dinner (mit minimalem Platzangebot) dann im „Goldenen Saal“ mit seinen beeindruckenden Wandmosaiken aus ca. 18 Mio. Mosaiksteinen aus Gold und buntem Glas, den wir natürlich auch besichtigten. Besonders im Gedächtnis blieb mir hier der Architektenmurks mit dem abgeschnittenen Heiligenschädel.


Auf unserer Tour durch das Rathaus erhielten wir von unserer Führerin Silke alle wichtigen Informationen und dazu noch die ein oder andere Anekdote. Unglaublich spannend und auch lustig, wenn da nicht der Furzer gewesen wäre, dessen Winde ich zwischendurch einatmen durfte (und nein, es war nicht Gerald, dessen Düfte kenne ich^^).
Gegen 13 Uhr war unsere Führung beendet und wir stiegen wieder in den Bus. Nach kurzer Fahrt hielten wir bei der Königlichen Oper und wir verabschiedeten uns von den restlichen Ausflugsteilnehmern und unserer Führerin, da wir beschlossen hatten, noch ein bisschen alleine in der Stadt rumzuschleichen. Da das Wetter uns ausnahmsweise nicht sonderlich wohlgesonnen war (regnerisch, kühl), wurde es aber nur ein kleiner, aber interessanter Spaziergang. Zumindest wissen wir jetzt u.a. wo der Künstlereingang der Oper ist.
Mit dem Shuttlebus, den wir mit unserem Ausflugsticket ohne weitere Zuzahlung benutzen konnten, fuhren wir dann wieder zurück Richtung Schiff. Leider war der Bus ziemlich voll und ich konnte lediglich einen ziemlich ungemütlichen, schrägen Stehplatz ergattern, war aber am Ende auch nicht so schlimm.
Im Hafenterminal parkte ich meinen Gatten in der Zone mit freiem WLAN, nahm ihm die schwedischen Kronen ab und plünderte den Souvenir-Shop (wo ich auch das perfekte Käppi für unsere Freundin Michi fand).
Um 15.30 Uhr waren wir schließlich wieder an Bord und stärkten uns natürlich als erstes am Grill, bevor wir uns mit ein paar Häppchen auf unsere Kabine zurück zogen. Dort folgte einer der unangenehmen, aber leider unvermeidlichen Teile einer Kreuzfahrt: das Kofferpacken. Oh wie ich es hasse! Die für den Rückflug erlaubten 23 kg reichten am Ende sogar aus, um alle Klamotten, Souvenirs und sonstigen Plunder unterzubringen.
Mit gemischten Gefühlen gingen wir dann zum Abendessen und schlugen uns ein letztes Mal den Ranzen so richtig voll, ich natürlich mit meinem heiß geliebten manzo. Nachdem wir uns bei unseren Kellnern verabschiedet hatten (inkl. Erinnerungsfoto natürlich) mussten wir natürlich in die Libra. Diese Bar war im Laufe der Kreuzfahrt zu einem unserer Lieblingsorte an Bord geworden, nicht nur wegen der guten Musik, sondern auch wegen der netten Kellner, die schon fast so was wie Freunde für uns geworden waren. Wir alberten ein letztes Mal mit Edgar, Flor (ich sag nur Alpaca^^) und Roselle (die wir seit 2011 kennen) rum und ließen uns von Fidel alkoholische Getränke aufdrängen. Anderson überraschte uns zum Abschied mit „No woman no cry“ und einer kleinen Ansprache, in der er sich bei uns bedankte. Hallo!?!?! Wir müssten uns bei ihm für die tolle musikalische Unterhaltung bedanken, was wir natürlich auch taten. Am Ende bot er uns noch einen Platz in seiner Kabine an, falls wir an Bord bleiben wollten. Bei meinen Rauchausflügen bekam ich auch noch die Möglichkeit mich beim netten „Schnauzbart“ aus dem Taurus (2. Maitre d'Hotel) für den hervorragenden Service und das sehr gute Essen zu bedanken und mich zu verabschieden. Man muss mir wohl angesehen haben, dass ich am liebsten an Bord bleiben wollte, denn sogar ein „Putzmann“ bot mir einen Schlafplatz an. Hach, ich würde all diese netten Menschen einfach schrecklich vermissen.
Gerald zog sich nach dem verlorenen Steckerlvergleich (Gewaltanwendung gilt nicht!!) auf unsere Kabine zurück, während ich mein Getränkepaket noch ein bisschen ausnutzte. Ich wollte noch etwas Zeit alleine für mich haben und als ich an all die wunderbaren Momente dachte, die ich auf dieser Kreuzfahrt erleben durfte, übermannte mich die Traurigkeit darüber darüber, dass ich das alles nicht mit meinem Vater teilen konnte. War unser Abschied wirklich schon 10 Jahre her? …

Temperaturen bis 8°C, wolkig, regnerisch
Im Hafen (Stadsgården): Eurodam
(3)

16.05.2015 Stockholm / Schweden

Nach einer kurzen Nacht packte ich am Morgen mein restliches Zeug in meinen Rucksack und genoss bei herrlichem Sonnenschein die letzten Momente auf unserem Balkon. Um 8 Uhr sollte man eigentlich die Kabine verlassen, wir ließen uns aber etwas mehr Zeit, was Harold nicht störte.


Auf Deck 9 organisierten wir uns dann ein „kleines“ Frühstück inkl. eines Omelettes von Francis. Dass es, wie schon ein paar mal gelesen, am Ausschiffungstag kein richtiges Frühstück mehr gibt kann ich nicht bestätigen. Jedenfalls gab es bei uns noch reichlich Futter.
Gemeinsam mit Jens machten wir es uns später bei der hinteren Poolbar in der Sonne gemütlich und ich erfreute die Kellner mit einer Tüte voll Feuerzeugen (Die Blicke und das Gelächter über das Feuerzeug mit dem nackten Kerl waren zu geil). Als es uns draußen etwas zu frisch wurde zogen wir weiter zur Mittelbar, wo wir uns einen letzten Drink gönnten und mit den Damen vom Customer-Service rumblödelten. An dieser Stelle noch Mal ein herzliches Dankeschön für die Schere und das Pflaster zur Rettung meines eingerissenen Fingernagels. Um 11.45 Uhr war es dann so weit und kein Jammern half mehr, wir mussten in die Grand Bar zur Ausschiffung. Ich will ja nach keiner Kreuzfahrt von Bord, aber dieses Mal war es besonders schlimm. Der endgültige Abschied von all den netten Leuten fiel mir sehr schwer. Wie gewohnt ging dann alles schnell - runter vom Schiff, Koffer einsammeln und keine halbe Stunde später saßen wir schon im Bus, der uns zum Flughafen Stockholm-Arlanda brachte (Fahrzeit ca. 30 Minuten, Lacher am Rande: der Bauhaus-drive-in). Dort angekommen versuchten wir uns erst einmal zu orientieren und schafften es dann auch tatsächlich, unsere Bording-Pässe auszudrucken (ein Schalter mit einem Mensch wäre mir deutlich lieber gewesen als so ein komischer Automat). Da es keinerlei „Abkürzungsmöglichkeiten“ gab mussten wir uns in eine endlos erscheinende Schlange zum Check-in anstellen und nicht nur meine Männer waren am Ende ziemlich fertig. Während die Herren letztendlich problemlos durch die Kontrollen kamen, musste ich mich einer „Sonderkontrolle“ unterziehen und mein Rucksack wurde erfolglos auf Sprengstoff, Drogen oder was auch immer untersucht. Nur gut, dass wir in Amsterdam nur gesoffen hatten! Dann ging die Warterei weiter, aber zumindest gab es eine kleine Räucherkammer, wo ich meiner Sucht frönen konnte.
Kurz nach 15 Uhr hieß es dann endgültig bye bye Schweden und unsere A321 startete zu einem problemlosen Flug Richtung Heimat. Der Blick auf Stockholm mit den vielen Inseln war grandios und die Stadt war endgültig auf meiner Liste.


Leider waren wir in den vergangenen 16 Tagen sehr verwöhnt worden was das Essen betrifft und daher war augenscheinlich keiner von uns begeistert von der Lufthansa-Verpflegung in Form eines Sandwichs (leider wurde der Pastrami- Geschmack von einer Art Salatcreme regelrecht erschlagen).
Nach einem ruhigen Flug hatten wir gegen 17.15 Uhr wieder bayrischen Boden unter uns, aber so richtig glücklich machte mich die Ankunft am Flughafen München nicht wirklich. Am liebsten wäre ich in den nächsten Flieger Richtung Norden gestiegen. Aber es blieb uns nichts anderes übrig als unsere Koffer einzusammeln (dauerte ewig) und uns dann auf die Suche nach unserem Fahrer vom Airport-Shuttle Rosenmeier zu machen, den wir auch schnell fanden. Über die Fahrt zurück nach Regensburg will ich eigentlich gar nichts sagen, weil ich mich sonst nur wieder ärgern muss. Eingequetscht zwischen meinem Gatten und dem Fahrer war es alles andere als gemütlich und am Ende war ich fix und fertig und mir taten nicht nur meine eingeschlafenen Beide weh. So nicht! Unter Individualtransfer hatte ich mir etwas anderes vorgestellt.
Letztendlich erreichten wir um 19.15 Uhr das Alex-Center und hatten unseren Freunden viel zu erzählen über unsere wunderschöne Reise. 

Fazit
Dies war nach 2009 und 2012 bereits unsere 3. Fahrt mit der Costa Luminosa und wir waren erstaunt, dass trotz manch gegenteiliger Behauptung im Internet kaum Verschleißspuren zu erkennen waren (höchstens auf den 2. oder 3. Blick).
Mit 1856 Passagieren am Anfang der Reise (am Ende der Fahrt waren es noch weniger; zugelassen sind 2826) wirkte das Schiff teilweise fast leer und man hatte auch an den Seetagen mehr als genug Platz an Bord und im Pool. Noch nie hatte ich an Seetagen so viele leere Liegen am Pooldeck gesehen!
Das Essen im Buffetrestaurant war gut bis sehr gut, besonders erfreut war ich natürlich, dass es noch Eierspeisen zum Frühstück am Buffet gab und nicht nur im Bedienrestaurant wie es im neuen Konzept von Costa vorgesehen ist. Das Abendessen im Restaurant Taurus war geschmacklich gut bis sehr gut, reichlich und abwechslungsreich und besonders das Rindfleisch (in sämtlichen Variationen) war einfach ein Traum. Das Personal in den Restaurants und Bars war immer aufmerksam, freundlich und erfüllte all unsere Wünsche zu unserer vollsten Zufriedenheit – fast immer mit einem Lächeln im Gesicht und ein paar netten Worten. Am schönsten waren natürlich all die bekannten Gesichter, die wir von unseren vergangenen Reisen kannten. Wahrscheinlich lag es an der geringen Passagierzahl, dass die gesamte Crew vom Putzmann bis zu den Offizieren weniger gestresst wirkte als auf unseren früheren Fahrten.
Die Route um Westeuropa hat uns wegen ihrer Vielfältigkeit sehr gut gefallen, jede Destination – ob wir sie nun schon kannten oder neu entdecken durften – hatte ihren eigenen Charme, wobei Stockholm und dort besonders die Fahrt durch den Schärengarten mein persönliches Highlight war.

Am Ende meines Berichts möchte ich mich bei Kapitän Pietro Sinisi und der restlichen Crew der Costa Luminosa für diese unvergessliche Kreuzfahrt bedanken. Besonders erwähnen möchte ich den deutschen Host Paul, Küchenchef Jens Goldschmidt (danke für die ca. 4 kg Hüftgold^^), Flor, Edgar, Roselle, Anderson und das Duo Smile – danke für all die schönen und lustigen Momente!

Und nicht vergessen darf ich den Bürgermeister und unsere anderen russischen Freunde! Спасибо!

Mein Dank gilt natürlich auch meiner Mutter fürs Wohnungshüten und dem TUI ReiseCenter im Donaueinkaufszentrum/Regensburg für Angebotserstellung und reibungslose Buchung.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Und ihr wisst ja, falls es die Götter gut mit uns meinen, werde ich mich wieder melden...

Und nicht vergessen: „A dream is all we need!“



© Sabine Lehner 2015